Massiven Protest gab es bei der Bürgerversammlung in Penzberg gegen die Krematorium-Pläne eines Unternehmens. Die Forderung: ein Mindestabstand von 500 Metern zu Schulen, Kitas, Sportanlagen und Wohnbebauung.
Penzberg - Rund 330 Bürgerinnen und Bürger füllten am Dienstag die Penzberger Stadthalle. Mehr waren es in den letzten Jahrzehnten nur, als es im Juli 2009 in einer Bürgerversammlung um die Zukunft des Krankenhauses ging. Der größte Teil war am Dienstag wegen des Wunsches eines Unternehmens gekommen, an der Fischhaberstraße neben dem städtischen Friedhof ein Krematorium zu errichten. Der Stadtrat hatte Ende Oktober diesen Standort mit einer 14:7-Mehrheit als geeignet angesehen.
Der Protest, zu dem Anwohner im Vorfeld aufgerufen hatten, kulminierte am Dienstag in einem Antrag nach Artikel 18 der bayerischen Gemeindeordnung. Stefan Kirner las ihn vor: „Ein Krematorium muss in Penzberg einen Mindestabstand von 500 Meter zu Schulen, Kindereinrichtungen, Sportanlagen und Wohnbebauung einhalten.“ Der Antrag wurde in der Versammlung per Handzeichen mit deutlicher Mehrheit angenommen. Bei der Gegenprobe hoben nur wenige die Hand. Viele verhielten sich neutral. Dies bedeutet aber nicht, dass der Mindestabend nun automatisch gilt, sondern, dass der Stadtrat innerhalb von drei Monaten den Antrag behandeln muss.
Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) war bereits zuvor in seinem Rechenschaftsbericht auf das Krematorium eingegangen. Korpan („Es ist ein emotionales Thema“) versicherte, dass noch nichts entschieden sei. Dies werde auch in den nächsten Wochen nicht geschehen. Es sei alles offen. Man habe auch immer gesagt, dass die Bevölkerung informiert wird. Zum Vorgehen erklärte er, dies sei der „einzig richtige Weg“.
Korpan: Noch nichts entschieden
Korpan berichtete, dass es im ersten Quartal 2025 die Anfrage eines Betreibers gegeben habe. Die Firma habe sich zunächst in größerer Runde in der Stadtverwaltung vorgestellt, danach habe man mit dem Landratsamt gesprochen, das zu einem „Sondergebiet Friedhof“ oder alternativ zu einem Standort in einem Gewerbegebiet riet. Die Firma habe sich dann im September in nicht öffentlicher Stadtratssitzung vorgestellt. Ende Oktober beriet der Stadtrat schließlich öffentlich über die Standort-Frage. Die Stadtverwaltung, so Korpan, sei nun vom Stadtrat beauftragt, mit der Firma Gespräche zu führen.
In der Bürgerversammlung meldeten sich mehrere Gegner zu Wort. Walter Kraus warnte vor den Stoffen, die einem Krematorium entweichen und sich bei Westwind über Teile der Stadt verteilen. Es werde ihm schlecht, wenn er sehe, was auf Penzberg zukommt, sagte er 86-Jährige. Wolfgang Moser fragte, wieso Bürgermeister und Stadtrat dem Unternehmen nicht sofort gesagt haben, dass ein Standort im Stadtgebiet nicht infrage kommt. „Wieso tun Sie sich das an?“. Moser verwies auf Kolbermoor, wo ein Krematorium 2019 in einem Bürgerentscheid abgelehnt wurde. Der Bürgermeister habe dort gesagt, wenn er gewusst hätte, was auf ihn zukommt, hätte er die Sache nie ins Gespräch gebracht.
Höhere Grenzwerte als bei Müllverbrennung
Franz Wenzel führte die 27. Bundesimmissionsschutzverordnung ins Feld. Die Grenzwerte für Krematorien seien doppelt so hoch wie bei Müllverbrennungsanlagen, sagte er. „Das klingt seltsam, ist aber so.“ Tatsächlich sind sie für Gesamtstaub und organische Stoffe doppelt so hoch und für Kohlenmonoxid gleich. Für viele andere Stoffe sieht die Verordnung bei Krematorien keine Grenzwerte vor. Tilly Fleckenstein, promovierte Biotechnologin, warnte mit Hinweis auf ein Papier der TU Dresden vor Feinstaub und Quecksilber, für die es bei Krematorien keine Grenzwerte gebe, und fragte, wieso es nicht ins Gewerbegebiet komme. Sie unterstellte dem Geretsrieder Stadtrat Felix Leipold, der in Zusammenhang mit den Plänen genannt wird, das Krematorium nicht in Geretsried bauen zu wollen, weil er dort Bürgermeister werden will. Was nicht stimmt: Kandidat der Freien Wähler ist jemand anderes.
Verwundert zeigte sich ein Unternehmer. Es gebe eine lange Liste kleiner Betriebe, die Gewerbegrund suchen, auch sie selbst bräuchten dringend Flächen, sagte er. Nun komme eine Firma von außen und plötzlich werde ein Grundstück aus dem Hut gezaubert. Was Bürgermeister Korpan damit beantwortete, dass es sich in Friedhofsnachbarschaft nicht um Gewerbegrund handle und es um ein „Sondergebiet“ gehe.
Krematorium-Info am 4. Dezember
Die potenziellen Betreiber eines Krematoriums in Penzberg – als Namen nennen sie „Die Feuerbestattungen Oberland“ – laden für Donnerstag, 4. Dezember, zu einer „Informations- und Dialogversanstaltung“ in die Penzberger Stadthalle ein. Beginn ist um 19 Uhr. Das Thema, schreiben sie, werfe verständlicherweise viele Fragen auf und berühre unterschiedliche Interessen und Perspektiven. Es sei ihnen ein großes Anliegen, „frühzeitig offen und umfassend zu informieren“. Sorgen und Anregungen, heißt es weiter, sollen in den weiteren Prozess einfließen.
Die Betreiber kündigen an, dass bei der Veranstaltung auch Vertreter der Stadtverwaltung sowie Fachleute aus der Feuerbestattungsbranche vor Ort sein werden, um Fragen zu beantworten und auf Anregungen einzugehen. Bei der Penzberger Bürgerversammlung am Dienstag forderte ein Kritiker, dass auch ein unabhängiger Experte dabei sein soll, was seitens der Stadt (sie ist nicht Veranstalter) als sinnvoll erachtet wurde.
Den Vorwurf der Luftverschmutzung weisen die Betreiber zurück. Man unterliege den Vorgaben der 27. Bundesimmissionsschutzverordnung. Aus dem Schornstein, schreiben sie, entweiche „hauptsächlich Wasserdampf und erhitzte, gereinigte Luft“. Viele private Kaminöfen, heißt es weiter, würden ein Vielfaches an Feinstaub und Schadstoffen erzeugen.