EU plant Elektro-Revolution – sie würde Europas Autoindustrie neuen Schub verleihen

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Mit neuen Regeln will die EU ihre Industrie vor günstigen Elektroautos aus dem Ausland und insbesondere China schützen. Nun kommen Details ans Licht.

Brüssel/München – Europa steht vor einer kleinen Revolution auf vier Rädern: Die Europäische Kommission will laut Medienberichten im Dezember eine neue Fahrzeugklasse für günstige Elektroautos schaffen.

Schnellladesäule bei Nacht: E-Mobilität wird auch in Europa zunehmend erschwinglicher
Schnellladesäule bei Nacht: E-Mobilität wird auch in Europa zunehmend erschwinglicher. © A. Friedrichs/Imago

Ziel sei es, die heimische Autoindustrie gegen die wachsende Konkurrenz aus China zu schützen und erschwingliche Elektromobilität möglich zu machen. Doch was steckt hinter dieser Initiative – und was bedeutet sie für Technik, Sicherheit und Preise?

EU plant neue Kategorie für günstige Elektroautos „made in Europe“

Die EU-Kommission möchte den Angaben zufolge eine Kategorie zwischen ultraleichten Fahrzeugen und klassischen Autos schaffen, wie Reuters berichtete. Künftig sollen kleine Elektroautos nicht mehr die gleiche kostspielige Sicherheitsausstattung eines großen Fahrzeugs benötigen. Das wirtschaftliche Potenzial einer solchen Neuregelung wäre enorm.

Die Kosten für Entwicklung und Produktion könnten deutlich sinken, mehrere europäische Hersteller fordern eine solche Reform schon länger. Die Hoffnung ist, dass so mehr günstige Elektroautos „made in Europe“ auf den Markt kommen. Denn in den vergangenen Jahren verabschiedeten sich mehrere Autobauer aus dem für sie teuren und wenig lukrativen Segment.

Technik und Regulierung bei E-Autos: Weniger ist manchmal mehr

Der Vorschlag: Kleinwagen mit einer Länge von bis zu 4,2 Metern könnten künftig unter vereinfachten Regeln gebaut werden. Renault-Manager François Provost empfiehlt, die Vorschriften für diese neue Kategorie für zehn bis fünfzehn Jahre einzufrieren. „Das würde den Herstellern Planungssicherheit geben und Innovationen fördern“, zitiert Reuters den frisch gebackenen CEO des französischen Konzerns vergangenen Sommer.

Eine der wesentlichen Fragen: Wie wirkt sich eine Verringerung der technischen Anforderungen auf die Sicherheit aus? Zumindest könnten Auflagen gestrichen werden, die für Stadtflitzer nicht zwingend nötig sind. Das spart Kosten und begünstigt niedrigere Preise.

Bezahlbar und europäisch: Die Antwort auf asiatische Konkurrenz

Asiatische Hersteller – darunter neuerdings auch chinesische – erobern Europa mit preiswerten, technisch soliden Modellen. Mitunter deutsche Marken haben sich aus dem günstigen Segment zurückgezogen, weil die Kosten für Entwicklung und Sicherheit zu hoch waren. Die neue Kategorie soll dem entgegenwirken und protektionistisch die europäische Industrie stärken.

Ein Leapmotor T03
Kleiner Stromer aus chinesisch-französischer Produktion: Der Leapmotor T03 (ab ca. 19.000 Euro) bietet schon jetzt viel Auto für kleines Geld. © Leapmotor

EU-Industriekommissar Stéphane Sejourne betont: „Ziel der Hersteller ist es, neue Kleinfahrzeuge im Preisbereich zwischen 15.000 und 20.000 Euro auf den Markt zu bringen. Und da auch regulatorische Zwänge in den Preis einfließen, werden wir diesen Regulierungsrahmen schaffen.“ Am 10. Dezember soll es, Stand jetzt, konkret werden mit der neuen Fahrzeugklasse.

Kei-Cars: Japans Erfolgsmodell als Vorbild für Europa?

Das Konzept erinnert stark an die in Japan beliebten „Kei-Cars“. Diese Leichtautomobile sind durch begrenzte Abmessungen und Motorleistung definiert – meist zwischen drei und vier Meter lang, mit wenig Hubraum und oft mit E-Antrieb ausgestattet. Kei-Cars genießen in Japan steuerliche Vorteile, niedrigere Versicherungsprämien und vereinfachte Zulassungsverfahren. Das hätte auch in Europa Potenzial, ein Massenphänomen zu werden.

Zuletzt haben mehrere Hersteller neue Elektro-Kleinstwagen vorgestellt, die nach Europa kommen könnten – darunter neben Honda und Suzuki aus Japan auch die rumänische Renault-Tochter Dacia, berichtet Ecomento.de. Damit könnten bald auch europäische Städte von bezahlbaren, kleinen E-Autos für weit unter 20.000 Euro profitieren.

Günstige Elektroautos für Europa: Die große Herausforderung

Wird allerdings zu sehr an Sicherheitsstandards gespart, könnten Komfort und Schutz leiden, schildert Chip.de in einem kürzlich erschienenen Bericht. Die Balance zwischen Bezahlbarkeit und Sicherheit bleibt also eine Herausforderung.

Für Hersteller wie Volkswagen und Opel könnte sich eine Chance auftun, elektrische Kleinwagen im unteren Preissegment anzubieten. Ob die neuen Regeln wirklich den gewünschten Boom auslösen, hängt davon ab, wie geschickt die Balance zwischen Technik, Sicherheit und Bezahlbarkeit gelingt. (Quellen: Chip.de, Reuters) (PF)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/eu-plant-elektro-revolution-europas-autoindustrie-winkt-neuer-schub-zr-94028535.html