Leser: "Was nützen unzählige Ladestationen, wenn der Preis hoch ist?"

Experte Paul Toni zeichnet ein optimistisches Bild der Elektromobilität und erklärt die Reichweitenangst für überholt. In den Leserkommentaren stößt diese Einschätzung jedoch auf deutlichen Widerspruch. Die Diskussion reicht von praktischen Problemen beim Laden über hohe Kosten und technische Zweifel bis hin zu grundsätzlicher Kritik an politischer Steuerung und Marktmechanismen.

Kritik an Ladeinfrastruktur Alltag

Die meisten Leser widersprechen der Einschätzung des Artikels deutlich. In den Kommentaren wird der Ausbau zwar anerkannt, zugleich aber auf Defizite im Alltag verwiesen: lange Ladezeiten, defekte oder belegte Schnelllader, gedrosselte Ladeleistung sowie hohe und intransparente Preise. Besonders Mieter und Laternenparker fühlen sich von der optimistischen Darstellung nicht erfasst, da Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz für sie keine Option ist. Aus ihrer Sicht liegt das Problem weniger in der Reichweite als in Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Kosten der Ladeinfrastruktur.

"Und dann steht man an einer sogenannten Schnellladesäule und lädt schnell. Kommt noch einer angefahren und lädt mit dem zweiten Stecker und schon ist schnell dahin, weil die Klingeldrähte in der Straße nicht genug Strom transportieren können und die wenigsten Ladesäulen Pufferakkus haben oder die auch leer sind ..."  Zum Originalkommentar

"Als überzeugter Verbrennerfahrer habe ich aktuell erstmals einen Elektro. Das Ladenetz ist auch bei uns auf dem Land tatsächlich sehr umfangreich. Allerdings fast immer 22 kW Ladestationen, an denen steht man sehr lange. Für die Schnelllader muss ich rund 20 km fahren"  Zum Originalkommentar

"(...) In einer Gemeinde im Rheinland ist seit bald 2 Jahren die einzige 50 kW Säule defekt (Kabel gestohlen, werden aber nicht ersetzt). Es gibt noch eine einzige Doppelsäule mit 11 kW, bei der man eigentlich nur 2 Stunden stehen darf. In der Praxis unbrauchbar ..."  Zum Originalkommentar

Kritik an Kosten und Preise

Der Artikel hebt die Fortschritte der Ladeinfrastruktur hervor, viele Leser rücken jedoch die Kosten in den Mittelpunkt. In den Kommentaren dominieren Hinweise auf teuren öffentlichen Ladestrom, intransparente Tarife und Abo-Modelle. Tatsächlich liegt der Preis an Schnellladesäulen oft deutlich über dem Haushaltsstrom und kann – je nach Anbieter – das Niveau von Benzin oder Diesel erreichen. Während günstiges Laden vor allem zu Hause oder mit eigener Photovoltaik möglich ist, bleiben Mieter und Laternenparker auf öffentliche Angebote angewiesen. Die Leser sehen darin eine strukturelle Schieflage: Elektromobilität sei rechnerisch konkurrenzfähig, praktisch aber stark vom Wohn- und Ladeumfeld abhängig. Damit relativieren sie die im Artikel betonten Vorteile und verweisen auf Kosten als zentrale Akzeptanzhürde.

"Was nützen mir unzählige Ladestationen, wenn der Preis hoch ist? Ist ganz einfach: Die Länder mit den niedrigsten Strompreisen haben den höchsten EDrive-Anteil …"  Zum Originalkommentar

"Das Problem ist die undurchsichtige Preisgestaltung. Hat man nicht den entsprechenden Vertrag, zahlt man plötzlich mal 20 € für 20 kWh Strom. Das gibt es an den Tankstellen auch nicht. Aber Profit ist alles. Trotz Fördergeldern für Ladesäulen etc."  Zum Originalkommentar

"(...) Der Ladestrom ist im Vergleich zu Frankreich oder den nordischen Ländern zu teuer, da wir weder Strom aus Wasserkraftwerk noch aus AKW haben."  Zum Originalkommentar

Ablehnung aus Nutzungserfahrung

Während der Artikel Elektromobilität als weitgehend routiniert darstellt, lehnen viele Leser E-Autos grundsätzlich ab. Sie berichten von langen Ladezeiten, eingeschränkter Spontaneität und hohem Planungsaufwand, insbesondere auf längeren Strecken. Hinzu kommen emotionale Aspekte wie Fahrgefühl und Gewohnheit. Aus dieser Perspektive wirkt die optimistische Darstellung des Artikels realitätsfern, da sie vor allem auf Nutzer mit passenden Rahmenbedingungen zugeschnitten sei.

