Aufwertung der Stadtmauer in Schongau: Stadtrat für abgespeckte Variante

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Auf Basis eines Realisierungswettbewerbs wurden bereits die Bausteine „Münzgebäude bzw. An der Fronveste“ sowie „Sonnengraben mit Himmelsleiter“ nach dem Siegerentwurf umgesetzt. Beim nächsten Projektbaustein muss aber wohl abgespeckt werden. © lohrer.hochrein

Die Sanierung, der Ausbau und die städtebauliche Aufwertung des Stadtwalls beschäftigen die Stadt auch weiterhin. Doch wann werden wieder die finanziellen Mittel vorhanden sein, um die Pläne in die Tat umzusetzen? Und wie viel „Nice to have“ will man sich leisten? Darum ging es am Dienstag vergangener Woche im Stadtrat.

Schongau – Auf Basis eines 2018 durchgeführten Realisierungswettbewerbs wurden bereits die Bausteine „Münzgebäude bzw. An der Fronveste“ sowie „Sonnengraben mit Himmelsleiter“ nach dem Siegerentwurf des Büros für Landschaftsarchitektur Lohrer-Hochrein umgesetzt. Der nächste Projektbaustein wären nun die Stadtmauer- und Wegebeleuchtung mit Sanierung des Stadtmauerrundwegs.

Stadtmauersanierung Schongau: Kosten, Pläne und Finanzierung

Ursula Hochrein stellte die Vorplanung nochmals im Stadtrat vor. Derzufolge soll der gesamte Fußweg um die Stadtmauer ausgebaut und saniert werden. Entlang des Weges sind unter anderem Sitzkörbe und Bänke geplant, Aufenthaltsbereiche und kleine Spielpunkte. Für einzelne Bereiche wie den Abschnitt oberhalb der Köhler Villa, das Bahnhofstor, das Lechtor, das Frauentor, das Wassertriebhaus, das Maxtor und das Münztor liegen vertiefte Gestaltungsüberlegungen vor – von neuen Aufenthaltsbereichen bis hin zu Fotopoints. Für den Kasselturm beispielsweise war von einem Hochbeet, Sitzkörben und einem Boulespiel die Rede.

Die lichttechnische Vorplanung von Day & Light habe ein gesteigertes Sicherheitsempfinden zum Ziel, so Hochrein, sowie eine sanfte Inszenierung. Es handle sich um einen sehr behutsamen Vorschlag. Die Anlage soll umwelt- und insektenfreundlich sowie energieeffizient sein.

Die Kostenschätzung beziffert die Landschaftsbauarbeiten auf 2.481.740 Euro, die Lichtplanung auf 211.394 Euro. Daraus ergeben sich Baukosten von 2.693.134 Euro. Hinzu kommen Nebenkosten in Höhe von 20 Prozent der Baukosten, also 538.627 Euro, sodass sich Gesamtkosten von 3.231.761 Euro brutto ergeben. Nicht enthalten sind die Sanierung historischer Stützwände am Lechberg und Frauentor, mögliche Schadstoffbelastungen sowie etwaige stabilisierende Maßnahmen im Baugrund.

Aufwertung der Stadtmauer in Schongau: Aussicht auf hohe Förderung

Die Umsetzung könne je nach finanzieller Leistungsfähigkeit in zwei bis Bauabschnitten erfolgen, stellte Stadtbaumeister Sebastian Dietrich in Aussicht. Außerdem hoffe die Stadt nach einem Abstimmungsgespräch mit der Regierung von Oberbayern auf eine Förderung im Rahmen der Städtebauförderung in Höhe von 60 oder 80 Prozent. Nach Möglichkeit sei ein Baubeginn ab 2027 geplant.

Ihr gefalle das alles ja durchaus, meldete sich Kornelia Funke (CSU). Doch es stelle sich die Frage nach der Finanzierbarkeit. Es gehe doch zunächst einmal nur um die Planung, die Umsetzung stehe auf einem anderen Blatt, entgegnete Bürgermeister Falk Sluyterman. In Zeiten klammer Kassen gelte es zu „planen, planen und planen“, um dann bei der Aussicht auf staatliche Förderung parat zu sein. „Dann sind diese Planungskosten gut investiert.“

Stephan Hild (UWV) überzeugte das nicht. Absehbar sei, dass auch ein kleiner zu stemmender Anteil die Stadt gerade finanziell überfordere. Vieles in der Planung sei „nice to have“, aber nicht darstellbar. Gregor Schuppe (ALS) sah das genauso. „Auch eine Förderung muss man sich leisten können.“ Er forderte eine Abkehr vom „extrem hochwertigen Bauen“ hin zu mehr Zweckmäßigkeit.

Markus Keller (Grüne) gab zu bedenken, dass neue Wege, Spielgeräte und so weiter auch gepflegt werden müssen. „Wenn keiner danach schaut, sieht das schnell auch nicht mehr schön aus.“

Eingriffe an der Vegetation zugunsten möglicher Sichtachsen lehne sie ab, sagte Bettina Buresch (Grüne). Eine hohe Priorität sah sie bei der Beleuchtung. Der Rest könne später gemacht werden. Sinnvoll sei das aber nicht, entgegnete Dietrich. Denn in diesem Fall müsste stellenweise mehrfach aufgerissen werden.

Ohnehin sei an vielen Stellen etwas zu tun, hatte Hochrein schon eingangs erklärt. Man bewege sich da im Bereich der Verkehrssicherungspflicht, stimmte der Stadtbaumeister zu. „Das wäre dann ungefördert, aber genauso teuer.“ Die Planung sehe vor in Dinge zu investieren, „die wir eh sanieren müssen“. Sie koste schätzungsweise um die 50.000 bis 60.000 Euro.

„Nice to have“ für die Stadtmauer? Was kann sich Schongau leisten?

„Notwendiges können wir gerne planen, aber auch die Planung sollte reduziert werden“, fasste Hild zusammen. Das stieß im Gremium auf Zustimmung, sodass der Vorschlag zum Beschluss ergänzt wurde. Der Stadtrat billigte einstimmig die Vorplanung für die Sanierung, den Ausbau und die städtebauliche Aufwertung des Stadtwalls mit der zugehörigen Kostenschätzung. Festgehalten wurde aber auch: „Die Planung soll jedoch im Rahmen der Entwurfsplanung so modifiziert werden, dass schwerpunktmäßig Maßnahmen der Verkehrssicherungspflicht unter gleichzeitiger Beibehaltung einer grundsätzlichen städtebaulichen Aufwertung des Stadtwalls Gegenstand der Planung sind, um die Förderbedingungen der Städtebauförderung erfüllen zu können.“

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