Mit seiner Äußerung in Mar-a-Lago sorgte US-Präsident Trump für Unmut bei Beobachtern. Selenskyj jedoch reagierte unaufgeregt auf Trumps Lob für Putin.
Miami – Seitdem US-Präsident Donald Trump versucht, als Vermittler Kiews und Moskaus im Ukraine-Krieg zu agieren, behauptet der Republikaner immer wieder, die Friedensverhandlungen stünden kurz vor dem Durchbruch. Am Sonntag, (28. Dezember) empfing der Republikaner nun Wolodymyr Selenskyj auf seinem Anwesen in Mar-a-Lago, zuvor hatte er mit Wladimir Putin telefoniert. In Mar-a-Lago zeigte sich Trump in seiner Haltung dem Krieg gegenüber gewohnt unbefangen. Während eine bizarre Aussage des Republikaners den ukrainischen Präsidenten sichtlich irritierte, lassen handfeste Ergebnisse für ein Kriegsende auf sich warten.
Mit Aussagen zu Putin in Mar-a-Lago sorgte Trump bei Beobachtern für Unmut
Vor dem bilateralen Treffen Trumps mit Selenskyj im Privatclub des US-Präsidenten in Florida hatte sich der Republikaner zuversichtlich bettreffend einer Lösung im Ukraine-Krieg gezeigt. Teil des Gesprächs mit Selenskyj sollten auch potenzielle Gebietsabtretungen an Russland sein, auf die Kreml-Chef Putin nach wie vor besteht. Der russische Präsident Wladimir Putin habe ebenso wie Selenskyj „ernste“ Friedensabsichten, sagte Trump der Tagesschau zufolge vor dem Gespräch.
Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Selenskyj in Mar-a-Lago wurde Trump – dem Kritiker immer wieder seine Russland-Nähe vorhalten – dann von einem Reporter gefragt, um welche Inhalte es im vorigen Gespräch mit Putin gegangen sei. Trump antwortete in einer Manier, die den anwesenden ukrainischen Regierungschef verblüfft zurückließ: „Russland wünscht sich den Erfolg der Ukraine“, sagte der US-Präsident. Dann räumte er ein: „Es klingt ein bisschen merkwürdig.“
Doch Putin soll sich, so Trump, im Gespräch vor dem Treffen mit Selenskyj in Mar-a-Lago „angetan gezeigt“ haben von der Idee, dass auch für die Ukraine zufrieden stellende Ergebnisse erreicht würden. Bei Beobachtern zogen Trumps Äußerungen teils großen Unmut nach sich. Sarah Longwell vom Podcast The Bulwark schrieb laut Mediate auf X (ehemals Twitter): „Immer wenn ich meinem Nachbarn wirklich Erfolg wünsche, breche ich in sein Haus ein, misshandle seine Familie, entführe seine Kinder und brenne sein Haus nieder, während ich schreie: Ich will dir doch nur helfen!‘“
Selenskyj von Trumps Aussage irritiert, lässt sich aber nicht beirren
Selenskyj zeigte sich von Trumps Äußerung sichtlich überrascht. Dennoch aber reagierte der ukrainische Präsident leicht amüsiert und konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Der russische Regierungskritiker und frühere Schachweltmeister Garry Kasparow schrieb auf der Plattform X: „Wir sind alle Selenskyj. Aber niemand auf Erden hat seine Selbstkontrolle.“
Auf die Frage, wann ein Abkommen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs möglich sei, sagte Trump bei der Pressekonferenz mit Selenskyj in seinem Privatclub in Mar-a-Lago: „Wenn es wirklich gut läuft, vielleicht in ein paar Wochen. Und wenn es schlechter läuft, länger. Und wenn es wirklich schlecht läuft, dann wird es nicht passieren.“
Selenskyj betont Fortschritte beim Plan zur Wiederherstellung der ukrainischen Wirtschaft
Auch wenn Trump damit denkbar unklar antwortete, wie greifbar ein Erfolg der Friedensverhandlungen ist, zeigte sich Selenskyj optimistisch, weiter vorangekommen zu sein. Vor Reportern in Florida sagte der ukrainische Präsident laut Euronews, ein Wirtschaftsplan zur Wiederbelebung der ukrainischen Wirtschaft sei „fast fertiggestellt“. Die Sicherheitsgarantien der USA – ein zentraler Punkt vor einem möglichen Friedensabkommen – seien zudem vollständig geklärt: „Wir haben große Fortschritte erzielt: Der 20-Punkte-Friedensplan ist zu 90 Prozent vereinbart, die militärische Dimension zu 100 Prozent“, betonte Selenskyj in Florida.
Setzen kann Selenskj bei seiner Verteidigung gegen Russland auch weiterhin auf Milliardenhilfen der EU-Staaten. Eine Kapitulation und Gebietsabtritte an Russland lehnt Selenskyj kategorisch ab. Laut n-tv sagte Selenskyj vor Reportern in Mar-a-Lago auch: „Wir haben vereinbart, dass sich unsere Teams in den kommenden Wochen treffen werden, um alle besprochenen Angelegenheiten abzuschließen.“ Im Januar könnte es ein Treffen in Washington mit Trump und weiteren europäischen Regierungschefs geben, kündigte Selenskyj an. (Quellen: Tagesschau, Mediate, X, Euronews, n-tv) (fh)