Die zweite Auslegungsrunde zur Neuausweisung der Landschaftsschutzgebiete läuft, und wieder erhitzen sich die Gemüter bei der Forderung um maximale Freiheit. Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Dieter Dorby.
Es ist eine schizophrene Situation: Einerseits beklagen die Landwirte, dass die Regeln im Landschaftsschutzgebiet bei Radlern und Freizeittouristen sich nicht kontrollieren lassen und deshalb ein zahnloser Tiger seien. Gleichzeitig ist es das erklärte Ziel, genau das für die eigenen Belange zu erreichen: einen zahnlosen Tiger zu schaffen. Es ist Lobby-Arbeit.
Der Wunsch ist ja nachvollziehbar: Vorschriften, die einem nicht wehtun und maximale Freiheit garantieren. Dazu Behördenmitarbeiter, die einem wohlgesonnen sind und das Bestmögliche möglich machen. Und Mechanismen, die dafür sorgen, dass diese Wohlgesonnenheit dauerhaft gesichert ist. Weil man selbst ja nichts Schlechtes macht. Vielmehr sollte man bei den anderen genau hinschauen. So der Wunsch – und den haben die Mountainbiker übrigens auch.
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Das St.-Florians-Prinzip ist bei der Ausweisung der Landschaftsschutzgebiete auf allen Seiten allgegenwärtig. Es sind emotionale Diskussionen im Kleinen, die geprägt sind vom Bestreben, für sich maximale Freiheit zu reklamieren. Die große Frage, was braucht der Landschaftsschutz und wie kann man den im Einklang unterstützen, spielt kaum eine Rolle. Schade.
Der Anspruch, dass der zweite Entwurf schon jetzt passen muss, ist überzogen. Und zum Verfahren gehört, die eigene Kritik in nachvollziehbare Worte zu fassen und schriftlich bei der Behörde einzureichen. Der Weg ist noch nicht das Ziel.
Spannend wird eh erst die nächste Fassung, die Entscheidungsgrundlage sein soll. Die Frage ist jetzt: Will man maßvolle Kompromisse oder will man Recht haben? Im ersten Fall braucht es Dialog, im letzteren gute Anwälte und jede Menge Zeit und Geld. Eine Frage, die jede Seite für sich selbst beantworten muss.