- Der vollständige Artikel von Hannah Petersohn, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Praxisgebühr, Zuckersteuer, Kürzungen: Was sich für Kassenpatienten ändern soll
Ein Vorstoß mit Folgen stößt auf breite Resonanz: Ärztechef Andreas Gassen bringt nicht nur die Rückkehr der Praxisgebühr auf den Tisch, sondern fordert auch neue Steuern auf Zucker und Leistungskürzungen im Gesundheitssystem. Besonders im Blick stehen die Pläne zur Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung, über die der Artikel von Hannah Petersohn informiert. Die Leser stehen dabei vor allem zwischen zwei dominanten Positionen: Einerseits gibt es starke Stimmen, die fordern, Leistungen für Nicht-Beitragszahler, etwa Asylsuchende und Sozialleistungsbezieher, deutlich zu beschneiden und die Finanzierung neu zu strukturieren. Andererseits stoßen die geplanten Praxisgebühren und neuen Abgaben auf grundsätzliche Ablehnung, weil sie als unfaire Mehrbelastung der Beitragszahler angesehen werden. Dazwischen äußern sich Diskutierende kritisch zu Lenkungssteuern, Verwaltungskosten, Leistungsprioritäten und Kostenverteilung.
Kritik an Sozialpolitik und Migration
Mit 35 Prozent ist der größte Teil der Leserschaft der Ansicht, dass das Gesundheitssystem vor allem unter den Kosten für nichtzahlende Gruppen wie Asylsuchende, Flüchtlinge und Empfänger von Bürgergeld leidet. Viele argumentieren, dass Leistungen für diese Menschen begrenzt, Rückführungen konsequenter umgesetzt und die Finanzierung dieser Ausgaben auf Steuerzahler verlagert werden sollte. Kritisiert wird, dass Beitragszahler immer stärker belastet werden, während andere weiterhin von umfassenden Leistungen profitieren. Der Artikel verdeutlicht nach Ansicht dieses Lagers, wie groß der Reformbedarf im System ist – besonders bei der Frage, wer zahlt und wer profitiert.
"Bitte nicht nur neue Gebühren, sondern auch Einsparungen und grundlegende Krankenkassenreform, u.a. Anzahl der Kassen. Zudem für jeden Leistungsempfänger entsprechenden Krankenkassenbeitrag (z.B. Asyl- oder BG-Empfänger)." Zum Originalkommentar
"Der Staat sollte für die Menschen aufkommen, die er hier reinlässt, nicht wir Beitragszahler. Die ganzen arbeitsfähigen Empfänger von Sozialleistungen sollten arbeiten müssen. Sollen die 10,- € pauschal eingezogen werden von den Kassen, auch wenn man in dem Quartal nicht beim Arzt war?" Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Finanzierung und Kostenverteilung
Mit 22 Prozent vertreten zahlreiche Leser die Meinung, dass das deutsche Gesundheitssystem vor allem an einer ungerechten Kostenverteilung und ineffizienter Finanzierung krankt. Es wird hinterfragt, warum die Beitragszahler immer mehr zahlen, während andere als Profiteure gesehen werden. Viele fordern eine Reform, die auch Verwaltungskosten, Gehälter im System und die Einbeziehung aller – etwa auch von Politikern – in die Finanzierung stärker in den Blick nimmt. Die im Artikel vorgestellten Vorschläge wie Praxisgebühr und neue Steuern werden als Symptom mangelnder Reformbereitschaft gesehen.
"500 Milliarden € pro Jahr für Gesundheit sind 250 Milliarden € zu viel, denn die Niederländer sind genauso gesund wie wir und zahlen umgerechnet die Hälfte. Was machen die deutschen Ärzte nur mit dem ganzen Geld?" Zum Originalkommentar
"Mein Humor: die Krankenschwester, die einen schweren Patienten umlagert und dann Rückenschmerzen hat, darf zahlen. Der Bürgergeldler fährt sinnlos E-Roller und fällt. Das darf die Krankenschwester noch mal über ihren Beitrag mitzahlen." Zum Originalkommentar
"Wenn der Bund endlich den Krankenkassen den vollen Satz für die Bürgergeldempfänger bezahlt und nicht wie bisher nur einen Teil, dann gibt's auch nicht mehr dieses Defizit. Bisher wird der Fehlbetrag an die Beitragszahler weitergereicht, was in meinen Augen an Betrug grenzt. Die Krankenkassen können, im Gegensatz zum Bund, die Anzahl der Bürgergeldempfänger nicht beeinflussen. Deswegen bin ich gegen den Vorschlag einer Praxisgebühr, die wiederum auch die Beitragszahler belastet." Zum Originalkommentar
Kritik an Praxisgebühr und Abgaben
Mit 14 Prozent äußern sich etliche Kommentatoren klar gegen die Wiedereinführung der Praxisgebühr und weitere Abgaben wie die Zuckersteuer. Die Praxisgebühr wird als ungerechte zusätzliche Belastung angesehen, die in der Vergangenheit keinen nachhaltigen Nutzen brachte. Viele empfinden die Maßnahmen im Artikel als Symbol für eine Politik, die Beitragszahler stärker belastet, ohne echte Lösungen für die strukturellen Probleme des Gesundheitssystems zu bieten. Die Frage der sozialen Gerechtigkeit steht im Vordergrund, etwa, wer von den Gebühren ausgenommen würde.
