Fossil enthüllt überraschende Details zur Evolution eines Urmenschen

Wissenschaftlern ist es gelungen, den Schädel eines 1,5 Millionen Jahre alten menschlichen Vorfahrens namens DAN5 zu rekonstruieren. Die fossilen Überreste wurden in der Gona-Region in Äthiopien entdeckt und stammen vermutlich von einem weiblichen Homo erectus. Dies berichten die Forscher in der Fachzeitschrift „Nature Communications“. Die Rekonstruktion zeigt jedoch, dass das Gesicht des Fossils primitiver ist als das des klassischen afrikanischen Homo erectus aus derselben Zeit.

Die Studie deutet demnach darauf hin, dass die Population in der Gona-Region möglicherweise anatomische Merkmale beibehielt, die auf eine frühere Migration aus Afrika vor rund 300.000 Jahren zurückgehen. Laut Karen Baab, Mitautorin der Studie und Paläontologin an der Midwestern University in Arizona, zeigt DAN5 eine Mischung aus Merkmalen von Homo erectus und dem älteren Homo habilis. „Das Gesicht ist primitiver als erwartet“, erklärte Baab in einer Mitteilung.

Karte mit den möglichen Wanderungsrouten des menschlichen Vorfahren Homo erectus in Afrika, Europa und Asien während des frühen Pleistozäns.
Karte mit den möglichen Wanderungsrouten des menschlichen Vorfahren Homo erectus in Afrika, Europa und Asien während des frühen Pleistozäns. Dr. Karen L. Baab. Scans von Nationalmuseum Äthiopiens, den Nationalmuseen Kenias und dem Georgischen Nationalmuseum.

Gesichtsknochen und Zähne verraten: Homo erectus entstand wohl in Afrika

Die Forscher nutzten CT-Scans von zehn fossilen Fragmenten, darunter Gesichtsknochen und Zähne, um ein 3D-Modell zu erstellen. Die Ergebnisse ähneln früheren Funden aus Dmanisi in Georgien, bei denen ähnliche Mischmerkmale bei Homo erectus beobachtet wurden. Dies könnte darauf hindeuten, dass Homo erectus primär in Afrika entstand und sich dort weiterentwickelte.

Die Wissenschaftler planen weitere Untersuchungen, um die Evolution des Homo erectus besser zu verstehen. Michael Rogers von der Southern Connecticut State University und Mitautor der Studie betonte in der Mitteilung: „Wir brauchen weitere Fossilien aus der Zeit vor ein bis zwei Millionen Jahren, um die komplexe Entwicklung zu entschlüsseln.“

4 Fakten über Paläontologie

  • Die Paläontologie ist die Wissenschaft vom vergangenen Leben und erforscht Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, die vor Millionen von Jahren auf der Erde lebten. Grundlage dafür sind Fossilien, die in Gesteinsschichten erhalten geblieben sind.
  • Zu den wichtigen Fossilienarten gehören neben Knochen und Zähnen auch Fußabdrücke, Hautabdrücke, Eier, Pflanzenreste und sogar versteinerter Kot (Koprolithen).
  • Die Paläontologie verbindet mehrere Naturwissenschaften und nutzt Methoden aus Biologie, Geologie, Chemie und Physik, um Fossilien zu analysieren und ihr Alter sowie ihre Herkunft zu bestimmen.
  • In der Paläontologie gibt es verschiedene Fachrichtungen, zum Beispiel die Wirbeltierpaläontologie, die Paläobotanik (Fossilien von Pflanzen) und die Mikropaläontologie (winzige Fossilien).