Richard Reischl tritt als unabhängiger Bürgermeister-Kandidat an – 137 Hebertshauser geben ihm ihre Stimme

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Beweggründe und Inhalte erläuterte Bürgermeister Richard Reischl, der wieder zur Wahl antritt. © ps

Bei der Aufstellungsversammlung in Hebertshausen erhielt Richard Reischl breite Unterstützung für seine Kandidatur. Der amtierende Bürgermeister setzt auf Bürgernähe.

Hebertshausen – Jetzt ist es offiziell: Richard Reischl wird bei der Kommunalwahl 2026 als unabhängiger Kandidat fürs Bürgermeisteramt antreten. Nominiert haben den 49-Jährigen, der bereits seit 2014 der Gemeinde als Rathauschef vorsteht, 137 Hebertshauser, die am Freitagabend bei einer Aufstellungsversammlung im Sportheim mit Ja gestimmt haben.

Das Interesse an der Veranstaltung war enorm, weit vor Beginn bildete sich eine Menschenschlange vor dem Eingang, zusätzliche Stühle mussten herangeschafft werden. Vor der Abstimmung erklärte Reischl in einer ausführlichen Rede, warum er im Frühjahr aus der CSU ausgetreten, zunächst seinen Rückzug angekündigt, sich dann aber im Sommer für eine erneute Kandidatur als unabhängiger Bewerber entschieden hat. Den Zuhörern im brechend vollen Sportheim legte er eine Bilanz seiner bisherigen Amtszeit vor und blickte in die Zukunft. „Wohnen, Finanzen, Gewerbe, Bildung und Kinderbetreuung – das sind meine fünf Schwerpunkte“. Als Bewerber, „der seit zwölf Jahren diesen Job kennt und wirklich saugerne Bürgermeister ist“ wolle er sich weiterhin für die Gemeinde einsetzen. Dabei nicht „Everybody´s Darling“ sein, immer auf Menschlichkeit und Gemeinsamkeit setzen. Seine Wahlkampagne stellte er unter das Motto: „Leben, wofür man steht.“

Nachdem Richard Reischl unabhängig von einer politischen Partei antreten will, braucht es ein genau geregeltes Verfahren: Als erste Voraussetzung hatte er kürzlich bereits eine sogenannte nicht-organisierte Wählergruppierung „Einer für alle“ (Efa) gegründet (wir berichteten). Bei der Nominierungsversammlung an Freitagabend, die von Rainer Dütz geleitet wurde, waren dann alle Interessierten willkommen. Und stimmberechtigt unter den Anwesenden alle, die in Hebertshausen wahlberechtigt sind. Hintergrund ist, dass „Einer für Alle“ als nicht-organisierte Wählergruppierung eine lose Vereinigung ist, anders als ein Verein oder ein Partei-Ortsverband keine Satzung und auch keine Mitglieder hat.

152 Stimmberechtigte im vollen Sportheim

Um eine ordnungsgemäße Nominierung zu gewährleisten, trugen sich bereits am Saaleingang alle Teilnehmer in Listen ein, 152 Stimmberechtigte erhielten gleich eine Stimmkarte, 21 Zuhörer nahmen als Gäste teil. Die Abstimmung leitete dann der in Hebertshausen lebende Publizist, Autor und ehemalige Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler. Als Kandidat wurde Reischl dann nicht einfach per Zuruf aus dem Saal vorgeschlagen. Vielmehr meldeten sich fünf Bürger zu Wort, wertschätzende Statements für den Kandidaten trugen Umweltbeauftragter Martin Baars, der langjährige Vereinsfunktionär Leonhard Liegsalz, Peter Barth als Leiter des Asylhelferkreises, Helmut Rez und Behindertenbeauftragte Tanja Patti vor und schlugen jeweils Reischl als Bewerber vor.

Reischl nimmt auch zu Rückzug Stellung

Dann stellte sich Reischl der Versammlung vor und erklärte, „wofür ich antrete“. Mit Blick auf seine Rückzugsankündigung im Frühjahr erklärte er, künftig einiges ändern zu wollen. Aus den Sozialen Medien – „kostet zu viel Kraft und Zeit“ – wolle er sich nach der Wahl zurückziehen, seiner Familie, die auch zur Versammlung gekommen war, wolle er Priorität einräumen und als unabhängiger Bürgermeister „mehr Moderator als Umsetzer“ sein.

Dann skizzierte Reischl wichtige Themen, eine lange Stichwortliste abgeschlossener Projekte konnten die Zuhörer parallel auf einer Leinwand verfolgen. Konkret möchte Reischl in einer dritten Amtszeit die Ansiedlung von Gewerbe voranbringen, einen Beirat aus Gewerbetreibenden einsetzen. Das Thema Wohnen sei ein Schwerpunkt, schon zeitnah werde das Kommunalunternehmen weitere Wohnungen errichten beim Gesundheitszentrum, aber auch im künftigen Baugebiet Am Hofanger wie in der Neuen Holzschleiferei.

Vereine hätten weiterhin große Priorität, „sie sind das Fundament unserer Gesellschaft“. Die Natur gelte es zu bewahren „als Erbe für unsere Kinder“. In Sachen Asyl sei Hebertshausen deutschlandweit ein Vorbild geworden, genau wie auch für „gelebte Inklusion“. Die Kinderbetreuung bleibe wichtig, für den Erhalt der Mittelschule, eventuell gemeinsam mit anderen Gemeinden, will sich Reischl einsetzen. Im Bereich Energie solle die Gemeinde irgendwann autark werden. Als Bürgermeister wolle er auch in Zukunft „immer ansprechbar und erreichbar sein“.

Nun fehlen noch 120 Unterschriften

Dann gaben 144 Anwesende ihren Stimmzettel ab, 137 Mal war ein Ja notiert und Richard Reischl damit offiziell nominiert. Damit der Name Richard Reischl am 8. März tatsächlich auf dem Wahlzettel steht, ist eine weitere Formalie notwendig: 120 Wahlberechtigte müssen per Unterschrift ihre Unterstützung für seine Kandidatur bekunden. Listen dafür werden voraussichtlich ab 9. Dezember im Rathaus ausgelegt. In den Wettstreit um den Chefsessel im Rathaus wird Reischl dann gegen den CSU-Kandidat Jürgen Schreier ziehen. Der Freie Bürgerblock hat keinen eigenen Bewerber nominiert, ob die SPD einen Kandidaten ins Rennen schickt, ist aktuell noch offen.