Duma-Sprecher fällt auf Satire-Geschichte rein und verkauft sie Putin als wahr

In einem Gespräch mit Wladimir Putin hat der Sprecher der russischen Duma, Wjatscheslaw Wolodin, eine Satire-Geschichte über eine "korrupte KI-Ministerin" in Europa als Tatsache verkauft. Eigentlich wollte er dem Kreml-Chef von den Herausforderungen berichten, die durch moderne KI entstehen.

So behauptete Wolodin, dass in einem Land der Europäischen Union eine als Ministerin ernannte KI dabei erwischt worden sei, wie sie sich bestechen ließ und Gelder veruntreut habe. Der Duma-Sprecher berichtete dem Kreml-Herrscher: "In einem der EU-Länder wurde eine Ministerin in Form einer künstlichen Intelligenz ernannt, und nun werden Vorwürfe gegen sie erhoben, weil sie Gelder veruntreut haben soll. Es gibt keine grundlegenden Gesetze, die Fragen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz, Robotern und Menschen regeln."

Duma-Sprecher fällt auf kroatische Satireseite rein

Der Ursprung der Meldung geht auf die kroatische Satireplattform "Newsbar" zurück, die fiktive Nachrichten veröffentlicht. In der von der Humor-Seite verbreiteten Nachricht hieß es in etwa: In Albanien wurde eine künstliche Intelligenz namens 'Diella' als Ministerin ernannt und dann wieder entlassen. Die KI-Ministerin soll bei einer Ausschreibung für den Bau einer Autobahn eine Bestechung in Höhe von 14 Bitcoins angenommen haben.

Wolodin gab diese Geschichte jedoch als reales Beispiel für "KI-Korruption" 1:1 an Putin weiter. Auch seine Behauptung, Albanien gehöre zur Europäischen Union, ist falsch. Der Duma-Sprecher war schlichtweg einer Falschmeldung aufgesessen, die mehrere Tage durch das russische Internet gegeistert war. Wolodin veröffentlichte das Video des Treffens mit Putin anschließend auch auf seinem Telegram-Kanal und betitelte es mit den Worten: "In der Europäischen Union hat eine als Ministerin ernannte KI Gelder veruntreut."