Erde in Bewegung: Forscher entdecken unerwartete Aktivität im Suez-Graben

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Was Wissenschaftler im Suez-Graben entdeckt haben, widerspricht geologischen Lehrbüchern. Die Erdkruste dort dehnt sich weiter aus – mit ungeahnten Folgen.

London – Eine bahnbrechende wissenschaftliche Entdeckung stellt etablierte geologische Konzepte auf den Prüfstand. Der Suez-Graben, eine markante geologische Formation in Ägypten, zeigt entgegen bisheriger Annahmen deutliche Anzeichen von Aktivität. Lange als inaktiv eingestuft, offenbart die Formation nun überraschende Dynamik.

Der Golf von Suez ist ein Teil des Suez-Graben. Der wird immer noch aktiv auseinandergezogen, zeigt eine neue Studie. (Archivbild)
Der Golf von Suez ist ein Teil des Suez-Graben. Der wird immer noch aktiv auseinandergezogen, zeigt eine neue Studie. (Archivbild) © IMAGO/GRANGER Historical Picture Archive

Wissenschaftler unter der Leitung von David Fernández-Blanco vom Institut für Tiefseeforschung in China und dem Imperial College London haben nachgewiesen, dass sich der Suez-Graben kontinuierlich weiter ausdehnt. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Geophysical Research Letters publiziert.

Suez-Graben in Ägypten ist nicht so inaktiv, wie lange gedacht

„Geowissenschaftler haben den Suez-Graben in Ägypten lange Zeit als inaktiven Kontinentalgraben betrachtet, als eine mit Sedimenten gefüllte Spalte in der Erdkruste. Durch die Analyse der Form des Grabens und der ihn durchquerenden Flüsse sowie der Lage und Höhe alter Korallenriffe über dem Meeresspiegel haben wir festgestellt, dass der Suez-Graben nach wie vor aktiv auseinandergezogen wird“, heißt es in der Studie.

Den Suez-Graben darf man nicht verwechseln mit dem bekannteren Suez-Kanal. Während letzterer eine von Menschen geschaffene Wasserstraße darstellt, die das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet, handelt es sich beim Suez-Graben um eine natürliche geologische Struktur in derselben Region. Diese erstreckt sich über 300 Kilometer Länge und 80 Kilometer Breite und entstand durch tektonische Prozesse vor Millionen Jahren.

Grundprinzip der Geologie auf den Kopf gestellt

Das Forschungsteam setzte auf einen multimethodischen Ansatz, um die anhaltende Aktivität nachzuweisen: Digitale Höhenmodelle enthüllten Verwerfungen in jüngeren Gesteinsschichten, über dem Meeresspiegel befindliche alte Korallenriffe dienten als Indikatoren und kartierte Flussläufe zeigten ungewöhnliche Gefällemuster, die auf tektonische Bewegungen hindeuten. Die Messungen ergaben, dass sich der Graben mit 0,26 bis 0,55 Millimetern jährlich ausdehnt. Diese Rate liegt zwar unter früheren Werten, entspricht jedoch der Aktivität anderer moderat aktiver Dehnungsgebiete wie dem Basin and Range in den USA.

Die Entdeckung fordert ein Grundprinzip der Geologie heraus. Die bisherige Lehrmeinung besagte, dass kontinentale Grabenbrüche entweder aktiv bleiben oder inaktiv werden. Der Suez-Graben demonstriert jedoch einen dritten Entwicklungspfad: Nach einer Änderung der Plattenbewegungen vor Millionen Jahren hat er seine Aktivität lediglich reduziert, nicht jedoch eingestellt. „Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, vermeintlich inaktive Risse weltweit neu zu bewerten und zu untersuchen, ob eine Verlangsamung ohne Versagen ein gängiger Evolutionsweg bei intrakontinentalen Rissen ist“, schreiben die Autoren der Studie.

Für das Gebiet um den Golf von Suez hat diese Erkenntnis weitreichende Konsequenzen. Die fortdauernde tektonische Aktivität wird die Landschaftsentwicklung langfristig beeinflussen und könnte erhebliche Auswirkungen auf die Bewertung von Erdbebenrisiken in der Region haben. Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass die Evolution kontinentaler Grabenbrüche komplexer verläuft als bisher angenommen. (Quelle: Studie) (tab)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wissen/erde-in-bewegung-forscher-entdecken-unerwartete-aktivitaet-im-suez-graben-94045434.html