"Seien Sie vorsichtig": EU-Chefs warnten Selenskyj vor Trump-Treffen

Bevor Wolodymyr Selenskyj nach Florida flog, um sich in Donald Trumps Mar-a-Lago-Club mit dem US-Präsidenten ein weiteres Mal über die Bedingungen für ein Kriegsende in seiner Heimat zu unterhalten, sprach der ukrainische Präsident privat mit EU-Regierungschefs, die ihn vor dem Treffen warnten.

Das Treffen fand während Selenskyjs Besuch beim kanadischen Premierminister Mark Carney statt. Bundeskanzler Friedrich Merz lud zu dem virtuellen Meeting ein, zu dem neben Carney und Selenskyj unter anderem der französische Präsident Emmanuel Macron, die dänische Premierministerin Mette Frederiksen, die italienische Premierministerin Giorgia Meloni, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Nato-Generalsekretär Mark Rutte erschienen.

Das ukrainische Medium "The Kyiv Independent" ist in den Besitz der Mitschrift dieses Treffens gekommen – und gewährt tiefe Einblicke.

"Seien Sie vorsichtig": Merz' Warnung an Selenskyj

Laut der Mitschrift der Zusammenkunft soll den EU-Chefs insbesondere daran gelegen sein, dass Selenskyj Klarheit über die US-amerikanischen und die russischen Erwartungen bezüglich eines Friedensrahmens erhält.

Künftige Entscheidungen in den Friedensverhandlungen würden maßgeblich von der "Festigkeit der US-Sicherheitsgarantien" für die Ukraine abhängen – und von Moskaus Reaktionen darauf.

So sagte etwa Macron, dass es sehr wichtig sei, "sich mit Trump darüber zu einigen, was passiert, wenn Russland 'Nein' sagt" zu den Friedensplänen.

Merz wurde etwas deutlicher, sagte: "Es ist wichtig, dass Sie Wege finden, sich mit den USA über territoriale Zugeständnisse, Sicherheitsgarantien und den Wiederaufbau zu koordinieren". Und dann warnte er: "Bitte gehen Sie nicht zu weit. Seien Sie vorsichtig. Es ist wichtig, dass Sie ein gutes Treffen mit Trump haben. Aber das ist nicht sicher".

Die dänische Ministerpräsidentin Frederiksen warnte vor den Folgen eines Scheiterns für Europa: "Wolodymyr – bitte seien Sie vorsichtig. Um Ihrer Willen und um Europas Willen."

Merz und Macron warnten den ukrainischen Präsidenten vor dessen Treffen mit Donald Trump.
Merz und Macron warnten den ukrainischen Präsidenten vor dessen Treffen mit Donald Trump. Quelle: Getty Images ©JOHN MACDOUGALL

"Mein Volk kann nicht mehr ertragen"

Selenskyj selbst soll entgegnet haben: "Wir gehen davon aus, dass Russland seine Angriffe in den kommenden Tagen fortsetzen wird. Ich kann in Bezug auf die Gebiete nicht mehr tun, als ich bereits gesagt habe. Mein Volk kann nicht mehr ertragen."

Um die gemeinsame Position der Ukraine und der Europäischen Union gegenüber den USA und Russland zu stärken, schlug Selenskyj ein gemeinsames Treffen der EU-Chefs mit ihm und Trump vor. Als neutralen Grund für ein solches Treffen schlug er die Schweiz vor – stattfinden könne es zwischen dem 12. und dem 18. Januar. In der Folgewoche findet im schweizerischen Davos das Weltwirtschaftsforum statt.

Trump selbst habe einem solchen Treffen auch schon zugestimmt – in den USA.