Die Überschuldung im Landkreis Dachau steigt das zweite Jahr in Folge

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In Dachau und im Landkreis steigt die Überschuldung. © hi

Die Überschuldung im Landkreis Dachau nähert sich den Werten von 2021 an. Besonders betroffen sind junge und ältere Menschen.

Im Landkreis Dachau ist die Überschuldung im zweiten Jahr in Folge leicht gestiegen. 5,36 Prozent aller Einwohner über 18 Jahre waren im Jahr 2024 überschuldet. Das sind 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Im bundesweiten Vergleich steht der Landkreis noch relativ gut dar: Auf dem Ranking der Auskunftei Creditreform liegt Dachau auf Platz 50 von 400 Landkreisen und kreisfreien Städten. Die durchschnittliche Überschuldungsquote in Deutschland liegt bei 8,16 Prozent (2024: 8,09 Prozent).

Die Jungen stolpern über Konsumverhalten, die Älteren über strukturelle Knappheit.

Überschuldung liegt dann vor, wenn der Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhalts weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Im Vergleich zum Vorjahr ist Dachau in der Liste der am wenigsten verschuldeten Landkreise und kreisfreien Städte um sieben Plätze abgerutscht. So wurde der Amperlandkreis im Vorjahr noch auf Platz 43 des SchuldnerAtlas von Creditreform gerankt. Mit der Überschuldungsquote von aktuell 5,36 Prozent nähert sich Dachau den Werten von 2021 an (5,40 Prozent), 2022 und 2023 gab es niedrigere Werte.

Der aktuelle Anstieg der Schuldnerquote im Landkreis Dachau geht einher mit dem bundesweit zu beobachtenden Trend. Auch dort waren die Überschuldungsquoten seit 2021 rückläufig. „Die Trendwende ist da – und sie kommt mit Ansage“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. „Nach Jahren des Angst-Sparens sind die finanziellen Puffer vieler Menschen schlicht aufgebraucht. Die Multikrise hat nicht nur Spuren hinterlassen, sie wirkt jetzt nach.“

Nicht nur klassische Risikogruppen betroffen

Die aktuellen Daten von Creditreform zeigen, dass 2025 nicht nur klassische Risikogruppen betroffen sind. Erstmals seit Jahren steigt die Zahl überschuldeter Verbraucher über fast alle sozialen Gruppen hinweg. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den „Lifestyle-Überschuldeten“ und „Überschuldungspragmatikern“ – also Menschen mit mittlerem oder sogar überdurchschnittlichem Einkommen, die ihren Lebensstandard nach Jahren des Verzichts durch Ersatz- oder Nachholkonsum zu halten versuchen. „Überschuldung ist kein Randphänomen mehr“, so Hantzsch. „Wir sehen mittlerweile viele, die gut situiert sind, aber ihre finanzielle Belastbarkeit überschätzt haben. Das betrifft zunehmend auch Menschen mit stabilem Einkommen und geregeltem Alltag.“

Überdurchschnittlich stark gestiegen sei die Überschuldung bei jungen Menschen unter 30 Jahren und bei älteren über 60 Jahren. Während Jüngere durch Konsum, Kredite und Onlinekäufe ins Straucheln gerieten, würden Ältere zunehmend unter steigenden Lebenshaltungskosten und begrenzten Renteneinkommen leiden. „Wir erleben eine neue Zweiteilung der Überschuldung“, so Bernd Bütow, Geschäftsführer von Creditreform. „Die Jungen stolpern über Konsumverhalten, die Älteren über strukturelle Knappheit. Beide Gruppen haben kaum Spielraum, wenn unvorhergesehene Ausgaben kommen.“

Creditreform rechnet damit, dass sich der negative Trend auch 2026 fortsetzen wird. Steigende Zinsen, hohe Lebenshaltungskosten und ein schwächerer Arbeitsmarkt dürften die Situation weiter verschärfen. „Die Überschuldung droht wieder ein echtes gesellschaftliches Thema zu werden“, betont Hantzsch.

hi

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