Knapp 50 Prozent weniger Führerschein-Neulinge in Deutschland – das ist der Grund

Den Führerschein in Deutschland zu machen, soll künftig einfacher und günstiger werden. Dazu hat das Verkehrsministerium eine Reform beschlossen. Das sind die wesentlichen Änderungen:

  • Der immer länger gewordene Katalog von mittlerweile 1169 Fragen für die theoretische Prüfung soll um ein Drittel schrumpfen. Im Mittelpunkt soll das Thema Verkehrssicherheit stehen.
  • Die Pflicht zum Präsenzunterricht soll entfallen und Wissen auch komplett über digitale Wege wie Apps vermittelt werden können.
  • Fahrschulen müssen keine Schulungsräume mehr bereithalten, Vorgaben dafür fallen dann auch weg.
  • Künftig sollen häufiger Fahrsimulatoren eingesetzt werden können, statt direkt auf der Straße unterwegs zu sein. Damit kann laut Ministerium zum Beispiel das Fahren in Wagen mit Schaltgetriebe geübt werden. Fahrschulen bräuchten dann angesichts des Trends zu Automatikfahrzeugen - sowie zu Elektroautos, die ebenfalls keine Schaltung mehr haben - nicht extra Autos mit Schaltung anzuschaffen. Auch die Prüfung wird in einem Automatikwagen gemacht. 

Führerschein-Reform soll Ausbildung vereinfachen

Nun aber schlägt ausgerechnet die Fahrschulbranche Alarm. Die Organisation MOVING International Road Safety Association, in der verschiedene Fahrschulverbände und andere Unternehmen der Branche organisiert sind, berichtet von teils dramatischen Einbrüchen bei Führerscheinanwärtern. Die Zahlen seien um 20 Prozent zurückgegangen - in Großstädten wie Hamburg oder Frankfurt sogar um bis zu 50 Prozent.

Den Grund sehen sie in den geplanten neuen Ausbildungsrichtlinien: "Die Ankündigung von Verkehrsminister Patrick Schnieder, der Führerschein könne dadurch günstiger werden, hat schon jetzt eine massive Verunsicherung ausgelöst. Fahrschulen berichten von erheblichen Umsatzeinbußen, viele Betriebe stehen vor existenziellen Problemen, und gleichzeitig entsteht ein völlig unnötiger Ausbildungsstau, weil zahlreiche Interessenten ihre Anmeldung aufschieben", so der Lobbyverband.

Viele angehende Autofahrer schieben Ausbildung auf

Der Verband bezweifelt zudem, dass die Ausbildung durch die Reform wirklich günstiger wird. "Was in der Theorie nicht gelernt wird, muss später mühsam und teuer in zusätzlichen Fahrstunden nachgeholt werden – das wird die Kosten für den Führerschein eher unkontrolliert in die Höhe treiben als sie zu senken", glaubt MOVING-Präsident Jörg-Michael Satz.

Fürchten Fahrschulen neue Konkurrenz?

Wie genau sich der Effekt der Reform auswirkt, bleibt freilich abzuwarten. Zudem dürften Fahrschulen auch schlicht um einen Teil ihres Geschäftes fürchten, wenn durch mehr Online-Unterricht und Fahrsimulatoren am Ende doch weniger Fahrstunden und Ausbildungszeit vor Ort anfallen als bisher. Fest steht jedenfalls, dass die Fahrausbildung in Deutschland enorm teuer geworden ist. Für einen Pkw-Führerschein der Klasse B werden laut Verkehrsministerium derzeit im Schnitt rund 3400 Euro fällig.