Zur kalten Weihnachtszeit wird es im italienischen Kabinett eisig. Teure Geschenke sorgen für Auflockerung. Ein Scherz von Meloni geht nach hinten los.
Rom – Besinnliche Stimmung in Italiens Politik so kurz vor Weihnachten? Fehlanzeige. In der letzten Kabinettssitzung von Giorgia Meloni und ihren Ministern vor Weihnachten wurde es noch einmal eisig. Im Ärger spielen auch Briefmarken eine Rolle. Dann wurde es aber auch ein bisschen besinnlich. Und kurz auch mal ein bisschen respektlos.
Zum Abschluss des Jahres steckt Italien nämlich im Haushaltschaos. Ein Thema, von dem auch die deutsche Bundesregierung, was komplizierte Verhandlungen angeht, ein Liedchen singen kann. Wie angespannt die Stimmung ist, zeigten laut der Repubblica besonders Finanzminister Giancarlo Giorgetti und Melonis Stellvertreter Matteo Salvini, die sich nicht einmal begrüßt haben sollen. Das Thema Haushalt sei bei der Sitzung wie eine Art „Elefant im Raum“ totgeschwiegen worden. Für den Dienstag ist die Abstimmung im Senat geplant.
Eisige Stimmung in Italiens Weihnachtskabinett – Meloni fällt mit derbem Scherz auf
Gut also, dass es noch andere Themen für das Kabinett gab, die die Stimmung auflockern konnten. Briefmarken etwa. Als Adolfo Urso, Minister für das Ressort „Unternehmen und ‚Made in Italy‘“ ein Programm für Gedenkbriefmarken für verstorbene italienische Legenden wie Modedesigner Giorgio Armani und Entertainer Pippo Baudo vorstellte, platzte es laut Berichten italienischer Medien aus Meloni heraus. „Wenn ich sterbe, tut mir das nicht an“, soll die Ministerpräsidentin über die Gedenk-Aktion gesagt haben.
Ein etwas respektloser Scherz? Vielleicht. Meloni – von der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera trotz des Haushalts-Zoffs als „gut gelaunt“ beschrieben – legte aber sogleich noch nach. Zum Ende der nur 50-minütigen Sitzung in ihrem Kabinett kam der nächste derbe Scherz hinterher. „Mich quält nur, dass ich Sie am 29. wiedersehen muss“, sagte Meloni. Die Ministerpräsidentin spielt damit auf den kommenden Montag an, an dem in Italien über ein Dekret zur weiteren Hilfe für die Ukraine im Krieg gegen Russland debattiert wird.
„Respektloser“ Witz? Italien-Zeitung geht mit Meloni hart ins Gericht
Der Corriere zitiert Meloni gar mit den Worten: „Ich brenne schon beim Gedanken daran, Sie am 29. wiederzusehen“. Eine Anspielung auf den katastrophalen Brand Roms unter Kaiser Nero? Wohl immerhin ein Beweis für die aufgeheizte Stimmung im Kabinett. Der Corriere jedenfalls betitelt die Aussage gar als „respektlos und vielleicht ein Zeichen einer gewissen Müdigkeit, die an Verärgerung grenzt“. Meloni selbst glättete die Wogen aber noch im Kabinett, fügte laut dem Bericht nach einer kurzen Pause an den Witz noch an: „Nur ein Scherz, ich habe euch alle lieb und wünsche euch frohe Weihnachten“.
Zwischen eisiger Stille und derben Scherzen war dann allerdings doch noch Zeit für besinnliche Weihnachtsstimmung. Im Kabinett wurden Geschenke überreicht. Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida verteilte demnach Honig von Bienen, die auf dem Dach des Ministeriums gehalten werden. Kekse wurden ebenfalls gereicht.
Kuriositäten-Kabinett in Italien: Meloni macht Ministern teures Weihnachtsgeschenk
Auch Meloni, zuletzt auch mit Kritik an der EU auffällig, reihte sich in die Schenkenden ein – und ließ sich wahrlich nicht lumpen. Die Ministerpräsidentin beschenkte, wie aus Berichten aus Italien hervorgeht, ihre Minister mit Keramiktellern der Marke Ginori, laut Repubblica gekauft in einer Boutique im römischen Stadtteil Campo Marzio. Preis: Stolze 245 Euro pro Paket. Bei einem 24-köpfigen Kabinett sind das immerhin satte 5880 Euro. Zusätzlich soll es noch ein Parfüm gegeben haben. Immerhin ein bisschen Besinnlichkeit, bevor es am 29. Dezember im italienischen Kabinett mit dem Ukraine-Dekret weitergeht – dann wohl wieder mit hitzigen Diskussionen. (Quellen: Corriere, Repubblica, Mitteilung der italienischen Regierung) (han)