C-Promis und Schlaf-Garantie: Das traurige Ende von 100 Folgen „Schlag den Star“

Die „Schlag den Star“-Fangemeinde auf dem Meinungskanal „X“ ist eigentlich hart im Nehmen. Doch ausgerechnet bei der 100. Sendung hat ProSieben offenbar bei ihnen das Kraut ausgeschüttet. 

Das einhellige Urteil: „Eine Samstagabendshow, die bis 1 Uhr nachts geht, am Sonntag zu senden, grenzt an Dummheit.“ Und: „Ab 22:30 Uhr könnt ihr dann zusehen, wie euch die Einschaltquoten absacken.“

Die 100. Folge von „Schlag den Star“ (SdS): Dass ProSieben ausgerechnet diese Jubiläumsshow an einem Sonntagabend ins Volk bläst und den prominenten Samstagsplatz lieber ins „TV total Turmspringen“ investiert, kann man, nun ja, als innovative Entscheidung bezeichnen. Oder als den Einstieg in den Ausstieg einer Show, die ihr Zenit längst überschritten hat.

Dass „Schlag den Star“ legendär war, ist lange her

Als Zweitaufguss des Originals „Schlag den Raab“ hatte SdS in den bisherigen 99 Folgen durchaus große Momente. Etwa 2016, als Matthias Steiner und Henning Baum wahnsinnige 12 Minuten lang an Boxsäcken hingen

Oder 2017, als Lena Meyer-Landrut und Lena Gercke sagenhafte 5 Stunden und 55 Minuten um den Sieg kämpften und die Show erst um 2.10 Uhr endete. Zum Glück konnte die Fangemeinde damals ausschlafen – es war ja Sonntag.

Konnte ProSieben anfangs noch über Einschaltquoten um die 3-Millionen-Grenze jubeln, freute man sich zuletzt bereits, wenn die 1-Million-Marke geknackt wurde. Aber dieser Niedergang ist vermutlich nicht allein dem Format geschuldet, sondern der generellen Absage der Generationen Y und Z ans lineare TV.

ProSieben gegen Sat.1: Schlag die Möchtegern-Stars

Wie mutlos die Sendergruppe inzwischen selbst auf die Show schaut, lässt sich an den zu schlagenden Stars der Geburtstagsfolge ablesen. Die dritte Riege von ProSieben (Annemarie Carpendale, Andrea Kaiser, Thore Schölemann und Simon Gosejohann) tritt an gegen die Hinterbänkler von Sat.1 (Marlene Lufen, Caroline Frier, Matthias Killing, Aaron Troschke). 

Anfangs war für das ProSieben-Team immerhin noch Comedian Chris Tall nominiert. Warum Allzweckwaffe Gosejohann ihn ersetzen durfte oder musste, wurde leider nicht thematisiert.

Dafür weiß man nun, nach welcher Formel ProSieben "Schlag den Star" besetzt: zwei A-Promis, vier B-Promis – oder eben acht C-Prominente. Wenn dann 16 D-Berühmtheiten antreten, wird Moderator Matthias Opdenhövel vermutlich endgültig hinwerfen.

Wirklich schade ist aber, dass ProSieben nicht den Endgegner RTL statt der kleinen Schwester Sat.1 herausgefordert hat. Und wenn die dann nicht nur Sonja Zietlow und Rebecca Mir, sondern vor allem Stefan Raab und Elton ins Rennen geschickt hätten. Dann wäre auch das Sonntagabend-Thema egal gewesen.

Wenn Werbepausen zur Erholung werden

So aber gleicht die Show einer betrieblichen Kindertagesstätte: Wenn acht hauptberufliche Selbstdarsteller durcheinanderreden, wirkt Opdenhövel wie der Religionslehrer von einst, den auch immer alle in der Klasse freundlich ignorierten. Der positive Nebeneffekt: Bei dem Dauergesabbel im Hintergrund wirken die zahlreichen Werbepausen wie Kurzmeditationen.

Auch die Spiele erzählen nicht von Überstunden in der Kreativabteilung: Tauziehen, Sand baggern, Dinge werfen, Promis erraten, Bottle Flip. Wer unter Schlafstörungen leidet, dem sei an dieser Stelle die Szene empfohlen, in der die Kandidaten Wörter rückwärts buchstabieren: Tiefschlaf garantiert!

Die Angst wächst mit jedem Durchgang: Wenn um 22.30 Uhr noch nicht einmal die Hälfte aller Spiele geschafft sind – kann dann trotzdem noch vor Mitternacht Schluss sein? Zumal um 0.37 Uhr erst einmal ein Teil der Teams eine außerordentliche Pipi-Pause einlegen muss; warum gibt es nie eine Werbepause, wenn man sie tatsächlich braucht? Auf „X“ sieht man das konstruktiv: „Wenn der Bums lange dauert, moderieren Marlene und Matthias während der Show das Frühstücksfernsehen.“

„Schlag den Star“: Lebenszeit, in der zu wenig passierte

Am Ende ist es dann doch Montagmorgen und der Start in die Arbeitswoche mal wieder erschreckend nah. Gewonnen hat Sat.1 im allerletzten Spiel dank der Hänger-Qualitäten von Influencer Aaron Troschke, aber wen interessiert das noch um 01:13 Uhr? 

Vermutlich haben zu viele Menschen ihre wertvolle Schlafenszeit geopfert für eine Geburtstagsfeier, die hinsichtlich Spannungsbogen jedem Hundertjährigen gerecht wurde. So arbeitet ProSieben gegen das Bruttosozialprodukt.

Das Jubiläum wäre es eine Chance gewesen, das Showformat in allen Ehren zu beerdigen. So aber wird "Schlag den Star" wohl über die nächsten Jahre vom Sender zu Tode gekrault. Bis der einstige Quotenbringer irgendwann im Vorabendprogramm gelandet ist. Oder noch schlimmer: als Streaming-Angebot in der Joyn-App. Wenn sich so etwas anfühlt: einfach mal Stefan Raab fragen.