- Der vollständige Artikel von Elisabeth Hussendörfer, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Faule Lehrer? „In Sachen Arbeitszeit haben viele ein völlig falsches Bild“
Ein Interview über die Arbeitszeit und das Engagement von Lehrern entfacht eine breite Diskussion: Während CDU-Politiker den Lehrkräften mangelnden Einsatz vorwerfen, nimmt Martina Scherer vom Philologenverband Differenzierungen vor und fordert eine objektive Erfassung der tatsächlichen Arbeitsbelastung. In den Kommentaren dazu prallen besonders zwei Lager aufeinander: Ein großer Teil der Leserschaft hält an ihrer Skepsis fest, bezweifelt die hohe Arbeitsbelastung von Lehrkräften und fordert strengere Kontrollen – andere verteidigen die Lehrerschaft, verweisen auf Zusatzaufgaben, Stress und gesellschaftliche Fehlwahrnehmung. Dazu gibt es Kritik an Politik und Verbeamtung sowie satirische Seitenhiebe auf das Bild vom „faulen Lehrer“. Die Debatte verdeutlicht: Arbeitsalltag, gesellschaftliche Anerkennung und Bild von Lehrern werden sehr unterschiedlich eingeschätzt.
Kritik an Lehrerarbeitszeit und Engagement
Mit 40 ein Prozent stellen Kritiker der Lehrerarbeitszeit das größte Meinungsbild. Viele Nutzer äußern Zweifel am tatsächlichen Arbeitspensum von Lehrkräften, verweisen auf lange Ferien, wiederholte Unterrichtsvorbereitungen und ihren Eindruck, dass der Arbeitsaufwand häufig überschätzt werde. Es wird bemängelt, dass Lehrer nach außen hin zu viel Freizeit hätten und die zusätzliche Belastung oft weniger gravierend sei als dargestellt. Der Artikel wird von Kommentierenden als zu apologetisch wahrgenommen, Forderungen nach mehr Kontrolle und Transparenz werden laut.
"Meine Nachbarin ist Lehrerin. Sie ist die Personifizierung der Heimarbeit, auf Neudeutsch Homeoffice. Auffallend: alle Ferien, ob Ostern, Pfingsten, Winter oder Sommer ist sie vom ersten bis zum letzten Tag verreist. Das sind 12 Wochen Urlaub! Vielleicht arbeitet sie am Strand? Vielleicht korrigiert sie die Schulaufgabe irgendwo unter einer Palme? Wer weiß das schon...." Zum Originalkommentar
"Vorbereitung? Ich kenne Lehrer, die lassen jedes Jahr die gleichen Klassenarbeiten schreiben und korrigieren diese schon im Schlaf." Zum Originalkommentar
"Ich würde die Lehrkräfte, die ich kenne, nicht als faul bezeichnen, allerdings kenne ich auch niemanden in diesem Bereich, der überlastet ist. Allerdings gibt es immer Abweichungen, im positiven wie im negativen Bereich." Zum Originalkommentar
Zustimmung zur Lehrerengagement Darstellung
Einige Leser (21 Prozent) vertreten die Sicht, dass der Lehrerberuf oftmals unterschätzt werde. Sie befürworten den Standpunkt, dass Lehrkräfte deutliche Mehrarbeit und zusätzlichen psychischen Stress auf sich nehmen – nicht nur im Unterricht, sondern auch durch Korrekturen, Elterngespräche, Fortbildungen und Sonderaufgaben. Die Kommentare fordern mehr Wertschätzung für diesen Beruf und weisen darauf hin, dass gesellschaftliche Vorurteile oft aus Unwissenheit oder alter Schul-Erfahrung heraus entstehen. Sie unterstreichen die Bedeutung der Lehrkräfte für die Zukunft der Gesellschaft.
