In der geriatrischen Rehaklinik in Lenggries gab es nach einem großen Bruch einen Neustart mit einem anderen Betreiber. Mittlerweile gibt es eine Warteliste für die aktuell 60 Plätze.
Lenggries – „Das Vertrauen in die Klinik ist wieder da“: Das ist für Klinikdirektor Johannes Lederer die wichtigste Feststellung, wenn er heute über die Entwicklung der Einrichtung am Lenggrieser Bergweg spricht. Nach dem Neustart der geriatrischen Rehaklinik im vergangenen Jahr sei das Haus mittlerweile im Rahmen seiner aktuellen Kapazitäten durchgehend voll belegt, berichtet Lederer. Man müsse sogar Patienten abweisen, beziehungsweise es gebe eine Warteliste. Das nächste Ziel lautet daher, die Zahl der Betten zu vergrößern.
Neustart in der Geriatrischen Klinik in Lenggries
Einen großen Bruch hatte es in der damaligen Fachklinik für Geriatrie im August 2023 gegeben. Wie berichtet, entzog das Landratsamt der Einrichtung wegen Mängeln in der Pflege, falschen Insulingaben und Unstimmigkeiten im Dienstplan die Konzession. Die Klinik wurde geschlossen. Acht Monate später folgte der Neustart – mit neuem Namen, neuem Konzept und neuer Leitung. Ab Juni 2024 wurde der Betrieb der Klinik der Geriatrischen Rehabilitation Oberbayern zunächst schrittweise wiederaufgenommen. Zuerst kamen die ersten Privatpatienten, bald folgte die Kassenzulassung. Anfangs wurden nur 45 Betten belegt, dann ging man auf 60 hoch.
Bedarf steigt: Reha-Patienten über 70 auf Warteliste
Mittlerweile reichen auch die 60 Betten eigentlich nicht mehr aus, berichtet Lederer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aktuell besteht unsere Herausforderung darin, den Bedarf zu decken“, erklärt der Klinikdirektor. Die Kliniken, aber auch die Hausärzte der Region würden der Lenggrieser Einrichtung wieder Patienten zuweisen. Es handle sich um Personen im Alter von über 70 Jahren, die neben ihrer Hauptdiagnose meist noch zwei bis drei Begleiterkrankungen hätten. „Es ist sehr wichtig, ihnen schnell einen Platz anbieten zu können“, so der Klinikdirektor. In der Regel bleiben die Patienten drei Wochen in der Reha. Ziel ist es, sie fit für ein möglichst eigenständiges, selbstbestimmtes Leben zu Hause zu machen. „Denn das bedeutet Lebensqualität.“
Erweiterung möglich – doch es fehlt an Fachpersonal
Am Platz in dem Gebäudekomplex am Bergweg scheitert die eigentlich notwendige Erweiterung nicht. „Das Gebäude gibt deutlich mehr Plätze her“, sagt Lederer. Allerdings brauche die Klinik zusätzliches Personal – Pflegekräfte, Therapeuten und Ärzte –, um alle Vorgaben dafür zu erfüllen. Bewerber anlocken wolle man mit einer „Starter-Prämie“ für Therapeuten und Pflegekräfte. Zudem habe man über ein Auslandsrecruiting zuletzt elf Therapeuten aus Spanien und Kolumbien gewonnen. Aus diesen beiden Ländern sollen demnächst auch Pflegekräfte dazukommen.
Starkes Team mit großem Zusammenhalt
Aktuell hat die Klinik laut Lederer 75 Mitarbeiter. „Das Team zeichnet sich durch großen Zusammenhalt und Identifikation mit dem, was man tut, aus“, so der Klinikdirektor. „Hut ab vor dem, was die Mannschaft leistet“, betont auch Tino Speranza. Der Lenggrieser, der im Februar als Therapeut in der Klinik anfing, übernahm im April die Standortleitung.
Neues Angebot: Geriatrische Reha nun auch ambulant
In anderer Hinsicht hat die Klinik ihr Angebot bereits ausgebaut. Seit 1. Dezember ist es auch möglich, das geriatrische Rehaprogramm auch ambulant durchzuführen. Das bedeutet: Wenn Patienten aus verschiedenen Gründen, etwa aufgrund ihrer Einschränkungen, kein stationärer Aufenthalt möglich ist, kommen Ärzte und Therapeuten der Klinik zu ihnen nach Hause. Insgesamt gehen Lederer und Speranza optimistisch in die Zukunft. „Mit der Entwicklung“, sagt der Klinikdirektor, „sind wir sehr zufrieden.“