Den schweren Verkehrsunfall bei Ingenried am Donnerstagabend werden die Einsatzkräfte der Feuerwehren so schnell nicht vergessen. Ausdrücklich gelobt wird das Verhalten von Ersthelfern.
Ingenried – Zwei Autos stießen am Donnerstagabend auf der B 472 frontal zusammen, anschließend raste ein drittes in die noch ungesicherte Unfallstelle. Zum Zeitpunkt des Geschehens herrschte dichter Nebel. Fünf Personen wurden schwerst verletzt, zwei weitere leicht. Ein Großaufgebot der umliegenden Rettungskräfte war vor Ort: die Feuerwehren Ingenried, Bernbeuren, Schongau und Rettenbach mit insgesamt rund 60 Ehrenamtlichen sowie zahlreiche BRK-Mitarbeiter, Notärzte und mehrere Streifenwagenbesatzungen der Polizei.
„Das war ein extrem heftiger Einsatz“, sagt Feuerwehr-Kreisbrandinspektor Uwe Wieland. „Das war einer der schwersten, die ich je erlebt habe.“ Wieland ist seit 1994 bei der Feuerwehr.
Die Ersten vor Ort waren die Ehrenamtlichen der Feuerwehr Ingenried. „Es war verheerend“, sagt Kommandant Andreas Ikier. Es habe ausgesehen „wie auf einem Schlachtfeld“. Umgehend habe man weitere Rettungskräfte nachalarmiert. Ikier lobt sehr das Verhalten der Ersthelfer vor Ort. Andere Autofahrer und ein Jogger, etwa vier bis fünf Personen, hätten sofort den Notruf abgesetzt und Erste Hilfe geleistet. „Das war vorbildliche Zivilcourage.“
Komme man zu einer Unfallstelle, begännen die Rettungsarbeiten „automatisch abzulaufen“, sagt Ikier auf die Frage, wie man angesichts des Trümmerfelds reagiert habe. „Wir rufen sofort das ab, was wir geübt haben.“ Die Zusammenarbeit mit den anderen Wehren sei hervorragend gelaufen. Auch die neu gegründeten „Helfer vor Ort“ seien ausgerückt. Einsatztechnisch, sagt Ikier, hätten alle perfekt zusammengearbeitet. „Dafür möchte ich einfach mal danke sagen.“
Die Anzahl der Verletzten sei eine große Herausforderung gewesen, sagt Kreisbrandmeister Johann Deschler. Bei diesem Einsatzgeschehen habe sich gezeigt, wie wichtig es sei, regelmäßig zu üben. Kreisbrandinspektor Uwe Wieland zufolge waren fünf Rettungssätze erforderlich. Das ist eine ungewöhnlich hohe Anzahl. Ein Rettungssatz ist eine Ausrüstung der Feuerwehr, bestehend aus Werkzeugen wie Spreizer, Schere und Zylinder, um eingeklemmte Personen zu befreien. Eines der Fahrzeuge, sagt Wieland, sei „brachial verzogen“ gewesen. Schritt für Schritt habe man sich vorgearbeitet, um die Verletzten aus den Fahrzeugen retten zu können. Die Zeit drängte dabei.
Professionelle Hilfe für die Retter
Wieland war am Freitagabend dabei, als sich die Kameraden der Ingenrieder Feuerwehr zur Nachbesprechung trafen. „Es ist sehr wichtig, dass man so einen Unfall und die Emotionen nochmal durchspricht.“ Sollte einem Kameraden das Geschehen nahe gehen, könne er sich jederzeit professionelle Hilfe holen. Ikier berichtete am Freitagnachmittag im Gespräch mit unserer Zeitung, dass man auch in der Nacht auf Freitag noch zusammengesessen sei. Erst um kurz vor Mitternacht hatten Polizei und Gutachter die Unfallstelle freigegeben und die Sperrung aufgehoben. Über sechs Stunden hatten die Ehrenamtlichen ausgeharrt, auf Allgäuer Seite hatte die Feuerwehr Rettenbach bis dahin den Verkehr geregelt. Das lange Ausharren sei anstrengend gewesen, sagt Ikier. Alle würden sehr hoffen, dass die Verletzten wieder vollständig genesen.
Wie es genau zu dem Unfall kommen konnte, wird ein Gutachter nun ermitteln. „Es gibt viele Spekulationen, aber alles ist bislang nur Theorie“, sagt Wieland. Erst am 10. November hatte es bei Ingenried einen schweren Unfall gegeben, damals hatte ein 76-Jähriger beim Abbiegen die Vorfahrt übersehen. Eine Person wurde schwer, zwei weitere leicht verletzt.