Das „National Center for Atmospheric Research“ (NCAR) gilt als so etwas wie das Rückgrat der weltweiten Klima- und Wetterforschung. Die Einrichtung im US-Bundesstaat Colorado stellt Daten und wissenschaftliche Modelle bereit, die nicht nur in den USA zur Vorhersage von Hurrikans und anderem schwerem Unwetter genutzt werden. Einrichtungen auf der ganzen Welt greifen auf das Wissen des NCAR zurück, darunter auch in Deutschland.
Für die Regierung von US-Präsident Donald Trump ist das NCAR allerdings eine der größten Quellen von „Klima-Alarmismus“, wie Haushaltsdirektor Russ Vought vergangene Woche erklärte. Das NCAR soll daher geschlossen werden – die Daten, Klimamodelle und Supercomputer sollen alle weg.
Wenn Wörter verboten werden
Der Klimaforschung hat die Trump-Regierung schon beim Amtsantritt im Januar offen den Kampf angesagt. Die wichtige Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA bekam Mittel in Höhe von hunderten Millionen Dollar gekürzt, knapp 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten gehen. Die bekannte Informationswebsite climate.gov mit 15 Millionen Seitenaufrufen im Monat wurde ersatzlos gelöscht. Behördenmitarbeitern und Beamten wurde verboten, das Wort „Klimawandel“ in offiziellen Dokumenten zu verwenden.
„Dieser Klimawandel ist meiner Meinung nach der größte Betrug, dem sich die Welt jemals aussetzen musste“, sagte Trump im September während seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Die geplante Schließung des NCAR passt da ins Bild.
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„Weltweit zu spüren“
„Die Schließung des NCAR würde die Klima- und Wetterforschung in den Vereinigten Staaten dramatisch zurückwerfen“, sagt der US-Klimaphysiker Bjorn Stevens vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. „Aufgrund der vielen Kooperationen und seiner Rolle in der Ausbildung wäre dies weltweit zu spüren. Es ist schwer, sich eine andere einzelne Maßnahme vorzustellen, die einen größeren und negativeren Einfluss auf die Klima- und Atmosphärenforschung hätte.“
Die Maßnahmen der Trump-Regierung behindern die Klimawissenschaft auf der ganzen Welt, erklärt Stevens, weil sie auf internationale Kooperation angewiesen sei. Die Entwicklung neuer Radare, Satelliten und Wettermodelle sei seit Amtsantritt Trumps in Stocken geraten. „Noch heimtückischer ist, dass die Maßnahmen der Regierung dazu geführt haben, dass sich Forschende selbst von bestimmter Forschung distanzieren, die die Regierung als unerwünscht erachtet“, sagt Stevens. Nun müsse Europa mehr Verantwortung übernehmen – und einige der Aufgaben an sich nehmen, die bislang von US-Behörden übernommen wurden.
Deutsche Forscher berichten von „konkreten Einschränkungen“
„In meinem Arbeitsgebiet – der tropischen Meteorologie – stellt das NCAR zahlreiche, ständig aktualisierte Datensätze beziehungsweise Indizes von Wetterphänomenen in den Tropen zur Verfügung“, erzählt Andreas Fink, Leiter der Arbeitsgruppe Tropische Meteorologie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Aber auch in zahlreichen anderen Gebieten sei die Einrichtung führend. „Hier gibt es für meine Kolleginnen und Kollegen am KIT ebenfalls schon ganz konkrete Einschränkungen.“
Als „Katastrophe für die Klimaforschung weltweit“ bezeichnet der Klimawissenschaftler Gerrit Lohmann vom Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven die mögliche Schließung des US-Instituts. „Zahlreiche am NCAR entwickelte und gepflegte Datensätze, Reanalysen und Modellprodukte sind für die laufende Forschung an deutschen und europäischen Einrichtungen von unmittelbarer Bedeutung“, so Lohmann. Die Expertise und Infrastruktur am NCAR seien so einzigartig, dass eine Schließung gar nicht von anderen Einrichtungen kompensiert werden könne, glaubt der Klimaforscher.
Die Ankündigung der Trump-Regierung hat sogar schon zu öffentlichen Protesten geführt: Hunderte Menschen demonstrierten am Samstag in Boulder, dem Sitz des NCAR, gegen die geplante Schließung. „Hier geht es nicht um links oder rechts, um Demokrat oder Republikaner“, sagte eine Demonstrantin dem Lokalsender Denver 7. „Wir müssen alle wissen, ob ein Hurrikan kommt.“
Fünf große Windparks gestoppt
Währenddessen setzt die Trump-Regierung auch ihren Kampf gegen die Energiewende fort: Die US-Regierung hat die Mietverträge und Bauarbeiten für fünf große Offshore-Windenergieprojekte an der Ostküste vorübergehend ausgesetzt. Grund seien nationale Sicherheitsbedenken, wie das US-Innenministerium mitteilte.
Demnach sollen die Lizenzen für die im Bau befindlichen Offshore-Windparks pausiert werden, um Zeit für eine Überprüfung möglicher Risiken zu gewinnen. Es gebe Regierungsberichte, wonach die Bewegung massiver Turbinenblätter und die stark reflektierenden Türme Radarstörungen verursachten. Das erschwere das Erkennen von feindlichen Bedrohungen. Weitere Details nannte das Ministerium nicht. Senatoren beider Parteien, die im Militärkomitee des US-Senats sitzen, gaben gegenüber US-Medien an, ebenfalls keine weiteren Informationen erhalten zu haben.
Die Entscheidung betrifft Projekte vor Massachusetts, Connecticut, New York sowie der Küste Virginias, die bereits große Investitionen und Bauarbeiten vorzuweisen haben. Tatsächlich können Windanlagen in Einzelfällen eine Störung für Radaranlagen darstellen – im November 2024 hatte Schweden etwa den Bau eines Windparks in der Ostsee unweit der russischen Enklave Kaliningrad gestoppt. Experten zufolge kann das Risiko jedoch bereits durch leichte Änderungen im Bebauungsplan eliminiert werden.
„Das treibt die Preise“
Die Trump-Blockade kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Strompreise in viele Regionen der USA in die Höhe schießen. Verschiedenen Studien zufolge sind die Strompreise für US-Haushalte seit Ende des letzten Jahres um zehn bis dreizehn Prozent gestiegen.
Der Strombedarf steige in den USA derzeit schneller als das Stromangebot, bedingt durch Datenzentren, Kryptowährungen und E-Mobilität, sagte Energieprofessor David Spence von der der University of Texas in Austin dem US-Sender ABC News. „Wir schaffen es einfach nicht, neue Versorgungsquellen genauso schnell ans Netz zu bringen, wie die Nachfrage wächst“, so Spence. „Und das treibt die Preise.“
Gleichzeitig habe die Trump-Regierung bereits Energieprojekte mit einer Gesamtleistung von knapp 25 Gigawatt blockiert, heißt es in einem neuen Bericht der Klimaorganisation Climate Power – genug Strom, um 13 Millionen Haushalte zu versorgen. Ob sich die Trump-Regierung mit der Blockade der Windparks durchsetzen kann, ist noch unklar: US-Medienberichten zufolge haben Branchenvertreter und Projektentwickler bereits teilweise juristische Schritte angekündigt.