"(...) Ich möchte kein E-Auto, ich möchte beim Beschleunigen den Motor hören. Ich möchte diese surrenden, seelenlosen KFZ nicht. Außerdem, ich habe ein Stadthaus, also keine Chance auf Wallbox. Die Reichweiten sind immer noch lächerlich."  Zum Originalkommentar

"Ich fürchte viel eher, dass nach zehn Jahren der Akku Schrott ist und das Ding dann unverkäuflich ist."  Zum Originalkommentar

"Gestern auf der Autobahn auf dem rechten Fahrstreifen fuhren so einige E-Autos mit max. 100 km/h. Hat schon seine Gründe."  Zum Originalkommentar

Kritik an Politik

Viele Leser empfinden die Elektromobilität als politisch forciert und werfen dem Artikel vor, diesen Einfluss zu verharmlosen. In den Kommentaren ist von Bevormundung, Subventionen und einer staatlich gesteuerten Marktverschiebung die Rede. Tatsächlich hat die aktuelle Koalition erneut Förderinstrumente beschlossen – darunter steuerliche Vorteile für Dienstwagen, Sonderabschreibungen für Unternehmen sowie Mittel für den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Nach dem Ende der bisherigen Kaufprämien ist zudem ab 2026 eine neue Förderung geplant, die nach Einkommen gestaffelt bis zu 5.000 Euro pro Fahrzeug betragen soll.

"(...) Hier steckt also eine politische Agenda dahinter, die durchgezogen werden soll."  Zum Originalkommentar

"Der Übergang von Elektro zu Benzin/Diesel ging vor über 100 Jahren ohne Subventionen und Erpressung deutlich schneller. Warum wohl?"  Zum Originalkommentar

"Na, wenn das alles so toll ist, dann braucht es ja auch keine Subventionen mehr für die E-Autos zu geben? Die werden sich ja von alleine durchsetzen, richtig?"  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Technik und Alltag

Viele Leser äußern technische Zweifel an Elektroautos und widersprechen der Darstellung des Artikels. In den Kommentaren geht es vor allem um Akkulebensdauer, Reichweitenverluste im Winter, Schnellladen und Restwerte. Faktisch haben sich Batterietechnik und Garantieleistungen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert: Die meisten Hersteller gewähren acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie, reale Laufleistungen liegen oft deutlich darüber. Reichweitenverluste treten vor allem bei Kälte oder im Anhängerbetrieb auf – ein bekanntes physikalisches Phänomen, das sich technisch einkalkulieren lässt. Häufiges Schnellladen kann die Alterung geringfügig beschleunigen, ist im Alltagsgebrauch aber weitgehend unproblematisch. Auch Restwerte haben sich stabilisiert, da die Marktnachfrage und Erfahrung mit Gebrauchtbatterien zunehmen.

"E-Auto, eine tolle Sache, wenn man den passenden Stecker hat, sollte schon Typ 2 sein, besser eine eigene Wallbox in der Garage und, mit einer realen Reichweite von 300-500 Kilometern, je nach Fahrstil, Größe des Fahrzeugs ..."  Zum Originalkommentar

"Was hilft das Ladenetz, wenn Laden teurer als Tanken ist und Schnellladen dem Akku und damit der Haltbarkeit und Funktionsweise des Fahrzeuges schadet? Die Technik ist das Problem. Ein Verbrenner verliert keine Reichweite durchs Tanken."  Zum Originalkommentar

Zustimmung zu Ladeinfrastruktur Fortschritt

Ein kleineres Lesercluster bestätigt die Kernaussage des Artikels. Diese Nutzer berichten von zuverlässiger Ladeinfrastruktur, funktionierender Routenplanung und problemlosen Langstreckenfahrten im In- und Ausland. Reichweitenangst spiele für sie keine Rolle mehr. Zugleich zeigen diese Kommentare, dass Elektromobilität vor allem dort überzeugt, wo Wohnsituation, Fahrprofil und Ladezugang zusammenpassen.

"Wir waren in den letzten beiden Jahren mit dem E-Auto in Dänemark, Schweden, Polen, Tschechien und Österreich. Ohne Probleme oder Ladeangst. Großartig!"  Zum Originalkommentar

"Ich hatte vor meiner ersten Langstreckenfahrt auch 'Reichweitenangst' und konnte dann erfreut feststellen, dass sie vollkommen unbegründet war. Man muss noch nicht mal suchen, denn das übernimmt ja das Navigationssystem für einen. Fährt man schneller, wird dies berücksichtigt ..."  Zum Originalkommentar

"870.000 Ladestationen europaweit machen selbst Urlaubsreisen per E-Auto entspannend. Alle 300 km eine kurze Pause waren auch ohne E-Auto immer eingeplant."  Zum Originalkommentar

Sonstiges

Hier versammeln sich unterschiedlichste Randbemerkungen, ironische oder sarkastische Statements und Beiträge, die mehrere Schwerpunkte vermischen.

"Was gut ist, braucht keine solchen Jubelberichte"  Zum Originalkommentar

"Selbst wenn vor der Mietshaustür der Nörgler eine Ladesäule stehen würde, es würde denen nicht reichen. Denn sie müssten dann ja noch selbst einstöpseln."  Zum Originalkommentar

"Wenn der Gebrauchtwagenpreis dann auch auf Niveau eines Verbrenners sinkt, wäre ich auch dabei."  Zum Originalkommentar

Elektrisch fahren oder auf Altbewährtes setzen – noch ist die Debatte um E-Autos voller offener Fragen. Wie erleben Sie Ladeinfrastruktur, Kosten und Alltag? Teilen Sie Ihre Sicht – diskutieren Sie mit uns!

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
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