Dank Tramwetter war der Tölzer Christkindlmarkt heuer so erfolgreich wie selten zuvor. Ein Händler berichtet, er habe sogar seinen ganzen Zwei-Jahres-Vorrat verkauft.
Bad Tölz – Kerzen Steinhart hat seit 27 Jahren einen Stand auf dem Tölzer Christkindlmarkt. Doch selten hat Simon Steinhart einen so großen Andrang erlebt wie dieses Mal. „Wir haben fast unseren Zwei-Jahres-Vorrat an Kerzen verkauft, es ist so gut wie nichts mehr im Lager“, resümiert der Inhaber. Vor allem die Nachfrage nach Duftkerzen sei heuer „extrem“ gewesen. Nicht ganz so euphorisch, aber ebenfalls hochzufrieden sind seine Kollegen und die Tölzer Tourist-Info, die den Markt organisiert hat.
Kein einziger Regentag beim Tölzer Christkindlmarkt
Hauptgrund für das rekordverdächtige Jahr war Steinharts Ansicht nach das „hervorragende Wetter“. So gab es in vier Wochen keinen einzigen Regentag. Dies habe dazu geführt, dass sich die Besuchermassen „entzerrt“ hätten. So sei dieses Mal auch in der Mittagszeit und ab 16 Uhr immer viel los gewesen und nicht nur an den Wochenenden.
Ebenso zufrieden mit dem Verlauf ist Anna Wintersberger aus Wackersberg-Oberfischbach, die sich selbst als „Handlettering-Künstlerin“ bezeichnet und regelmäßig Kurse in der Volkshochschule gibt. Vier Tage lang verkaufte sie im Künstler-Pavillon handgemachte Weihnachtskarten, zudem beschriftete sie Christbaumkugeln mit Texten, die sich die Kunden wünschen durften. Meist lautete der Wunsch-Text „Frohe Weihnachten“, auch Namen und Geburtstage wurden häufig nachgefragt. Bei einem Wunsch kam Wintersberger dann aber doch ins Staunen. „Ein Kunde wollte auf der Christbaumkugel ,Arschgeige‘ stehen haben“, erzählt sie lachend. Hinterfragt habe sie dies nicht: „Vielleicht gibt es da ja Leute, die sich gegenseitig necken.“
Entenbrust und Hirschgulasch auf dem Christkindlmarkt
Ebenso neu auf dem Christkindlmarkt waren Harald Zeiler und Regoje Predrag, die in ihrem Verkaufskonzept ganz auf hochwertige Lebensmittel setzten – Entenbrust und Hirschgulasch mit Blaukraut und Knödeln, dazu Kaminwurzn und Hirschwurzn mit Schüttelbrot, Glühwein vom Winzer und regionale Schnäpse. „Wenn ich auf einen Weihnachtsmarkt gehe, dann will ich ja nicht nur Bratwürste essen“, erläutert Zeiler. „Die Leute schätzen solch ein Angebot.“ Als Verbesserung wünscht sich Zeiler, dass sich alle Standbetreiber auf einen einheitlichen Preis für den Glühwein einigen. Ob die beiden nächstes Jahr wieder in Tölz zu sehen sind? Zeiler will sich nicht festlegen. „Wir machen das gerne, aber vier Wochen ist schon eine lange Zeit. Wir müssen schauen, ob wir das noch mal machen.“
Dass an solch einem Stand jede Menge Arbeit hängt, kann „Isar- und Walchensee-Ranger“ Hans Adlwarth bestätigen. Als Vereinsvorstand nahm er extra 20 Tage lang Urlaub, um Riesen-Bratwürste für den SV Bad Tölz zu verkaufen. Bereut hat er es nicht: „Es war alles friedlich, wir hatten nur nette Leute hier, und das Geschäft ist auch gut gelaufen.“
Crêpes waren der absolute Renner
Und dann gibt es noch einige Urgesteine, die seit jeher beim Christkindlmarkt dabei sind. Etwa Rhoda Hoffmann, Witwe des Künstlers Erich Hoffmann, der 1995 gestorben ist. Das Ehepaar eröffnete 1984 im sogenannten Sporrer-Haus in der Marktstraße sein Geschäft. Als die „Aktiven Tölzer“ im Jahr 1989 den Christkindlmarkt ins Leben riefen, arbeitete Erich Hoffmann vor den Augen der Besucher an lebensgroßen Krippenfiguren. Eine davon steht heute noch in dem Stand, in dem Rhoda Hoffmann wie eh und je Krippenfiguren verkauft. Die Nachfrage sei gleichbleibend hoch, sagt Hoffmann: „Wir sind immer zufrieden.“
Ebenfalls schon im Gründungsjahr 1989 dabei war Waltraud Müller. Seit den Anfangszeiten hat sich ihr Sortiment kaum verändert – süße und pikante Crêpes, gebrannte Mandeln und Cashewkerne, dazu Glühwein. Um das Geschäftliche kümmert sich mittlerweile allerdings Niklas Konietzko. „Das Geschäft ist gleichbleibend sehr zufriedenstellend“, stellt er fest. „Der absolute Renner sind die Crêpes.“
Verzicht auf Lautsprecher-Beschallung
Auch Kur- und Tourismusdirektorin Brita Hohenreiter spricht von einer „durchweg positiven“ Resonanz: „Es war nicht zu kalt, wir hatten keinen Regen – es war ein toller Markt.“ Bewährt hat sich aus ihrer Sicht der Verzicht auf Beschallung aus den Lautsprechern. Dadurch spare sich die Stadt zum einen die Gema-Gebühren, zum anderen gebe es keine Beschwerden mehr wegen Lärmbelästigung: „Es gibt ja auch Anwohner, Geschäftsleute und Ärzte, die es nicht so toll finden, wenn sie den ganzen Tag Gedudel hören.“ Über die Stille habe sich niemand beschwert, zudem gebe es ja von donnerstags bis sonntags Auftritte von Live-Musikern. Die höchsten Besucherzahlen verzeichnete die Stadt wie gewohnt an den Wochenenden, vor allem beim Krampuslauf: „Da war die Markstraße gesteckt voll.“