Grüne Energie: 18 Kilometer lange Hochspannungsleitung geht in Betrieb

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Das Kabel steckt: Wolfgang Hörl, Bürgermeister von Schwabhausen, seine Kollegen Franz Obesser aus Indersdorf und Robert Axtner aus Bergkirchen, Bernd Igelbüscher, Projektleiter Bau Bayernwerk, Bayernwerk-CEO Dr. Egon Leo Westphal, Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath, Landrat Stefan Löwl, Barbara Sterzl von der Regierung von Oberbayern, Joachim Kabs, Geschäftsführer der Bayernwerk Netz GmbH sowie Markus Schmitt als Projektleiter Genehmigung Bayernwerk (v. l.). © hr

Die neue Erdkabelleitung im Landkreis Dachau kostete 40 Millionen Euro. Sie transportiert Solarstrom aus der Region nach München.

Mit der Inbetriebnahme einer neuen 110-kV-Erdkabelleitung hat die Bayernwerk Netz GmbH im Landkreis Dachau einen laut Bayernwerk „bedeutenden Schritt für die regionale Energieversorgung“ vollzogen. Die 18 Kilometer lange Verbindung zwischen den Umspannwerken Kleinschwabhausen bei Indersdorf und Oberbachern bei Bergkirchen gilt als das derzeit längste Hochspannungs-Erdkabelprojekt des Netzbetreibers. Laut Angaben der Bayernwerk Netz GmbH ist die neue Leitung eine „direkte Reaktion auf den stark gestiegenen Ausbau erneuerbarer Energien“: Im nördlichen Landkreis sei die installierte Leistung in den vergangenen zehn Jahren um 120 Prozent auf über 143 Megawatt gewachsen.

Wie Dr. Egon Leo Westphal, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, mitteilte, fungiere die Region inzwischen als „großes grünes Kraftwerk“. Mehr als 4100 Photovoltaikanlagen erzeugten mittlerweile deutlich mehr Strom als vor Ort verbraucht werden könne. Die neue Leitung nehme diesen Überschuss auf und leite ihn zu Verbrauchern im Großraum München weiter. Westphal bezeichnete die Inbetriebnahme als „wichtigen Schritt für die Energieversorgung in ganz Oberbayern“ und betonte, dass damit neue Kapazitäten für die Energiewende geschaffen würden, um weitere Photovoltaikanlagen und Windräder ins Netz bringen zu können. „Ohne leistungsstarke Stromnetze bleibt die Energiewende nur ein schöner Traum“, so Westphal.

Bauzeit dauerte 16 Monate

Nach einem umfangreichen Genehmigungsverfahren und einer Bauzeit von 16 Monaten ist die Leitung mit zwei Kabelsystemen in Betrieb gegangen. Die Trasse verläuft durch die Gemeinden Bergkirchen, Indersdorf und Schwabhausen. Ein Großteil der Leitung wurde in offener Bauweise mit bis zu 1,75 Meter tiefen Gräben verlegt. Westphal lobte das Ergebnis der Bauarbeiten und erklärte, dass heute häufig kaum noch zu erkennen sei, wo vor einem Jahr noch ein mehrere Meter breiter Graben gezogen worden sei. Obwohl unter der Erde Strom fließe, sei in der Landschaft selbst so gut wie nichts mehr zu sehen.

Die Kosten für das Vorhaben belaufen sich auf rund 40 Millionen Euro. Der Gesetzgeber sieht für eine höhere Akzeptanz von Netzbauprojekten vor, dass Erdkabel bevorzugt werden, sofern die Kosten nicht mehr als das 2,75-Fache im Vergleich zu einer Freileitung betragen.

Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser wertete die Inbetriebnahme der 110-kV-Leitung als Meilenstein und zitierte den ehemaligen US-Außenminister George C. Marshall: „Wenn etwas erledigt ist, ist es erledigt. Schau nicht zurück.“ Gleichzeitig betonte Obesser die Bedeutung, bei einem derart umfangreichen Projekt innezuhalten und im Sinne von „lessons learned“ zu reflektieren. Abschließend wünschte er „immer eine Handvoll Energie in den Drähten und einen sicheren, störungsfreien Betrieb“. (hr)