Baden-Württemberg beherbergt ein faszinierendes Mysterium: Es liegt tief unter der Oberfläche einer rätselhaften Quelle.
Blaubeuren – Er ist eines der meistunterschätzten Ausflugsziele Deutschlands. Dabei funkelt sein Wasser in der Sonne wie ein ungewöhnlicher Edelstein: Die Farbe des Blautopfs in Baden-Württemberg weicht völlig von der typischer heimischer Gewässer ab. Denn je nach Lichteinfall verwandelt sich die Oberfläche der Quelle: Mal ist sie tiefblau wie Saphir, mal türkis wie das Meer in der Karibik. Doch wie entsteht diese Farbenpracht? Sie liegt an einem physikalischen Effekt, der dank der Reinheit des Wassers, darin gelöster Kalkteilchen und der speziellen Trichterform und Tiefe des Blautopfs entsteht.
Der besondere Zauber des Gewässers, das 2025 den zweiten Platz beim deutschlandweiten Wettbewerb „Naturwunder des Jahres“ erreichte, zeigt sich aber nicht nur an der Oberfläche, sondern auch am Grund. Denn dort, in 22 Metern Tiefe, liegt das Geheimnis des nahe Ulm im schwäbischen Alb-Donau-Kreis liegenden Blautopfs. Wegen dieses Rätsels kürte das Reisemagazin ihn zu den zehn mysteriösesten Orten Deutschlands.
Was die Schwäbische Alb verschluckt hat, spuckt der Blautopf wieder aus
Um das Phänomen zu verstehen, muss man tief in die Erde blicken: Das durchlässige Kalkgestein der Schwäbischen Alb verschluckt Regenwasser sofort und leitet es durch weitverzweigte Höhlensysteme, die sich über Jahrtausende gebildet haben. Diese unterirdischen Ströme drängen am Blautopf wieder ans Tageslicht. Vom Grund der Quelle sprudeln deshalb gewaltige Wassermengen empor, im Durchschnitt sind es 2.310 Liter pro Sekunde. Bei Starkregen und Schneeschmelze verwandelt sich das friedliche Gewässer erst recht in einen tosenden Giganten: Bis zu 32.670 Liter pro Sekunde schießen dann aus der Tiefe, also mehr als das Zehnfache der normalen Wassermenge.
Praktische Infos für Besucher
Der Blautopf liegt am Ortsrand von Blaubeuren und ist bequem zu Fuß von der mittelalterlichen Altstadt aus erreichbar. Parkplätze stehen dort zur Verfügung.
Blaubeuren liegt am Donau-Radweg sowie an der Schwäbischen Dichterstraße – ideale Ausgangspunkte für Tagesausflüge in die Region.
Die Erforschung der verborgenen Welt unter dem Blautopf begann 1957. Damals wagten sich zwei mutige Münchner Taucher bis zum Grund vor und entdeckten am Boden des Quelltopfs den Eingang zu einer Höhle. Seitdem haben Forscher über elf Kilometer des unterirdischen Labyrinths erkundet – schon dieses Ausmaß macht es zum größten Höhlensystem unterhalb der Schwäbischen Alb. Wie weit es aber insgesamt reicht, ist heute noch nicht abzusehen.
Märchenhaft schön? Dahinter muss doch eine Nixe stecken
Die seltsam wirkende, tiefblaue Farbe der Quelle und wilde Natur der Umgebung – der Blautopf wird von dichtem Wald umarmt – schenken dem Ort ein fast übernatürlich schönes Aussehen. Es schreit geradezu nach einer magischen Erklärung. In der Gegend erzählte man sich tatsächlich bereits Sagen von einer Nixe im Blautopf, die der Dichter Mörike zu seinem Märchen „Historie von der schönen Lau“ ausarbeitete: Die schöne Lau ist halb menschlich, halb Nixe. Sie wurde mit einem alten Donaunix am Schwarzen Meer verheiratet, brachte aber aufgrund ihrer Melancholie nur tote Kinder zur Welt. Deshalb verbannte ihr Mann sie in den Blautopf bei Blaubeuren.
Laut einer Weissagung kann sie nur erlöst werden, wenn sie fünfmal lacht. Dann würde ihre Fruchtbarkeit wiederhergestellt und sie könnte zu ihrem Mann zurückkehren. Die Erlösung kommt schließlich durch die dicke Wirtin des Gasthauses „Nonnenhof“ und deren gutmütige Familie: Über einen offenen Brunnen im Keller mischt sich die Wasserfrau unter die geselligen Bewohner, die sie so oft zum Lachen bringen, dass der Fluch von ihr abfällt.
(Quellen: Eigene Recherche, Reisereporter.)