Xabi Alonso war für Real Madrid der Auserwählte, jetzt hat er Job-Endspiel

Er war der Auserwählte. Xabi Alonso und Real Madrid – es passte einfach. Sein Wechsel von Bayer Leverkusen in die spanische Hauptstadt war fast schon logisch, selbstverständlich.

Als Spieler hat er mit den Königlichen alles gewonnen, wurde zur Vereinslegende. Seine Rückkehr in diesem Sommer wurde von allen Seiten bejubelt. Er konnte in Madrid nur erfolgreich werden, daran gab es keine Zweifel.

Xabi Alonso in Madrid vor dem Aus – ausgerechnet der Triumph über Barcelona wurde zum Wendepunkt

Es begann alles so märchenhaft. Von den ersten 14 Saisonspielen gewann Alonsos Madrid 13. Ausgerechnet der Sieg im El Clásico gegen den FC Barcelona (2:1) sollte den Wendepunkt einleiten. 

Die Auswechslung von Vinicius Junior und dessen Reaktion darauf riss Wunden in der Mannschaft auf, die bis heute auf die Breite des Marianengraben angewachsen sind.

Große, wichtige Teile des Teams rebellieren inzwischen gegen ihren Trainer – angeführt von Vinicius. Ein „Kalter Krieg“ herrsche in der Kabine, schreibt die „Marca“. Vinicius soll den Klub schon vor die Wahl gestellt haben: Er oder ich!

Alonso hat die Real-Kabine verloren

Alonso hat die Kabine verloren – es klingt so absurd. Der Baske besitzt die natürliche Autorität eines einstigen Weltklassefußballers. Er strahlt die Ruhe, die ihn bereits auf dem Feld auszeichnete, auch an der Seitenlinie aus. 

Seine Vita, seine Erfolge, sie sprechen für sich. Real, Liverpool, Bayern, Leverkusen – egal, wo er war, er war erfolgreich. Alonso ist ein Gentleman der alten Schule – seriös, sympathisch, authentisch. Wie kann so eine Persönlichkeit das Vertrauen seiner Spieler verlieren?

Die Spannungen zwischen Real-Trainer Xabi Alonso und Vinicius Junior werden immer größer
Die Spannungen zwischen Real-Trainer Xabi Alonso und Vinicius Junior werden immer größer Getty

Die Gründe liegen im Kontrast. Der Kontrast zu Vorgänger Carlo Ancelotti, das trainergewordene Laissez-faire. Der Italiener ist Dolce Vita pur. „Papa Carlo“, so sein Spitzname, ist ein Menschenfänger.

Kontrast zu seinem Real-Vorgäner Ancelotti erklärt Alonsos Misere

Ancelotti steckt seine Spieler nicht in ein dogmatisches Korsett aus Taktik und Analyse – er schenkt ihnen Vertrauen und fördert so ihre Kreativität. Dieser Pragmatismus kam im Starensemble der Königlichen gut an – in München (2016/17) fremdelten sie derweil mit dieser Art der Führungskultur. Jede Kabine im Fußball tickt halt anders.

Ancelotti war in Madrid mit seiner Art erfolgreich, weil es in der Mannschaft natürliche und charismatische Anführer gab, die die großen Egos der Superstars einzufangen wussten. Luka Modric, Casemiro, Toni Kroos – sie sorgten auf und abseits des Platzes für Disziplin.

Im heutigen Kader muss der Trainer diese Disziplin einfordern, weil der Mannschaft diese Art von Führungsspielern fehlt. So entstehen Reibungspunkte, die bei ausbleibendem sportlichem Erfolg Funken entfachen. In Madrid lodert ein Feuer lichterloh.

Real in der Krise: Jetzt hat Alonso ein Endspiel gegen Guardiolas Manchester City

Aus den vergangenen fünf Ligaspielen holte Real nur einen Sieg. Die blamable Niederlage im heimischen Estadio Bernabéu gegen Celta Vigo (0:2) am Sonntag setzte einen weiteren traurigen Tiefpunkt. Die Tabellenführung ist längst wieder futsch, der Erzrivale aus Barcelona lacht von der Spitze.

Xabi Alonso in Madrid vor dem Aus
Xabi Alonso in Madrid vor dem Aus Imago

Sportliche Krise, Kabine verloren: Alonso steht vor dem Aus. Am Mittwoch gibt es in der Champions League das Topspiel gegen Pep Guardiolas Manchester City. Sollte Real auch dann patzen, war’s das wohl. Das berichten zumindest übereinstimmend spanische Medien, die sich auf ein Krisentreffen der Vereinsführung nach der Pleite von Sonntag berufen.

Mögliche Nachfolger wie Jürgen Klopp oder Ex-Real-Trainer Zinédine Zidane kursieren bereits. Ancelotti betreut mittlerweile die brasilianische Nationalmannschaft, die Seleção – und ist damit weiterhin Coach von Vinicius Junior.

Xabi Alonso und Real Madrid: Er war der Auserwählte, jetzt ist er es nicht mehr

Der könnte nun das Ende von Alonso besiegeln. Schon gegen Vigo habe sich kein Spieler gegen die Niederlage gewehrt, urteilte die Spanien-Presse, ein „lustloser, uninspirierter Haufen“, so die „Marca“. Wie soll das gegen ManCity enden?

Er war der Auserwählte. Jetzt ist er es nicht mehr. Xabi Alonso und Real Madrid – es passt einfach nicht. Liverpool wartet schon.