""Praxisgebühr, Zuckersteuer, Kürzungen: Was sich für Kassenpatienten ändern soll" Aha. Und für Privat-Versicherte gibt's Zucker ohne Zuckersteuer?" Zum Originalkommentar
"10 € ist trotzdem eine zusätzliche Beitragserhöhung, egal, wie sie im Detail heißt." Zum Originalkommentar
"Wer wird die Praxisgebühr bezahlen und wer braucht sie nicht zu bezahlen. Über mehr muss man nicht nachdenken! Im Übrigen werden auch Beamte nicht zahlen müssen." Zum Originalkommentar
Kritik an Verwaltung und Krankenkassenstruktur
Mit elf Prozent zeigen zahlreiche Leser wenig Verständnis für die große Zahl an Krankenkassen und die damit verbundenen hohen Verwaltungskosten. Sie fordern eine deutliche Zusammenlegung der Kassen, weniger Verbände und einen Abbau von Bürokratie, um Mittel freizusetzen, statt ständig neue Gebühren oder Kürzungen zu diskutieren. Die im Artikel beschriebenen Maßnahmen werden als zu kurz gedacht empfunden; echte Einsparungen sehen Kritiker eher in strukturellen Reformen als in Zusatzlasten für Beitragszahler.
"Warum kommt niemand auf den Vorschlag, die 94 Krankenkassen endlich auf eine zu reduzieren. Das würde immens viel Geld sparen. Die Angestellten der Krankenkasse verdienen unverhältnismäßig viel, sind inkompetent und zu eindeutig zu viel. Hinzu käme, dass man nur denjenigen medizinische Leistungen geben sollte, die auch eingezahlt haben. Das ist einfache Logik und schon würde sich der Beitrag eher reduzieren als immer nur erhöhen. Zumal die Leistungen ohnehin immer weniger Qualität versprechen." Zum Originalkommentar
"Die Forderungen sind bis auf die Praxisgebühr berechtigt. Noch wesentlich mehr könnte man einsparen, wenn man die Kassen zusammenlegen würde. Statt über 90 Vorstände und Verwaltungsräte braucht es dann nur noch einen (das spart Vorstandsgehälter samt Chauffeur und Dienstwagen). Es würde zudem eine Menge Geschäftsstellen in guten Innenstadtlagen und Werbungskosten einsparen. Auch die Kassenverbände wären überflüssig. und das Bundesversicherungsamt könnte verkleinert werden, da die Verwaltung und Berechnung des Risikostrukturausgleichs entfiele. Mit diesen Sparmaßnahmen wären Beitragserhöhungen überflüssig." Zum Originalkommentar
"Die Kassenärztliche Vereinigung als Bürokratie-Monster selbst ist das Problem. Man braucht niemanden als "Aufpasser" zwischen Patient und Arzt. Schafft diese Institution ab, und Milliarden Euros sind frei." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Zuckersteuer und Lenkungssteuern
Acht Prozent der Lesenden äußern Skepsis gegenüber Lenkungssteuern wie der Zuckersteuer, die im Artikel betont wurden. Es wird bezweifelt, dass solche Steuern das gewünschte Verhalten fördern; stattdessen wächst die Sorge vor steigenden Lebensmittelpreisen und fehlender Wirkung. Einige fordern die konsequente Zweckbindung der Einnahmen oder sogar striktere Verbote, während andere auf internationale Beispiele mit gemischten Erfolgen hinweisen. Die Diskussion hinterfragt, ob solche Steuern gesundheitspolitisch sinnvoll und sozial gerecht sind.
