Wissenschaftler haben in der Ring-Hügelburg Brusselstown in County Wicklow, Irland, eine bedeutende Entdeckung gemacht. Laut einer Studie, die in der Fachzeitschrift "Antiquity" veröffentlicht wurde, identifizierte ein Team um Dr. Dirk Brandherm von der Queen’s University Belfast mehr als 600 vermutete Hausplattformen innerhalb des Areals.
Damit handelt es sich um die größte bekannte konzentrierte Siedlung aus der Vorgeschichte Großbritanniens und Irlands. Erste Grabungen belegen eine Besiedlung während der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit sowie die mögliche Existenz eines Wasserreservoirs – das erste seiner Art in einer irischen Hügelburg.
Bis zu 13 Hügel: Stadt war Teil einer noch größeren Anlage
Brusselstown ist Teil des Baltinglass-Hügelburgclusters, das bis zu 13 befestigte Hügelsiedlungen im Abstand von wenigen Kilometern umfasst. Die Region zeigt Spuren kontinuierlicher Nutzung und monumentaler Bauwerke von der frühen Jungsteinzeit bis zur Bronzezeit.
Besonders bemerkenswert ist die Größe und Dichte der Siedlung in der Brusselstown-Anlage: Zwei weit auseinanderliegende Wallanlagen umschließen ein Gebiet mit 600 Hausplattformen, von denen sich 98 im Zentrum und 509 zwischen den inneren und äußeren Begrenzungen befinden. Diese haben bis zu 12 Meter Durchmesser und wurden mittels Radiokarbon-Methode auf die Zeit ab 1200 Jahren vor Christus datiert.
Eine Ko-Autorin der Studie, Dr. Cherie Edwards, sagte "Phys.org", die Funde zeigten Hinweise auf eine völlig unbekannte soziale Ordnung – ohne Hierarchien, die aus den gefundenen Artefakten abgeleitet werden könnten.
Hinweise auf frühe städtische Entwicklung und erste Zisterne Europas
Dr. Edwards betonte gegenüber dem Wissenschaftsportal die Bedeutung dieser Entdeckung: "Der Brusselstown-Ring bietet eine faszinierende Möglichkeit, die Siedlungsdynamik in Irland während der Bronzezeit zu verstehen." Diese und ähnliche Hügelburg-Siedlungen deuteten auf eine fast 500 Jahre frühere Urbanisierung in vorchristlichen Gesellschaften hin, als bislang angenommen.
Zusätzlich entdeckten Forscher eine ungewöhnliche Struktur nahe einer der Grabungsstellen, die möglicherweise ein Wasserreservoir darstellt. Die Form und Größe sowie ein zufließender Bach deuten darauf hin, dass es sich um eine Zisterne aus der Bronze- und Eisenzeit handeln könnte – ein einzigartiger Fund für irische Hügelburgen.
Bronzezeit: Deshalb ist diese Periode für Archäologen interessant
Die Bronzezeit brachte bedeutende Veränderungen in verschiedenen Bereichen mit sich:
- Metallverarbeitung: Die Herstellung von Gegenständen aus Bronze, einer widerstandsfähigen Kupfer-Zinn-Legierung, begann.
- Soziale Differenzierung: Der Zugang zu Metallressourcen führte zu vererbbaren Führungspositionen und stark befestigten Siedlungen.
- Handelsnetzwerke: Die ungleiche Verteilung von Zinn und Kupfer förderte weitreichende Handelsnetze, die auch kulturelle Ideen verbreiteten.
- Schriftentwicklung: In Vorderasien und dem östlichen Mittelmeerraum entstanden erste Schriftsysteme, die archäologische Erkenntnisse ergänzten und korrigierten.
- Kriegerische Auseinandersetzungen: Die Erfindung des Schwertes und der Bau von befestigten Siedlungen weisen auf eine Zunahme von Konflikten hin.