IG Metall bewertet Nimbus-Übernahme der Hoerbiger Kompressortechnik positiv

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Die Hoerbiger Kompressortechnik GmbH in Schongau ist verkauft. Das wurde jüngst bestätigt. © Hans-Helmut Herold

Nach dem Verkauf der Hoerbiger Kompressortechnik in Schongau übernimmt Nimbus alle 270 Mitarbeitenden – Veränderungen sind angekündigt.

„Bislang hat sich Nimbus als nachhaltiger Investor gezeigt.“ So hatte Karl Musiol, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Oberland, nach Bekanntwerden des Verkaufs der Hoerbiger Kompressortechnik (HKS) reagiert. Er selbst habe Nimbus bis zu diesem Tage nicht gekannt, aber das Rechercheteam der IG Metall-Verwaltungsstelle in Frankfurt war laut Musiol fündig geworden.

Dort, wo der deutsch-niederländische Finanzinvestor bisher in tarifgebundenen Firmen auftrat, sei man weitgehend auf positive Resonanz gestoßen. In Köln etwa habe Nimbus eine Firma der gleichen Branche aus der Insolvenz herausgekauft und mit Geld sowie Fachexpertise über einen Zeitraum von drei Jahren auf Vordermann gebracht – ohne Personalabbau und ohne den Tarifvertrag angefasst zu haben. Nimbus scheine kein Investor zu sein, der auf schnelle Zerschlagung oder rasche Gewinnmaximierung im zweistelligen Bereich aus sei.

Weitere Recherchen zu Nimbus laufen

Weitere Recherchen der Hans-Böckler-Stiftung für andere Branchen würden laufen, „einfach nur, damit wir wissen, worauf wir uns für die HKS einstellen können“, so Musiol. Er bleibe dabei: „Ich bin den Umständen entsprechend optimistisch.“ Denn man müsse den Status von derzeit „keinem Gewinn“ auf „vernünftigen Gewinn“ verbessern, und das werde „nicht ohne Schmerz“ ablaufen können.

Bei der Kompressortechnik in Schongau sind in den vergangenen Jahren bereits 50 Arbeitsplätze ins Ausland verlagert worden. Von dem Verkauf sind nun 270 Mitarbeiter in Schongau betroffen, weitere 30 an Standorten in China und Indien. Alle Mitarbeiter – inklusive Werkleitung – sollen übernommen werden.

„Die allererste Einschätzung der IG Metall macht mir Mut“, sagte Herbert Baumer, Vorsitzender des bisherigen HKS-Betriebsrats und Konzernbetriebsrat bei Hoerbiger, nach Bekanntwerden des Verkaufs. Allerdings ist auch er sicher: „Die Geldgeber von Nimbus erwarten eine Rendite. Deswegen erwarte ich Veränderungen.“ Diese dürften nicht auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen werden, sondern müssten gemeinsam mit der Belegschaft passieren.

„Schere geht immer weiter auf“

Anfangs sei man maßlos enttäuscht gewesen über die Art der Kommunikation bei Hoerbiger. Denn der Betriebsrat sei in den vergangenen Jahren nicht untätig gewesen, habe immer wieder darauf hingewiesen, dass man etwas tun müsse. „Wenn man sich kein Zukunftsgeschäft sucht, wird die Schere irgendwann so weit aufgehen, dass es mit dem Ertrag nicht mehr funktioniert“, umschreibt es Baumer.

Die Bekanntgabe des Käufers Nimbus sei jedoch durchaus gut angekommen, die Belegschaft befinde sich „nicht in einer Schockstarre“, so Baumer. „Die Investoren haben es geschafft, binnen einer Stunde mehr positive Energie in die Belegschaft zu tragen, als unsere eigene Unternehmensleitung in den vergangenen fünf Jahren – da hat sich was bewegt.“

Verlust auch für IG Metall Oberland

Baumer hofft darauf, dass die Mitbestimmung des Betriebsrats respektiert und der Tarifvertrag unangetastet bleibe. „Es ist wichtig, den Verwandlungsprozess gemeinsam zu gestalten – Geschäftsführung und Betriebsrat.“ Das neunköpfige Gremium bleibe bestehen, ein neuer Betriebsrat wird bei den regulären Wahlen im Frühjahr gewählt.

Was Musiol bedauert: Weil die HKS nun nicht mehr Bestandteil des Hoerbiger-Konzerns ist, scheidet Baumer nach einem Jahrzehnt an der Spitze des Konzernbetriebsrats als Vorsitzender aus. Baumer soll im Dezember verabschiedet werden. „Für den Konzernbetriebsrat ist das ein schwerer Verlust“, so Musiol. Der Haustarifvertrag für alle Hoerbiger-GmbHs werde jeweils zentral verhandelt.

Durch ihren hohen Organisationsgrad als Mitglieder der Gewerkschaft hätten die Mitarbeiter der Kompressortechnik bisher für alle anderen Hoerbiger-Gesellschaften „die Kohlen aus dem Feuer geholt“. Auch im Ortsvorstand der IG Metall Oberland geht Baumer verloren und mit ihm Angelika Evers, die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei der Kompressortechnik.