"Die meisten hier haben keine Ahnung, was die Lehrenden wirklich leisten. Aber sehr viel Neid ist hier herauszulesen, weil Sie meinen, dass die Lehrenden weniger tun als alle anderen Arbeitende. Jeder von den hier Lamentierenden hätte doch auch Lehrer werden können und den Master (1. Staatsexamen in mind. 2 Fächer an der Uni) sowie das Referendariat (2. Staatsexamen) bestehen können, oder? Na also, dann bitte hier einfach mal psssst. Danke" Zum Originalkommentar
"Einfach mal selbst ausprobieren, kann man da nur raten. Wenn man schon sieht, wie viele Eltern im Supermarkt oder am Wochenende im Zoo o.ä. an ihren Kindern herumzetern, wären die mit 20-30 Kindern wahrscheinlich vollkommen überfordert. Ich habe mal eine Unterrichtsstunde als Gastlehrer in meinem Hobbybereich halten dürfen. Alter Schwede. Keine Sekunde durfte man die Rasselbande unkontrolliert lassen. Das war wie eine hochstressige 45-minütige Mischung aus Fahrprüfung und Bewerbungsgespräch. Ein ungünstiges Wort und schon klatschen einem diese typischen "Aber warum ..." Kinderfragen um die Ohren. Und sobald der Spannungsbogen bei den Kindern abfällt, schalten die sofort ab und fangen an, Unsinn zu machen. Wie Lehrer das über Jahrzehnte ohne Burnout schaffen, ist mir ein Rätsel." Zum Originalkommentar
"Unsere Lehrer sollten mehr geschätzt werden. Sie unterrichten unsere Kinder und damit sind sie unsere Zukunftswegweiser. 24 Schulstunden sind mit Vor- und Nachbereitung schnell 40-42 Stunden/Woche. Dazu der psychische Stress. Ich glaube, keiner möchte heute mit einem Lehrer seine Arbeit tauschen." Zum Originalkommentar
"Aus eigener 33-jähriger Erfahrung als Gymnasiallehrer kann ich der Kollegin in vielen Punkten beipflichten. Abgesehen von der Tatsache, dass es auch unrühmliche Beispiele gibt, möchte ich darauf hinweisen, dass die vorhandene wissenschaftliche Ausbildung der Lehrkräfte angesichts des rapiden wissenschaftlichen Fortschritts in allen Bereichen permanent durch wissenschaftliche Weiterbildung begleitet und ergänzt werden muss. Dies kann durch eigene umfangreiche Lektüre oder/und durch zusätzliche Fortbildungsseminare geschehen. So waren meine Sommerferien meist zur Hälfte dieser Aktualisierung des Wissensstands gewidmet. Dass in der Zeit der Abiturprüfungen Arbeitszeiten von bis zu 89 Stunden vorkamen, sei nur am Rande erwähnt. Manche Kollegen hielten diesem Druck nicht Stand!" Zum Originalkommentar
Kritik an Politik und Lehrerstatus
Mit vierzehn Prozent der Stimmen kritisieren Leser vor allem politische Rahmenbedingungen und den Beamtenstatus der Lehrkräfte. Viele fordern eine Reform des Beamtentums, wünschen sich mehr Leistungsanreize und fordern politische Maßnahmen, um die Qualität des Lehrerberufs zu sichern. Gleichzeitig beklagen sie einen Mangel an Unterstützung durch die Politik und bezweifeln, dass aktuelle politische Debatten wirklich zu Verbesserungen im Berufsalltag der Lehrkräfte führen. In Bezug auf den Artikel äußern viele Nutzende Skepsis gegenüber Argumenten, die den Beamtenstatus als notwendig rechtfertigen.
"Lehrer einfach nicht mehr verbeamten, dann dürfen sie für bessere Arbeitsbedingungen streiken." Zum Originalkommentar
"Gute Lehrer müssen gutes Geld verdienen, schwache sich etwas anderes suchen. Dafür müssen Maßstäbe festgelegt werden und v.a. schließt das den Beamtenstatus aus. Gerade bei den immer schwieriger werdenden Umständen hinsichtlich Schülerzusammensetzung und Eltern-Erwartungen ist das essentiell. Sonst geht es weiter bergab. So erlebt in 15 Jahren, die unsere Kinder altersmäßig auseinander sind. Wird aber keiner anfassen. Das System ist schlicht festgefahren." Zum Originalkommentar
"Die CDU stänkert im Prinzip gegen alle Arbeitnehmer. Sie ist bekanntlich die Partei der Aktionäre und Lobbyisten." Zum Originalkommentar
Sarkasmus zur Lehrerarbeitszeit und Ferien
Zehn Prozent der Beiträge bedienen sich Ironie und Sarkasmus, um den vermeintlichen Freizeit- und Ferienreichtum von Lehrkräften zu thematisieren. Diese Nutzer spielen mit Klischees, beispielsweise über lange Sommerferien oder entspannte Klassenfahrten und stellen so Überzeichnungen von Lehrerprivilegien ins Zentrum des Diskurses. Die Kommentare zeigen, wie tief Vorurteile verankert sind und fordern indirekt eine realistischere Darstellung des Lehreralltags. Im Beitrag werden vor allem die Unterschiede zwischen früher und heute herausgestellt.
