„Larvenstadium der Menschheit“: ARD-Doku zeigt radikale Pläne der US-„Broligarchen“

Die Visionen der Tech-Giganten sind erschreckend. „Sie glauben, dass die heutigen Menschen eine niedrigere Stufe darstellen. Wir sind das Larvenstadium der Menschheit“, erklärt der amerikanische Autor Douglas Rushkoff die Sichtweise von Mark Zuckerberg, Elon Musk, Peter Thiel und Co. „Wir leben auf einem Stück Mist. Und sie sind diejenigen, die Flügel bekommen und hinaus in den Himmel fliegen können.“

Sie träumen von einem Upgrade der Menschheit durch Technik in einer libertären Welt, die frei von staatlichen Regulierungen und demokratischen Hürden ist. Nach dem Wunsch dieser Titanen, deren Milliarden und Einfluss weit über das Silicon Valley hinausreichen, soll sich das stärkste Individuum frei entfalten können – nämlich zunächst sie selbst. Dafür suchen sie den engen Schulterschluss mit der Politik.

Einfluss von Elon Musk und Mark Zuckerberg: Wenn Technologie und Politik verschmelzen

Die Fakten, die die ARD-Doku „Trump und die Tech-Giganten“ zusammenträgt, belegen, dass diese Akteure längst massiven Druck auf Regierungen ausüben. Ihr Ziel: Ein weltweiter libertärer Markt ohne Grenzen. Elon Musk saß zeitweise direkt im Weißen Haus, während Peter Thiel den Vizepräsidenten J. D. Vance massiv unterstützte.

Mark Zuckerberg kontrolliert weite Teile der digitalen Öffentlichkeit und versprach dem US-Präsidenten bei einem Dinner der Tech-Elite Investitionen in Höhe von 600 Milliarden Dollar. Unter der aktuellen US-Regierung verschmelzen Wirtschaft, Technologie und Politik in einem neuen Ausmaß. Die Macher sehen sich dabei nicht als Volksvertreter, sondern als Geschäftsmänner mit Eigeninteressen. „Ich bin kein Politiker, aber Donald Trump auch nicht“, erklärte Thiel bereits im Wahlkampf 2016. „Es ist Zeit, Amerika neu aufzubauen.“

Peter Thiel und die „Broligarchen“: Demokratie contra wirtschaftliche Freiheit

„Thiel ist der Kopf dahinter“, weiß die US-Soziologin Brooke Harrington. Sie hat für die Milliardäre, die gezielt Macht aufbauen, um demokratische Strukturen zu unterwandern, den Begriff „Broligarchen“ geprägt (eine Kombination aus „Brother“ und „Oligarch“). Thiel liefert dazu die radikalen politischen Visionen.

Antidemokratisch
US-Soziologin Brooke Harrington denkt, dass Tech-Milliardäre gezielt demokratische Strukturen unterwandern. ARD-Screenshot

Bereits 1987 gründete er an der Stanford-Universität die konservative Zeitung „The Stanford Review“. In einem Essay von 2009 wurde er deutlich: „Ich glaube nicht länger, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar sind. Demokratie bringt zu viele Regeln und Regulierungen. Das ist schlecht für die Wirtschaft.“ Während Thiel oft im Hintergrund agiert, sucht Elon Musk die ganz große Bühne.

Elon Musk und Palantir: Wie Überwachungssoftware und Satelliten Macht sichern

Acht der zehn reichsten Männer der Welt stammen aus der Tech-Branche – angeführt von Elon Musk. Er träumt von der Symbiose zwischen Mensch und Maschine sowie dem Flug zum Mars. Da ihm zwei Drittel der weltweit rund 9000 Satelliten im All gehören, ist er für Regierungen unentbehrlich geworden. So ist etwa die Ukraine militärisch von Musks Technologien abhängig.

Immer mehr Tech-Unternehmer drängen in den Rüstungssektor. Alex Karp, Chef des Software-Giganten Palantir, der Überwachungssoftware für zivile und militärische Zwecke herstellt, formuliert es drastisch: „Wir wollen Amerika zur dominanten militärischen Macht auf dem Planeten machen. Unsere Feinde sollen morgens mit mäßiger bis extremer Angst aufwachen und abends damit schlafen gehen.“

Silicon-Valley-Mogule: Warum Prinzipien dem Profit weichen

„Die Tech-Milliardäre wollen keinerlei Grenzen ihrer Macht – weder durch Regierungen noch durch Finanzsysteme oder Fakten“, sagt Soziologin Harrington. Dabei stehen rein geschäftliche Überlegungen im Vordergrund. „Es geht nicht um Prinzipien, sondern darum, was gut für das Geschäft ist“, meint Frank Sauer von der Bundeswehr-Universität München.

Hatten sich Bosse wie Zuckerberg einst für Diversität und Inklusion eingesetzt, loben sie nun die aktuelle US-Regierung, um ihre Interessen zu sichern. „Für die meisten Silicon-Valley-Mogule hat Demokratie keine wirkliche Bedeutung“, ergänzt der Historiker Quinn Slobodian. Sie fordern weniger Staat und mehr Einfluss für ihre eigenen Imperien.

Machtverschiebung
US-Historiker Quinn Slobodian kritisiert die Machtverschiebung zugunsten einer internationalen Unternehmerklasse. ARD-Screenshot

Das Ende der Mitbestimmung: Die Flucht der Elite vor der Gesellschaft

Die Pläne der Tech-Giganten könnten letztlich darauf hinauslaufen, die Demokratie weltweit zu schwächen, da Mitbestimmung ihrem Expansionsdrang im Weg steht. Douglas Rushkoff betont: „Sie glauben, sie handeln für die Menschheit.“ Doch ihre Definition sei eine andere.

Ihre Hoffnung ruht darauf, eine KI mit menschlichem Bewusstsein zu erschaffen und diese „in den Himmel“ zu schicken, bevor der Planet kollabiert. Rushkoffs Fazit ist ernüchternd: „Für sie geht es bei der Zukunft der Technologie vor allem darum, uns anderen zu entkommen.“ Es scheint, als würde die globale Demokratie dem technologischen Größenwahn einiger weniger geopfert.