Vitamin B3, auch Niacin genannt, spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel unserer Zellen. Für die Haut ist das besonders wichtig, denn sie ist täglich UV-Strahlen ausgesetzt. Diese können das Erbgut der Hautzellen schädigen, ein zentraler Auslöser für Hautkrebs.
Studien zeigen: Nicotinamid kann geschädigten Hautzellen helfen, sich besser zu reparieren. Es unterstützt körpereigene Reparaturmechanismen der DNA und stärkt gleichzeitig das Immunsystem der Haut. Dadurch können gefährliche Zellveränderungen besser beseitigt werden.
Besonders bei Menschen mit hellem Hauttyp oder einer Vorgeschichte von Hautkrebs zeigte sich ein Effekt: Die regelmäßige Einnahme von Nicotinamid senkte in Studien die Zahl neu auftretender weißer Hautkrebsformen deutlich.
Studien zeigen Auswirkung von Vitamin B3 auf Hautkrebs
Hautkrebs ist eine häufige Krebsart in Deutschland. Umso größer ist das Interesse an einer neuen Studie aus dem Jahr 2025: Sie zeigt, dass Vitamin B3, genauer gesagt Nicotinamid, das Risiko für erneuten weißen Hautkrebs senken kann.
Veröffentlicht wurde die Studie im renommierten Fachjournal "Jama Dermatology". Forschende werteten die Gesundheitsdaten von über 33.800 Menschen aus, die bereits an weißem Hautkrebs erkrankt waren. Ein Teil der Betroffenen nahm regelmäßig Nicotinamid ein, meist zweimal täglich 500 Milligramm, andere nicht. Das Ergebnis: Wer Vitamin B3 einnahm, hatte insgesamt ein um 14 Prozent geringeres Risiko, erneut an Hautkrebs zu erkranken.
Am stärksten war der Effekt bei Menschen, die direkt nach der ersten Hautkrebsdiagnose mit Nicotinamid begannen. Bei ihnen traten deutlich weniger neue Tumoren auf – vor allem beim Plattenepithelkarzinom, einer häufigen Form des weißen Hautkrebses.
Wie Vitamin B3 schützt
Nicotinamid unterstützt die Hautzellen bei der Reparatur von UV-Schäden und stärkt das lokale Immunsystem der Haut. So können gefährliche Zellveränderungen besser abgewehrt werden, bevor Krebs entsteht.
Fachleute betonen: Vitamin B3 ersetzt keine Sonnencreme. Schutz durch Kleidung, Schatten und regelmäßige Hautchecks bleibt entscheidend. Für Menschen mit hohem Risiko kann Nicotinamid aber eine sinnvolle Ergänzung sein, nach Rücksprache mit dem Arzt.
Die Studie zeigt: Manchmal steckt Prävention in kleinen, gut bekannten Bausteinen.
Was genau ist Vitamin B3 und welche Rolle spielt es in unserem Körper?
Vitamin B3 gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen des B-Komplexes. Im Körper tritt es vor allem in zwei Formen auf: als Nicotinsäure und als Nicotinamid. Aus ihnen entstehen die Coenzyme NAD und NADP. Das sind kleine, aber unverzichtbare Helfer, die unzählige Stoffwechselreaktionen erst möglich machen. Auffällig: Niacin gilt als besonders stabiles Vitamin, Hitze und Licht können ihm kaum etwas anhaben.
Seine wichtigste Rolle spielt Vitamin B3 im Energiestoffwechsel. Ob Zucker, Fett oder Eiweiß, ohne NAD und NADP könnten unsere Zellen diese Nährstoffe nicht verwerten. Sie sind an sogenannten Redoxreaktionen beteiligt, also an Prozessen, bei denen Energie gewonnen oder gespeichert wird.
Vereinfacht gesagt: Vitamin B3 hilft dabei, aus Nahrung Energie für Muskeln, Organe und Gehirn zu machen. Auch für die Haut und die Schleimhäute ist eine ausreichende Versorgung wichtig.
Eine Besonderheit von Vitamin B3: Der menschliche Organismus kann es teilweise selbst herstellen. Aus der Aminosäure Tryptophan, die in vielen Eiweißquellen vorkommt, entsteht in Leber und Niere Niacin. Etwa 60 Milligramm Tryptophan liefern dabei aber nur rund ein Milligramm Niacin. Diese Eigenproduktion reicht jedoch nicht aus, sodass Niacin über Lebensmittel zugeführt werden muss.
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Wenn Niacin fehlt
Ein ausgeprägter Mangel an Vitamin B3 führt zur klassischen Mangelerkrankung Pellagra. Typisch sind Hautveränderungen, Durchfall und neurologische Störungen. In Mitteleuropa ist das selten, da Niacin in vielen Lebensmitteln enthalten ist.
Problematisch kann jedoch eine sehr einseitige Ernährung sein, etwa wenn Getreideprodukte den Speiseplan dominieren, aus denen Niacin nur schlecht verfügbar ist.
In diesen Lebensmitteln ist Vitamin B3 enthalten
Besonders gut verfügbar ist Niacin aus tierischen Produkten. Hier liegt es überwiegend in freier Form vor und kann vom Körper zu einem großen Teil aufgenommen werden. Dazu zählen vor allem Fleisch und andere eiweißreiche tierische Lebensmittel, zum Beispiel:
- Hühnerfleisch
- Rindfleisch
- Kalb
- Lebersorten
- Lachs
- Sardellen
- und Thunfisch.
Die Bioverfügbarkeit kann hier bis zu rund 75 Prozent betragen.
In pflanzlichen Lebensmitteln, insbesondere in Getreide, ist Niacin häufig an Eiweiß gebunden. Diese Form wird als Niacytin bezeichnet. Der menschliche Verdauungstrakt kann diese Bindung nur eingeschränkt lösen, weshalb aus Getreide deutlich weniger Niacin aufgenommen wird, oft nur etwa 20 Prozent der enthaltenen Menge.
Zusätzlich trägt Eiweiß aus der Nahrung indirekt zur Versorgung bei: Der Körper kann aus der Aminosäure Tryptophan, die Bestandteil vieler Nahrungsproteine ist, selbst Niacin bilden. Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Eiweißzufuhr.
Wie Sie die Niacin-Aufnahme steigern
Eine abwechslungsreiche Kost mit ausreichend Eiweiß unterstützt sowohl die direkte Niacinzufuhr als auch die körpereigene Bildung aus Tryptophan.
Bei Getreideprodukten kann die Verarbeitung entscheidend sein: Durch eine alkalische Behandlung, etwa wie sie traditionell bei der Maisverarbeitung erfolgt (zum Beispiel bei Verwendung von Kalkwasser bei der Verarbeitung von Maiskörnern in Mexiko zu Tortillas) wird gebundenes Niacin besser verfügbar.
Deshalb erhöhen auch Backprozesse mit alkalisierenden Triebmitteln (Backnatron = Natriumhydrogencarbonat) – genauso wie bei den Tortillas – die Verfügbarkeit, da das Niacytin gespalten wird und so freies Niacin entsteht. So zeigt sich: Nicht nur die Menge an Vitamin B3 in Lebensmitteln ist entscheidend, sondern auch, in welcher Form es vorliegt und wie die Nahrung zusammengesetzt und verarbeitet ist.
Prof. Dr. Klaus Günther, Lebensmittelwissenschaftler und Biochemiker, forscht und lehrt an der Universität Bonn zu Mikronährstoffen und innovativer Ernährungsforschung und ist international als Honorarprofessor und Gutachter tätig. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.