""Zusätzlich müssten die Steuern auf Tabak und Alkohol steigen und dürften nicht länger im allgemeinen Bundeshaushalt verschwinden." Und wie soll das gehen? Steuern sind eine allgemeine, nicht zweckgebundene Einnahme des Staates. Wenn, dann müsste eine zusätzliche "Gesundheits-Abgabe" erhoben werden, die den KK zugute kommt." Zum Originalkommentar
"Zuckersteuer ist schon lange überfällig, ebenfalls sollten Alkohol und Zigaretten wirklich wesentlich teurer werden. Alle drei Kategorien kosten das Gesundheitswesen unfassbar viel Geld, wenn die Menschen nicht selbst in der Lage für sich sind, den Schaden zu vermeiden, den sie mit dem Konsum anrichten. Dann muss sich die Gemeinschaft eben selbst schützen. Solidargemeinschaft gut und gut, aber jeder, der ansatzweise lesen kann, weiß, wie schädlich diese Dinge für die Gesundheit sind. Von den durch Alkoholkonsum verursachten Unfällen und Todesfällen im Straßenverkehr ganz zu schweigen. Andere Länder machen es vor, da gibt es keine Proteste, siehe Großbritannien mit der Zuckersteuer." Zum Originalkommentar
"Eine Zuckersteuer wird am Ende nur die Lebensmittel verteuern, aber nicht dazu führen, dass gesündere auf den Markt kommen; ist also völlig kontraproduktiv. Sowas von jemand, der eigentlich besser Bescheid wissen sollte." Zum Originalkommentar
Kritik an Leistungskürzungen und Gesundheits-Apps
Drei Prozent vertreten die Ansicht, dass Leistungskürzungen bei Homöopathie oder digitalen Gesundheits-Apps – wie im Artikel vorgeschlagen – unterm Strich wenig zur Lösung der eigentlichen Probleme beitragen. Die Kommentierenden sehen die Einsparungen im Vergleich zu den Gesamtausgaben als gering an und fordern stattdessen Verbesserungen bei medizinischen Abläufen und eine bessere Priorisierung von Leistungen. Die Wirksamkeit alternativer Methoden wird kritisch hinterfragt, insbesondere die Notwendigkeit, Apps auf Kassenkosten zu finanzieren.
"Alles toll, Herr Gassen. Aber der Hase liegt an anderer Stelle im Pfeffer. Wieso brauchen wir 100 Krankenkassen? Für eine Wettbewerbsfähigkeit tun es auch 10. Ansonsten spart doch bitte erst mal bei der Klientel ein, die nicht einen Cent für alle Leistungen im Gesundheitswesen einzahlen, aber alles abfassen. Dann ist auch genug Geld für die Einzahler da und ihr müsst euch nicht neue Gedanken der Geldmittelsuche machen." Zum Originalkommentar
"Beim Thema "Homöopathie" hat er recht: Mir tut eine Tasse Kaffee auch gut - aber die kann ich mir leider auch nicht von der Krankenkasse finanzieren lassen ..." Zum Originalkommentar
Sonstige Stimmen
Sieben Prozent der Kommentare sind schwer eindeutig einordenbar. Sie bringen meist allgemeine Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem, den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder den Akteuren des Systems zum Ausdruck. Einige Beiträge enthalten Vergleiche mit anderen Politikfeldern oder äußern generelle Vertrauensverluste.
"Das hört sich wie die Kugel Eis der völlig verkorksten Energiewende an, Nein Danke. Noch mehr Steuern und Abgaben zu erfinden ist auch nicht Ihre Aufgabe. Kümmern Sie sich doch bitte um signifikant bessere Strukturen und Abläufe, die das teuerste Gesundheitssystem der Welt rentabel für die Versicherten macht!" Zum Originalkommentar
"Das alte Gesundheitssystem hat ausgedient. Es funktioniert nicht mehr. Es vergrößert die Profite der Medizintechnikhersteller und Pharmaindustrie. Die wachsen ins Unendliche. Was soll das? Wer soll das noch bezahlen? Da wird auch schon wieder nach Krieg geschielt, weil die Rohstoffe fehlen. Was für ein Irrsinn!" Zum Originalkommentar
"Selbstbedienungsladen Deutschland. Jeder normale Mensch würde seine Ausgaben reduzieren. Nun kommt der unverhohlene Griff in unser Portemonnaie. Darum hießen im Mittelalter Ärzte auch Beutelschneider." Zum Originalkommentar
Ihre Meinung ist gefragt: Wie kann das Gesundheitssystem gerechter werden?
Die Vorschläge rund um Praxisgebühr, Steuererhöhungen und Leistungskürzungen sorgen für spürbare Kontroversen – gerade wenn es um Lastenverteilung und Gerechtigkeit geht. Muss mehr Eigenbeteiligung sein, brauchen wir mehr Einsparungen bei Verwaltung und Nicht-Beitragszahlern, oder sind ganz neue Modelle notwendig? Diskutieren Sie mit: Wem bringt Gassens Vorstoß wirklich Vorteile, wer trägt am Ende die Hauptlast – und wo sehen Sie konstruktive Lösungen für unser Gesundheitssystem? Wir freuen uns über Ihren Beitrag in den Kommentaren.