Aus Skepsis wurde Begeisterung - Der „schönste Kindergarten der Welt“ liegt in Habach

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Habach

Kommentare

Aßen gemeinsam Räubersuppe: Kindergartenleiterin Bettina Calliari und die Zwergal. © Denk

Seit gut drei Jahren gibt es den Naturkindergarten „Achgrom Zwergal“ im Habacher Ortsteil Jaudenmühle. Für die drei- bis sechsjährigen Kinder ist die Natur das schönste Spielzeug und der Wald der tollste Spielplatz.

Jeden Kindergartentag radeln Sabine Bertl und ihr dreijähriger Sohn Maximilian von Sindelsdorf zur Jaudenmühle. Der einjährige Linus ist im Anhänger dabei. So auch an diesem kühlen, nebeligen Tag im Oktober. Maximilian stellt sein Radl ab und läuft freudestrahlend zu Bettina Calliari, der Leiterin des Kindergartens. Sabine Bertl und ihr Mann sind glücklich, dass sie hier einen Platz für ihren Sohn bekommen haben. „Unsere Kinder sind Draußen-Kinder, sie brauchen ganz viel Zeit im Freien für ihren Ausgleich“. Es sei so eine Freude zu sehen, wie gut es ihrem Sohn hier gehe, sagt die Kindergartenmutter. Diese intensive Zeit, in der Maximilian sein Naturell ausleben darf, sei vor dem Schuleintritt ein großer Glücksfall.

Bemerkenswerter Fachkraftschlüssel

Derzeit besuchen acht Habacher Kinder die Einrichtung, die übrigen kommen aus umliegenden Orten, ein Kind sogar von Bad Tölz. Mit drei ausgebildeten Erzieherinnen ist der Fachkraftschlüssel bemerkenswert. Zudem helfen ein Praktikant und drei Ergänzungskräfte an einzelnen Wochentagen, damit noch mehr Zeit für pädagogische Arbeit bleibt. Das pädagogische Konzept beinhalte viel mehr als nur „draußen sein“ erklären Julia Freisl und Vera Bierling, die Vorsitzenden des Vereins. „Jeder ist richtig, so wie er ist. Jedes Kind ist Teil einer Gemeinschaft, ohne seine Individualität aufzugeben“, beschreiben die beiden Frauen ihr „Herzensprojekt“. „Die Kinder sollen erfahren, dass sie selbst Gestalter ihres Alltags und Lebens sein können“, ergänzt Familientherapeutin Calliari.

Bürgermeister ist voller Stolz

Durch staatliche Förderung werden 95 Prozent der Kosten abgedeckt. Der monatliche Beitrag beläuft sich tatsächlich nur auf 25 Euro pro Kind. „Wir wollen, dass sich jede Familie unseren Kindergarten leisten kann“, erklärt Freisl. Die 20 Stunden Elternarbeit pro Jahr tragen zur Kostenreduzierung bei. Der von der Gemeinde Habach gewährte Defizitausgleich von 10 000 Euro konnte letztes Jahr auf rund 6000 Euro gesenkt werden; die Prognose für dieses Jahr deutet auf eine weitere Reduzierung hin. Aber nicht nur deswegen ist Bürgermeister Michael Strobl stolz auf den Naturkindergarten. „Es ist bewundernswert, was die leisten“, so der Rathauschef.

Die anfängliche Skepsis aus der Bevölkerung ist mittlerweile zu Begeisterung geworden. Der Mütterverein Habach bedankte sich nach der Weihnachtsfeier im Kindergarten: „Wir sind verzaubert“. Drei Kinder der „Achgrom Zwergal“ besuchen mittlerweile die Grundschule. Bierling erzählt schmunzelnd, dass diese nicht „wie Tarzan durchs Klassenzimmer turnen und kein wilder Haufen“ seien, wie von manchen vorausgesagt worden war. „Wir sind im Dorfleben angekommen“, so das Fazit von Freisl und Bierling.

Schönster Kindergarten der Welt

Heute schneiden die Kinder Kartoffelwürfel. Im Frühjahr haben sie die Kartoffeln gesetzt und vor zwei Wochen geerntet. Es gibt Räubersuppe, die am Lagerfeuer gekocht und im Geo-Dom gemeinsam gegessen wird. Danach wollen  die Entdecker und Abenteurer auf den Drachenplatz, einen sonnenbeschienenen  Hang, um die Wärme zu genießen. „Wir haben das Gefühl, wir haben den schönsten Kindergarten der Welt.“ verabschiedet sich Bettina Calliari.