Putins Öl-Imperium attackiert: Russland ringt mit umfassendem Problem

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Im Ukraine-Krieg ist Russlands Wirtschaft längst ins Visier einer Drohnen-Strategie geraten. Nun wurde erneut eine Öl-Raffinerie angegriffen.

Kiew/Moskau – Drohnenangriffe dominieren seit Wochen das Geschehen im Ukraine-Krieg. Während Russlands Streitkräfte weiter auf Massenangriffe setzen, konzentriert sich die Armee von Wolodymyr Selenskyj auf gezielte Aktionen, deren Folgen gravierend sind. Immer wieder im Visier der Attacken: die Infrastruktur von Russlands Wirtschaft.

Russlands Wirtschaft steht immer wieder im Visier von Angriffen im Ukraine-Krieg. Putin hat allerdings noch ein anderes Problem. (Archivbild) © © IMAGO / SNA / Archivbild

Laut Augenzeugenberichten und Videos in Sozialen Netzwerken griffen in der Nacht zum 28. Dezember erneut ukrainische Drohnen eine Öl-Raffinerie in Russland an. Ziel war die Syzran-Einrichtung in der Oblast Samara. Wie Kyiv Independent unter Berufung auf den Telegram-Kanal Exilenova-Plus berichtet, wurde die Anlage in der Nacht mehrfach hintereinander angegriffen. Demnach könnte bei der Attacke im Ukraine-Krieg auch die primäre Ölverarbeitungsanlage des Werks getroffen worden sein.

Angriff auf Russlands Wirtschaft: Öl-Raffinerie im Ukraine-Krieg attackiert

Der russische Telegram-Kanal Shot berichtete, dass in der Nacht mehrere Explosionen zu hören waren. Zudem soll die Luftabwehr in der Region aktiv gewesen sein. Das russische Verteidigungsministerium meldete später, dass in der Nacht zwölf ukrainische Drohnen über der Oblast Samara abgeschossen wurden. Die Öl-Raffinerie war bereits in der Vergangenheit Ziel der Attacken auf Russlands Wirtschaft. Laut Reuters musste das Werk nach einem Angriff am 5. Dezember vorübergehend den Betrieb einstellen.

Damals hieß es, die Operation sei durchgeführt worden, um „das militärische und wirtschaftliche Potenzial des russischen Aggressors zu reduzieren“. Seit Monaten verfolgt die Ukraine im Krieg mit den Angriffen auf Russlands Wirtschaft eine effektive Taktik: Mitunter tief im russischen Hinterland werden wichtige Infrastrukturen gezielt mit Drohnen angegriffen, um Versorgungslinien zu kappen und die Versorgung mit Rohstoffen zu erschweren. Zwischenzeitlich gelang es, in mehreren Oblasten für Treibstoffengpässe zu sorgen.

Die Auswirkungen der Attacken auf die russische Wirtschaft soll auch die Versorgung der Streitkräfte erschweren. Während um ein Ende des Ukraine-Kriegs gerungen wird, gelten die Angriffe als wichtiges Mittel der ukrainischen Kriegsführung: Einerseits sollen sie die Verhandlungsposition gegenüber Russland verbessern. Andererseits gelten sie auch als wichtiges Zeichen an die westlichen Verbündeten: Selbst angesichts der russischen Übermacht bleibt die ukrainische Armee wehrhaft. Wie effektiv die Strategie am Ende tatsächlich ist, ist unklar. Experten sind sich bei der den nachhaltigen Auswirkungen der Attacken uneins. Russland selbst bagatellisiert sie.

Russlands Wirtschaft vor Problem: Ukraine nutzt Schwachstelle im Krieg aus

Die Ölraffinerie Syzran liegt rund 700 Kilometer von der russisch-ukrainischen Grenze entfernt. Die 1942 eröffnete Anlage gehört dem russischen Staatskonzern Rosneft und hat eine jährliche Verarbeitungskapazität von 7 bis 8,9 Millionen Tonnen Öl. Um möglichst effektiv Russlands Wirtschaft zu schaden, ist die Ukraine im Krieg inzwischen dazu übergegangen, wichtige Anlagen mehrfach hintereinander anzugreifen. Dies soll Reparaturarbeiten erschweren.

Das Land hat indes auch mit internen Problemen zu kämpfen: Wie unter anderem die taz schreibt, leidet die russische Wirtschaft unter gravierendem Fachkräftemangel. Nach Abwanderungen ist Wladimir Putin nun auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen. Doch die Zuwanderung bleibt hinter den Erwartungen zurück – unter anderem, weil es vermehrt zu rassistisch motivierter Gewalt kommt. Der Leiter eines russischen demografischen Forschungszentrums, Iwan Nikiforow, schätzt, dass aktuell „mindestens drei Millionen Wanderarbeiter“ notwendig wären, um die Arbeitslücke in Russland zu schließen.

Ebendiesen Umstand macht sich die Ukraine bei den Angriffen auf Russlands Wirtschaft jetzt zunutze. Beinahe täglich gibt es Meldungen über erfolgreiche Attacken auf Öl-Raffinerien. Angesichts der Häufigkeit der Angriffe scheint die russische Luftabwehr mittlerweile an ihre Grenzen zu geraten.

Lage im Ukraine-Krieg: Russland setzt weiter auf Angriffe

Doch im Ukraine-Krieg setzt Russland aktuell ebenfalls auf tägliche Drohnenangriffe. Wie die ukrainische Luftwaffe mitteilte, griffen russische Streitkräfte am 28. Dezember bereits mit knapp 50 Drohnen an. Zugleich gerät immer wieder kritische Infrastruktur ins Visier. Teilweise sind ganze Städte nach den russischen Attacken ohne Strom.

Wie die Kyiv Post schreibt, griff Russland während des jüngsten Kälteeinbruchs Produktionsanlagen und Blockheizkraftwerke von Naftogaz an. „Es ist klar, dass diese Angriffe zeitlich auf den Kälteeinbruch abgestimmt sind – der Feind versucht, den Frost und den Spitzenenergiebedarf auszunutzen, um das System lahmzulegen“, sagte Serhiy Koretsky, Vorstandsvorsitzender von Naftogaz Ukraine.

Zuletzt erhob Putin zudem den Anspruch auf territoriale Gewinne im Ukraine-Krieg und drohte, Moskaus Ziele „mit Waffengewalt“ zu erreichen. Laut russischen Staatsmedien und dem Kreml teilten russische Kommandeure Putin mit, dass die Moskauer Streitkräfte die Städte Myrnohrad, Rodynske und Artemivka in der Region Donezk sowie Huliaipole und Stepnohirsk in der Region Saporischschja eingenommen hätten. Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte wies diese Behauptungen zurück. (Quellen: Kyiv Independent, Kyiv Post, taz, Ukrainska Pravda) (fbu)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/putins-oel-imperium-unter-beschuss-russlands-wirtschaft-kaempft-mit-problem-94100962.html