S2-Sperrung: Wegen Gleisbauarbeiten wird der Dezember für Pendler zur Geduldsprobe

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Weil die Gleise zwischen Dachau und Petershausen saniert werden, gibt es dort seit Montagabend keinen S-Bahnverkehr. Die Pendler waren vorbereitet, am Dachauer Bahnhof ging es gestern Morgen ruhig zu. © cr

Die S-Bahn-Strecke S2 ist wegen Bauarbeiten zwischen Petershausen und Dachau gesperrt. Pendler müssen mit deutlich längeren Fahrzeiten rechnen.

Die S-Bahn-Verbindung zwischen Petershausen und Dachau wird täglich von Tausenden Pendlern genutzt. Wegen umfangreicher Gleisbauarbeiten, die am Montagabend begannen und bis zum Dienstagmorgen, 9. Dezember, dauern werden, sperrt die Bahn diesen Abschnitt der S2 komplett. Als Ersatz setzt die Bahn einen Schienenersatzverkehr (SEV) im 20-Minuten-Takt ein.

Dennoch bedeutet die Sperrung für Berufspendler einen gehörigen Aufwand. Sei es, weil sie länger in die Arbeit brauchen, sei es weil sie ihren Arbeitsalltag in Richtung Homeoffice organisieren oder in Fahrgemeinschaften ins Büro fahren müssen.

Jeder Tag ist durchgeplant

Katharina Bäßler aus Petershausen etwa hat für diese Woche bereits jede Hinfahrt und Heimfahrt durchgeplant, wie sie der Heimatzeitung berichtet. Normalerweise fährt sie mit der S-Bahn zu ihrer Arbeitsstelle an der Schule in Hebertshausen. Da sie und ihr Mann nur ein Auto besitzen und er nach München pendelt, nimmt er sie und ihre Tochter diese Woche morgens mit. Den Heimweg legt sie so, dass sie fünf Minuten früher aufbricht – in der Hoffnung, den Bus noch zu erwischen.

Die Rückfahrt mittags mit dem SEV sei überraschend positiv verlaufen, „fast schon reibungslos“, berichtet Bäßler. Zwar sei mehr los gewesen als sonst, doch sie habe noch einen Sitzplatz bekommen. „Ich habe schon am Morgen deutlich mehr Autos gesehen und auch der Parkplatz am Bahnhof Petershausen war ungewöhnlich voll. Daher denke ich, dass viele dort parken und auf die Regionalbahn umsteigen“, so Bäßler.

Auch Andrea Lorenz aus Röhrmoos versucht, das Chaos zu umgehen. „Normalerweise brauche ich acht Minuten bis Dachau. Heute waren es 24“, berichtet die 53-Jährige. Sie ist extra eine Stunde später losgefahren, um den Schülerverkehr zu meiden. Zwei ihrer Arbeitstage verlegt sie diese Woche ins Homeoffice. „Ich dachte, die Busse werden überfüllt sein – aber man bekam sogar noch einen Sitzplatz!“

Mehr los in Bussen und Regionalbahn

Yilda Bodor aus Dachau pendelt seit Jahren nach München. Die aktuelle Lage überrascht sie kaum: „Jeden Tag ist etwas. Besonders die jungen Leute tun mir leid, die weiter draußen wohnen und ständig mit Verspätungen kämpfen.“ Um dem Chaos zu entgehen, müsse sie oft kurzfristig umplanen.

Josef Mittl, ehrenamtlicher Bahnhofspate aus Petershausen und Mitglied des Fahrgastverbands Pro Bahn, beobachtet eine spürbare Veränderung: „Der Bahnsteig und der Zug meiner Frau waren voller als sonst, aber nicht überfüllt.“ Etwas verspätet kam Ute Mittl in München an – was allerdings häufiger vorkomme. Gegen 7 Uhr beobachtete er, dass in Petershausen drei SEV-Busse gleichzeitig abfuhren, wie zuvor vom Landratsamt Dachau für die Stoßzeiten angekündigt.

Auch er geht davon aus, dass viele Pendler sich umorientiert und stattdessen mit dem Auto gefahren seien. Mittl betont: „Der Ausbau und der Erhalt der ÖPNV-Infrastruktur, insbesondere der Sicherstellung von Anschlüssen, ist für die Entwicklung unserer Region existenziell – das zeigt sich gerade in Zeiten mit Einschnitten wie der aktuellen S-Bahn Sperrung.“

Ein Sprecher der Bahn räumt ein, dass die Fahrgäste in den kommenden Wochen Geduld brauchen: Die S-Bahn benötige regulär von Röhrmoos zum Marienplatz rund eine halbe Stunde. Während der Bauarbeiten dauere die Fahrt mit Ersatzbus und Umstieg in Dachau in die S-Bahn etwa eine Stunde. Sein Tipp: statt der S-Bahn den Regionalzug nehmen, damit sei man „ganz schnell in München“.

So geht es weiter

Ab Dienstag, 9. Dezember, bis Samstag, 13. Dezember, beginnt die zweite Bauphase auf der S2. Dann gibt es allerdings keinen Ersatzverkehr, stattdessen wird die Strecke aufgeteilt. Im Westen fahren die Züge zwischen Ostbahnhof und Petershausen nur noch im 40-Minuten-Takt. Der östliche Linienteil verkehrt alle 20 Minuten zwischen Erding und Moosach. Zwischen Altomünster und Dachau pendeln die Züge regulär, in Dachau ist jedoch stets ein Umstieg erforderlich.