Renee kündigte im Jahr 2023 ihren Job in der Personalabteilung eines globalen Technologieunternehmens in London. Sie hatte dort vier Jahre gearbeitet und ihre Tätigkeit geliebt. Doch als das Unternehmen übernommen wurde, änderte sich die Atmosphäre zum Negativen. Die neuen Chefs kritisierten frühere Leistungen und Abläufe, wodurch sie sich unerwünscht fühlte.
Sie kündigte, ohne eine neue Stelle zu haben: "Ich wollte mir Zeit nehmen, um mich neu zu orientieren, zu erholen und meinen nächsten Schritt zu planen", sagte sie gegenüber "ipaper". "Im Nachhinein betrachtet war ich etwas unrealistisch, was die Suche nach einem neuen Job angeht."
Frau (40) kündigt toxischen Job und bereut es bitterlich: "Ohne Job zu sein, war tatsächlich stressiger"
Sie nahm sich zwei Monate Auszeit, doch nach sieben Monaten hatte sie immer noch keine neue Anstellung gefunden. Sie bewarb sich auf 200 Stellen, erhielt jedoch nur wenig Feedback. Sie wurde ängstlich und depressiv und bereute ihre übereilte Entscheidung, zu kündigen. "Ohne Job zu sein, war tatsächlich stressiger, weil ich mich gefragt habe, warum ich nicht durchgehalten hätte. Ich habe mich schuldig gefühlt", so Renee.
Das Gefühl, sich morgens nicht um neun Uhr im Büro einzuloggen, die Arbeit zu erledigen und gebraucht zu werden, sei deprimierend gewesen. "Es war Winter, es war kalt und dunkel, und ich war allein im Haus. Das hat mich sehr belastet." Sie musste all ihre Kraft einsetzen, um weiterzumachen. "Aber innerlich war ich völlig zerbrochen."
Jeder zweite Deutsche will kündigen – warum so viele dennoch bleiben
Einfach gehen und einen neuen Job suchen und finden - diesen Traum von Renee haben auch in Deutschland viele Arbeitnehmer. Knapp über die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland will bei der Arbeit kündigen. Das ergab eine Umfrage des Instituts Appinio im Auftrag der Jobplattform Indeed. 55 Prozent der Beschäftigten zwischen 18 und 65 Jahren denken über einen Wechsel nach.
Trotz dieser hohen Unzufriedenheit bleibt der Anteil derer, die tatsächlich wechseln, hinter den Erwartungen zurück. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Wechselbereitschaft sogar gesunken. 2023 waren noch 61 Prozent offen für eine neue Stelle. Vielen sind die Aussichten, auf dem heutigen Arbeitsmarkt etwas Neues zu finden, zu unsicher. Eine Erfahrung, die Renee auch machen musste.