Der Spätdienst an Heiligabend ist der härteste Dienst. Doch die Mitarbeiter im Weilheimer Krankenhaus machen ihn gern, weil sie für ihre Patienten da sein wollen.
Der Spätdienst an Heiligabend, sagt Sandra Buchner, Pflegedienstleiterin am Weilheimer Krankenhaus, „ist der härteste Dienst“. Wenn um 17 Uhr die Glocken läuten, die Familien in die Kirchen strömen, danach beim Essen und der Bescherung unterm Christbaum sitzen, da müssen die Pflegekräfte im Krankenhaus manche Träne bei den Patienten trocknen. Und haben dabei doch immer auch irgendwie im Hinterkopf, dass da bei ihnen zu Hause auch gerade eine Familie sitzt, bei der sie nicht sein können.
Da möchte man meinen, dass es im Vorfeld regelmäßig Streit darüber gibt, wer an Weihnachten Dienst im Krankenhaus schiebt. Doch das Gegenteil ist der Fall, sagt Pflegedirektorin Anne Ertel: „Es gibt nie Konflikte, weil man sich nicht einig werden würde.“ Das liege durchaus auch daran, dass viele ausländische Pflegekräfte bei der Krankenhaus GmbH beschäftigt sind. Menschen, die kein Weihnachten feiern. Oder zumindest nicht am 24. Dezember.
Zudem gibt es bei den Pflegekräften einige Regeln, an die sich alle halten, so Buchner. So zum Beispiel die, dass Mütter mit kleinen Kindern keinen Spätdienst am Heiligabend machen. Oder, dass schon im Sommer geklärt wird, wer an Weihnachten und Silvester arbeitet, damit sich alle in Ruhe vorbereiten können. Generell, sagt Sandra Buchner weiter, ist es meistens gar nicht schwierig, genügend Freiwillige für den Spätdienst an Heiligabend zu finden. „Die Patienten brauchen einen. An diesem Abend ganz besonders. Und das macht man gern, wenn man unseren Beruf ergriffen hat.“ Der nach wie vor sehr gute Personalstand tue sein Übriges, um sicherzustellen, dass man über die Feiertage nicht dauernd im Einsatz ist.
Wer nicht unbedingt bleiben muss, darf nach Hause
Weihnachten im Krankenhaus, das ist schwierig für die Patienten. „Deswegen versuchen wir, es schön für sie zu machen“, sagt Anne Ertel. Es gibt einen gemeinsamen Gottesdienst, in der Akut-Geriatrie wird vorgelesen, generell nimmt man sich mehr Zeit für jeden einzelnen Patienten. Das klappt gut, denn in der Regel wird jeder, der nicht zwingend im Krankenhaus bleiben wird, vor den Feiertagen entlassen, teilweise auch noch an Heiligabend.
Die Küche der Krankenhaus GmbH erstellt eine besondere Speisekarte für die Patienten – „ganz egal, ob Privat- oder Kassenpatient“, sagt Anne Ertel. Mal gibt es Gans, mal Ente, für alle, die es brauchen, natürlich dennoch Schonkost. Krankenhaus-Seelsorgerin Mona Schmid ist in der Adventszeit und an Heiligabend ganz besonders gefragt. Und macht dabei „einen ganz tollen Job“, sagt Sandra Buchner. Die Seelsorgerin ist für alle da, die sie brauchen: die Patienten, ihre Angehörigen, aber auch die Ärzte und Pflegekräfte.
Für die lässt sich die Geschäftsführung an Heiligabend auch immer etwas einfallen. Seit ein paar Jahren zaubert die Küche immer an Weihnachten ein Buffet für die Mitarbeiter. „Und da steckt immer ganz viel Liebe drin“, verrät Anne Ertel. Jedes Jahr wartet dabei eine andere kulinarische Überraschung. Wer ein paar Minuten Zeit hat, setzt sich im Besprechungsraum, wo das Buffet aufgebaut wird, zusammen. Wer es eilig hat, nimmt sich das Essen mit auf die Station.
Weihnachtsschmuck, wohin man schaut
Die Stationen selbst sind schon seit Wochen weihnachtlich geschmückt. „Als ich hier angefangen habe, war das nicht so“, berichtet Sandra Buchner. Das habe sie dann aber schnell geändert: „Die Eingangshalle schmücke ich, die Stationen übernehmen die Leute dort.“ Längst sei das zu einem Selbstläufer geworden, weil alle gemerkt haben, wie eine geschmückte Station die Stimmung hebt.
Und so wird auch heuer der Heiligabend wieder ein ganz besonderer Tag im Weilheimer Krankenhaus werden. Ruhiger, vielleicht ein bisschen trauriger als andere Tage. Aber auch ein Tag voller Herzenswärme, an dem man füreinander da ist.