"Habe ich es überlesen oder wurde gar nicht erwähnt, dass die Lehrer zusammengerechnet pro Jahr 3 Monate frei haben bei voller Bezahlung?" Zum Originalkommentar
"Zu meiner Zeit hieß es: Vormittags hat er Recht und nachmittags hat er frei. Hat sich etwas geändert?" Zum Originalkommentar
"Mein Physiklehrer sagte immer, dass sein Job der bestbezahlte Halbtagsjob wäre, den er machen kann." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Lehrerarbeitszeitmessung
Mit sieben Prozent Anteil sehen Leser die Diskussion um eine exakte Arbeitszeiterfassung kritisch. Sie bezweifeln den Nutzen bürokratischer Kontrollen, verweisen auf die individuellen Unterschiede je nach Fach und Aufgabenbereich und sehen die Gefahr, dass die Messung eher Misstrauen als Produktivität fördert. Andere wiederum würden eine realistische Erfassung für sinnvoll halten, etwa um tatsächlich geringe Arbeitsbelastung oder Mehrarbeit transparenter zu machen. Der Artikel liefert ihrer Ansicht nach keine zufriedenstellende Antwort auf die praktische Umsetzbarkeit.
"Was regelmäßig unter den Tisch fällt, ist die übermäßige Belastung von Teilzeitkräften. Halbe Bezahlung, halbe Arbeit vor der Klasse, aber alles drumherum muss man voll ableisten. Auch wenn es viel mehr Stunden sind. Daneben wäre eine Erfassung der Arbeitszeit auch um die Pflaumen zu erfassen. Vielleicht ganz hilfreich. Von der Uhr ist es ja schon vorgeschrieben. Nur unsere Ministerien weigern sich." Zum Originalkommentar
"Nun ja, ich bin zwar kein Lehrer, habe aber unterrichtet (BW). Es wird immer auf die Vor-/Nachbereitung herumgeritten. Das Lehrfach ist ausschlaggebend. Wenn ich 5 Jahre Mathe gegeben habe, brauche ich so gut wie keine Vorbereitung. Trotzdem, ich bewundere heutzutage jeden Lehrer. Ich möchte keiner sein." Zum Originalkommentar
"Was sie nicht angesprochen hat, ist der Unterschied zwischen verbeamteten und angestellten Lehrern sowie die unterschiedlichen Belastungen der Lehrer je nach Fachgebiet. Ein nicht verbeamteter Lehrer wird wesentlich schlechter für die gleiche Arbeit vergütet. Und ein Deutsch-/Englischlehrer ist bei der Vorbereitung und Korrektur der Arbeiten wesentlich höher belastet als ein Mathe-/Physiklehrer oder ein Sport-/Musiklehrer. Hier besteht eine riesige Gerechtigkeitslücke unter den Lehrenden." Zum Originalkommentar
Sonstige Stimmen
Sieben Prozent der Kommentare lassen sich nicht eindeutig einer Haltung zuordnen. Hier äußern Leser allgemeine Kritik oder Vergleiche, greifen auf andere Themenbereiche wie Polizei oder Gesundheit zurück, oder liefern bissige Nebenbemerkungen zur Gesamtdiskussion. Diese Beiträge ergänzen die Debatte, ohne eine klare Positionszuteilung zu ermöglichen.
"Wenn man vergleicht, welche Aufgaben und Verantwortungsbereiche Personen mit gleicher Eingruppierung im Bereich der Polizei oder der Bundeswehr wahrnehmen, dann können sich unsere Lehrer ganz sicher nicht beklagen." Zum Originalkommentar
"Ich habe übrigens auch mal eine Weile einen Vormittag in der Woche in einer Berufsschule unterrichtet. Und muss sagen, auch im 3. Jahr musste ich zu den 5 gegebenen Stunden noch mind. 5-6 dazurechnen für Vorbereitung, Korrektur, Besprechungen etc. Und es ist wirklich ein Unterschied vom Stresslevel her, ob man vor 25 Schülern steht oder in einem Büro mit 1-2 Kunden/Arztzimmer mit 1 Patienten o.ä.!" Zum Originalkommentar
Lehrer zwischen Anerkennung und Misstrauen: Wie sehen Sie die Arbeitsrealität von Lehrkräften? Finden Sie die Kritik an den Lehrkräften angemessen oder dominiert Ihrer Meinung nach ein falsches Bild von der Schule? Nutzen Sie jetzt die Kommentarfunktion, um Ihre Meinung und Erfahrungen mitzuteilen!