Die Dritte Bürgermeisterin der Stadt Wolfratshausen, Annette Heinloth (Grüne), kandidiert nicht mehr für den Stadtrat. Politisch komplett zurück zieht sie sich aber nicht.
Wolfratshausen – Durch ein Wechselbad der Gefühle gingen am 15. März 2020 zwei Herausforderer von Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung). Der war am Wahlabend gegen 18.20 Uhr bereits mit Blick auf die Stichwahl 14 Tage später gesetzt, Manfred Menke (SPD) und Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) waren abgeschlagen – und auch CSU-Kandidat Günther Eibl sah seine Felle davonschwimmen. Denn auf Platz zwei hatte sich Annette Heinloth (Grüne) geschoben.
Gut eine Stunde später lagen die Ergebnisse aus allen Wahlbezirken vor, das Blatt hatte sich wieder gewendet. Eibl konnte jubeln, Heinloth fehlten 36 Stimmen zur Stichwahl – der Heilinglechner gewann. Jetzt, knapp sechs Jahre später, hat die Diplom-Psychologin entschieden, bei den Kommunalwahlen am 8. März nicht mehr anzutreten. Nicht als Bürgermeisterkandidatin, nicht als Bewerberin für den Stadtrat.
„Ich bin weder ausgebrannt noch frustriert“, betont die Dritte Bürgermeisterin im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie arbeitet als Geschäftsführerin einer großen sozialen Einrichtung in der Landeshauptstadt München und musste sich eingestehen, dass ihr berufliches Engagement kaum mehr Zeit fürs politische Wirken lässt. „Ich bin mit Herz und Seele Kommunalpolitikerin“, sagt Heinloth. Die Möglichkeit, mitgestalten zu können, bereite ihr „große Freude“. Doch nach langem Pro und Kontra sei der Entschluss gereift, das politische Parkett in der Loisachstadt zu verlassen. Um Missverständnissen vorzubeugen stellt sie fest: Die Entscheidung habe sie „völlig unabhängig“ von der Bürgermeisterkandidatur ihres Lebensgefährten René Beysel getroffen.
Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.
2012 rückte die heute 57-Jährige für Grünen-Vertreterin Barbara Kerschbaumer in den Stadtrat nach. 2014 bestätigten die Wählerinnen und Wähler ihr Mandat, vier Jahre war Heinloth Fraktionsvorsitzende, seit der Kommunalwahl 2020 ist sie Dritte Bürgermeisterin. Ihre Aufgaben und Pflichten als Stadträtin und Vertreterin von Rathauschef Heilinglechner nimmt sie ernst, stellt hohe Ansprüche an sich selbst. Sie verfügt über reichlich Fachwissen, ist stets gut präpariert und äußert sich im Gremium mit klaren Worten.
Zehn Wochenstunden für Kommunalpolitik sind nicht mehr drin
Dass Frauen in der Politik von Wolfratshausen bis Berlin unterrepräsentiert sind, war Heinloth stets ein Dorn im Auge. Nun zieht auch sie sich zurück: „Ja, dieser Punkt beschäftigt mich natürlich.“ Doch Woche für Woche „mindestens zehn Stunden“ in die Kommunalpolitik investieren – „das geht einfach nicht mehr“. Im selben Atemzug appelliert sie an ihre Geschlechtsgenossinnen, sich „nicht abschrecken zu lassen“, sondern sich „unbedingt“ einzubringen.
Komplett kehrt die Wolfratshauserin der Politik nicht den Rücken. Vorbehaltlich dem Votum ihrer Parteifreundinnen und -freunde – die Aufstellungsversammlung findet am 26. November in Geretsried statt – kandidiert sie für den Kreistag. „Ich kann die Kommunalpolitik nicht gänzlich aufgeben“, der zeitliche Aufwand als Kreisrätin bewege sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten.
Eines steht fest: Der nächste Wahlabend wird für Annette deutlich entspannter als der vor sechs Jahren. (cce)