Mehrere Faktoren trieben ein badisches Traditionsunternehmen Ende August in die Insolvenz. Nun ist bekannt, dass die Firma in der bisherigen Form nicht weiter existieren wird.
Stuttgart – Im Jahresverlauf mussten bereits mehrere traditionsreiche Unternehmen im Zuge einer Insolvenz endgültig aufgeben. Erst kürzlich wurde beispielsweise bekannt, dass ein Metallverarbeitungsunternehmen bereits Ende Oktober den Betrieb eingestellt hat und alle verbleibenden Mitarbeiter gekündigt werden. Ein ähnliches Schicksal erwartet, einem Medienbericht zufolge, nun ein Unternehmen in Baden-Württemberg, das vor über 165 Jahren gegründet wurde und als wichtigster und bedeutendster Arbeitgeber seiner Stadt zählt. Nur für einen kleinen Teil der Belegschaft geht es unter Umständen weiter.
Das familiengeführte Traditionsunternehmen Wehrle-Werk AG in Emmendingen (Baden-Württemberg) hatte Ende August am Amtsgericht Freiburg Insolvenz angemeldet. Als Gründe wurden der Wegfall des Russlandgeschäfts sowie zweier Großaufträge, interne Probleme bei Softwareumstellung und ein Hacker-Angriff auf den 1860 gegründeten Anlagenbauer und Umwelttechnik-Spezialisten. Wie die Badische Zeitung (BZ) vom Insolvenzverwalter erfahren hat, ist das Unternehmen nicht als Ganzes zu retten. „Der November 2025 wird auf traurige Weise in die Emmendinger Stadtgeschichte eingehen“, beginnt die BZ ihren Bericht.
Wehrle-Werk AG kann nicht als Ganzes gerettet werden – Investor übernimmt nur Teilbereich
In der seit langem anhaltenden Insolvenzwelle ist es meist das oberste Gebot der Insolvenzverwalter, einen Investor für das betroffene Unternehmen zu finden, da viele Betriebe nicht aus eigener Kraft saniert werden können. Das ist dem vom Amtsgericht Freiburg eingesetzten Marc-Philippe Hornung von der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz nur bedingt gelungen. Ein französischer Investor übernimmt demnach lediglich den Geschäftsbereich Wasseraufbereitung und die dort beschäftigten 35 Mitarbeiter von Wehrle. Produziert werden soll vorerst weiter in Emmendingen, allerdings nur maximal drei Jahre.
| Unternehmen | Wehrle-Werk AG |
| Gründung | 1860 von Wilhelm Wehrle |
| Hauptsitz | Emmendingen, Baden-Württemberg |
| Branche | Anlagenbau, Umwelttechnik, Abwasser- und Abfallbehandlung |
| Mitarbeiter | 237 (2022) |
| Umsatz | 50,1 Mio. Euro (2023) |
Für den Großteil des Traditionsunternehmens gibt es dagegen keine Hoffnung mehr. Die Geschäftsbereiche Anlagen- und Kesselbau werden demnach aufgegeben und rund 170 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. „Unser Fokus lag stets darauf, das Unternehmen und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten“, betonte Rechtsanwalt Hornung. Der vorläufige Insolvenzverwalter konnte aber immerhin erreichen, dass 125 Mitarbeiter der Wehrle-Werk AG in eine Transfergesellschaft wechseln, in der sie für sechs Monate weiterhin 80 Prozent ihres bisherigen Gehalts bekommen. „Alle betroffenen Mitarbeiter haben dieses Angebot angenommen.“
Wehrle-Werk AG in Emmendingen wird mit Rumpfmannschaft vollständig abgewickelt
Mit den verbleibenden Mitarbeitern soll der Betrieb der Wehrle-Werk AG vollständig abgewickelt werden. Für die Wirtschaft in der Kreisstadt zwischen Breisgau, dem Schwarzwald und dem Kaiserstuhl ist das Ende des Traditionsunternehmens ein herber Schlag. Nach der Einstellung der Produktion bleibt die Frage, was mit dem Geschäftsareal am Stadtrand passiert. Manche Teile des Stammwerks stehen schon seit langem leer, für andere hat die Stadt Emmendingen ein Vorkaufsrecht. Erst vor wenigen Tagen hatte ein anderes Traditionsunternehmen aus dem Kreis Emmendingen angekündigt, die Produktion am Stammsitz einzustellen. (Verwendete Quelle: badische-zeitung.de)