Zwei Jahre lang lebte Justine mit ihren Kindern ohne festen Wohnsitz. Wie der belgische öffentlich-rechtliche Sender RTBF im Rahmen der Spendenaktion Viva for Life berichtet, musste die heute 38-jährige Mutter ihr Zuhause verlassen, um ihre Kinder zu schützen. Von einem Tag auf den anderen verlor sie Wohnung, Einkommen und jede Form familiärer Unterstützung.
Alleinerziehende Mutter flieht mit Kindern – Leben in völliger Unsicherheit
In dem Beitrag von RTBF schildert Justine, wie sie monatelang zwischen Freunden, Notlösungen und kurzfristigen Unterkünften pendelte. „Ich bin fast ein Jahr lang umhergeirrt“, sagt sie rückblickend.
Besonders belastend sei die Situation für ihre Kinder gewesen. Nach außen habe sie funktioniert, innerlich sei sie zusammengebrochen. „Man hat keine Wahl. Man steht morgens auf – und nachts weint man, wenn sie schlafen.“
Mutter-Kind-Haus bringt Stabilität zurück in den Alltag
Erst der Kontakt zu einer Mutter-Kind-Einrichtung im wallonischen Brabant brachte eine Wende. Der Schritt dorthin sei schwer gewesen, erzählt Justine, auch wegen Scham und dem Gefühl des Versagens. Doch die strukturierte Umgebung und die dauerhafte Begleitung hätten ihrer Familie erstmals wieder Stabilität gegeben.
Vor allem ihre Tochter habe sich schnell erholt. In kurzer Zeit habe sie schulisch aufgeholt und wieder einen festen Alltag gefunden. „Ein Kind ist komplett destabilisiert, wenn es so etwas erlebt“, erklärt Justine. Feste Schlafplätze, Schule und klare Strukturen seien entscheidend gewesen, um wieder Vertrauen und Sicherheit aufzubauen.
Der RTBF macht mit Viva for Life auf die Situation von Müttern und Kindern aufmerksam, die durch Gewalt, Wohnungsverlust oder plötzliche Armut in existenzielle Not geraten. Einrichtungen wie Mutter-Kind-Häuser bieten nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern langfristige Hilfe – sind jedoch häufig unterfinanziert.
Alleinerziehende auch in Deutschland besonders belastet
Das Schicksal von Justine steht exemplarisch für die Situation vieler Alleinerziehender, die nach Trennung, Gewalt oder Wohnungsverlust plötzlich auf sich allein gestellt sind. Auch in Deutschland geraten Mütter und Väter ohne Partner häufig in finanzielle und soziale Schwierigkeiten, die den Alltag und die Zukunft ihrer Kinder erheblich belasten.
Nach aktuellen Daten leben hierzulande rund 1,7 Millionen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern – ihr Armutsrisiko ist deutlich höher als in Paarfamilien. Studien zeigen, dass geringeres Einkommen, unsichere Betreuung und gesundheitliche Belastungen eng zusammenhängen. Politische Maßnahmen wie der Ausbau der Kinderbetreuung und der erleichterte Zugang zu Unterstützungsleistungen gelten daher als zentrale Voraussetzungen, um Alleinerziehende langfristig zu entlasten.