Geschäft in Oberbayern schließt nach 50 Jahren: Fans von Kultserie bangen um Museum
Das Glashaus Seidl in Bad Tölz feierte heuer ein Jubiläum. Nun schließen es die Betreiber – und damit auch ihr privates Museum zu einer beliebten Serie.
Bad Tölz – Das „Glashaus Seidl“ am Kapellengasteig in Bad Tölz ist eine wahre Institution in der Tölzer Geschäftswelt. Und mit dem dortigen „Bulle von Tölz“-Museum ist es zudem eine Anlaufstation für alle Fans der TV-Serie mit Ottfried Fischer. Doch beides steht nun vor dem Aus. Nach dem 50. Geburtstag, den das traditionsreiche Geschäft heuer feierte, schließt es Ende des Jahres seine Türen.
Glashaus Seidl um „Bulle von Tölz“-Museum vor dem Aus
Sie gehe in Teilzeitruhestand, erklärt Johanna Seidl. Ihr Mann Peter, mit dem sie das Geschäft betreibt, ist bereits im Ruhestand. Sie selbst möchte nun auch etwas kürzer treten. Am 1. Januar 1975 sei das Geschäft eröffnet worden, berichtet sie. „Damals gab es nur im ersten Stock, wo jetzt das Museum ist, eine Glasstube.“ Ein paar Jahre später wurde es erweitert auf die jetzigen Räumlichkeiten.
In den 1990er-Jahren übernahmen Johanna Seidl und ihr Mann, ein gelernter Feinwerkmechaniker und Goldschmied, das Geschäft. Gemeinsam hätten sie über all die Jahre viel Fachwissen über Glas erworben. „Wir haben das mehr als 30 Jahre lang intensiv betrieben.“ Die international bekanntesten Marken hätten sie im Ausstellungsraum gehabt. „Wir hatten alle Firmen da.“ Auch Meissner-Porzellan wurde 15 Jahre lang angeboten.
Bad Tölz: Familie Seidl behält ihren „Edelsteinhimmel“
Doch die Zeiten haben sich geändert. „Schade, dass man inzwischen auf dem Land weniger Wert auf solche schönen Dinge legt“, sagt Seidl. Früher habe der schön gedeckte Tisch noch etwas gegolten. Doch das falle immer mehr weg. „Die Leute sind weniger bereit, etwas dafür zu tun“, hat sie festgestellt. Handgemachtes finden die Menschen zwar toll, „aber Geld dafür möchte man keines mehr ausgeben“. Es habe sich auch niemand gefunden, der das Geschäft übernehmen hätte wollen. Das Glasmacher-Handwerk sterbe immer mehr aus, bedauert sie. Doch sie gibt die Hoffnung nicht auf: „Vielleicht kommt das ja irgendwann wieder.“
Ganz verschwinden werden die Seidls aber nicht aus dem Tölzer Geschäftsleben. Bestehen bleibt ihr „Edelsteinhimmel – Topas“ an der Marktstraße 56. Dort gibt es verschiedene Mineralien, Edelsteine und Heilsteine im Angebot. „Aber wir nehmen nichts vom einen ins andere Geschäft mit, es wird alles ausverkauft“, sagt Johanna Seidl. Die Kunden finden aber weiterhin eine Werkstatt vor, in der man Gravuren machen lassen oder Batterien wechseln lassen kann.
„Bulle von Tölz“-Museum wurde 2014 eröffnet
2014 eröffneten Seidls im ersten Stock das von ihnen privat geführte „Bulle von Tölz“-Museum. Peter Seidl ist bekennender Fan der Serie. Für das Museum hatte er Requisiten und Filmobjekte zusammengetragen, sogar die Außenfassade der „Pension Resi“ nachgebaut. Kreativer Kopf dahinter ist Peter Syr, Ausstellungsmacher und Kulturdesigner.
Antrieb sei es gewesen, die Geschichte der Filme den Fans und Touristen näher zu bringen, sagte Seidl beim 25-jährigen Jahrestag der Kultserie. „Das Museum wurde immer sehr gut angenommen“, sagt Johanna Seidl. Die größten Fans von Benno Berghammer kommen ihr zufolge aus Österreich, der Schweiz und Tschechien – dort heißt der Kommissar übrigens „Big Ben“.
Gibt es noch eine Chance für das „Bullen“-Museum?
Dass das Museum mit der Geschäftsschließung zu verschwinden droht, empfindet Peter Syr als „extrem schade“. Er würde gerne einen Weg finden, das Museum zumindest in Teilen für die Stadt zu erhalten. „Es müsste sich aber ein neuer Platz und ein Betreiber finden“, sagt er. Syr selbst stehe dafür nicht zur Verfügung. Er lebt in Haag und große Teile des Jahres in Schweden. „Ich würde aber, wenn sich jemand findet, gerne dabei unterstützen das Ganze neu aufzubauen“, sagt er. Die überregionale Strahlkraft der Sat.1-Serie sei bis heute nicht zu unterschätzen. „Es wurde damit ein neues und bis heute beliebtes Genre erfunden: Der Heimatkrimi“, unterstreicht Syr. „Das Museum funktioniert an keinem anderen Platz als Bad Tölz.“
Auch bei der Stadt sei Syr mit der Bitte um Erhalt des Museums vorstellig geworden, „ohne Erfolg“. Auf Nachfrage erklärt Bürgermeister Ingo Mehner: „Sicherlich beleuchtet das Museum einen Teil der Tölzer Stadtgeschichte, der für überregionale Bekanntheit gesorgt hat. Wenngleich wir unsere Stadtmarke inzwischen weiterentwickelt haben, so ist unbestritten, dass noch heute viele Menschen den Namen der Stadt mit der Fernsehserie verbinden.“ Aktuell sei es aber „zu früh zu entscheiden, ob sich die Stadt engagiert und wenn ja, in welchem Ausmaß“.
Zukunft des Mauthäusls noch unklar
Johanna Seidl sagt zu Syrs Rettungswunsch: „Natürlich würden wir uns freuen, wenn sich jemand findet, der das in anderen Räumen fortführt. Bisher haben wir bei der Suche keinen Erfolg gehabt.“ Sollte jemand Interesse haben, könne er sich gerne melden.
Was aus dem markanten Mauthäusl am Kapellengasteig nach dem Auszug des Geschäfts und des Museums wird, weiß Seidl nicht. Ihr zufolge sind aber in den oberen Stockwerken Wohnungen geplant.