Um 7 Uhr ging es für Rainer Soppa und Wolfgang Schuster am Ortler Backhäusl los: Sie heizten den Ofen an. In dem Brotbackhaus fand der erste Backtag statt. Es musste aber improvisiert werden.
Puchheim - Es war herbstlich frisch und den Spaziergängern stieg am vergangenen Wochenende beim Feuerwehrhaus in Puchheim-Ort der Duft von frisch gebackenem Brot in die Nase. Der eine oder andere hielt kurz an und genoss diesen Moment. Denn im Puchheimer Brotbackhaus, wie es von der Stadt offiziell genannt wird, wurde zum ersten Mal gebacken.
Messgerät ausgebaut und gestohlen
Die Initiatoren bezeichnen es lieber „Ortler Bachhaisl“. So ist der Bezug zum Ortsteil besser erkennbar – und im Dialekt klingt alles gleich etwas liebevoller und gemütlicher. Rainer Soppa und Wolfgang Schuster, die am Premierentag ihren ehrenamtlichen Dienst taten, genossen es, dass sie mehr Glück hatten als an den Tagen des Aufbaus. „Da haben wir immer Regentage erwischt“, erzählte Soppa.
Auch deshalb ließen beide keine Hektik zu – weder beim Anheizen um 7 Uhr noch später beim eigentlichen Backen. Dabei mussten sie nach Gefühl vorgehen. Denn das eigentlich eingebaute Messgerät ist ausgebaut und gestohlen worden.
Dies geschah zwar schon kurz vor der Einweihung Ende Oktober, doch die Beschaffung dauert ein wenig. Die Kosten von etwas über 400 Euro will der Kulturverein übernehmen.
Am ersten Backtag behalfen sich Soppa und Schuster mit einem provisorischen Messgerät. Beide nahmen das gelassen hin: „Ganz früher musste das auch nach Gefühl und Erfahrung gehen“, sagte Schuster. Das Duo wusste ebenfalls, dass es mit Fichtenholz heizen musste. Dieses wird schnell heiß, ganze 400 Grad am Ende.
Außen merkte man davon nichts. Mindestens ebenso wichtig: „Der Ofen muss gut befüllt sein, damit sich die Temperatur möglichst gleichmäßig auf alle Brote verteilt“, erklärte Soppa den 16 Bürgern, die sich mit ihren Teigen angemeldet hatten.
Ratschen beim Warten
Beppo Winter war einer davon. Seit 15 Jahren backt er selber Brot. „Weil es besser schmeckt und ich dann weiß, was drin ist“, berichtete er. Der Ortler freute sich deshalb darüber, dass das öffentliche Brotbacken ein regelmäßiges Angebot werden soll. Geplant ist es alle zwei Wochen am Samstag, im Wechsel mit den Öffnungszeiten des nahen Wertstoffhofes. „Es muss halt einer um sieben Uhr zum Einheizen da sein“, wies Soppa vorsorglich auf die wichtigste Voraussetzung hin.
Bei den meisten Liebhabern von frisch gebackenem Brot käme die Idee gut an. Denn mit dem Warten auf die ofenfrische Ware entwickelt sich ein kleiner Treffpunkt, eine Art gemütliches Zusammensein eine Stunde lang. So lange dauert es nämlich von der Anlieferung des Teiges bis zur Fertigstellung.
Gespannt waren Soppa und Schuster ebenso, wie sich die Teige in den unterschiedlichen Gefäßen entwickeln. Soppa: „Am besten ist es, wenn wir den Teig offen hineinschieben können.“
Am Ende waren alle mit dem Ergebnis zufrieden – auch Winter. „Ich bin gespannt, wie es schmeckt“, sagte er ein paar Minuten, bevor das Brot aus dem Ofen kam. Seines und das seiner Frau hatte er mit einem Stempel gekennzeichnet, ähnlich einem Brandzeichen. „Eine Spielerei“, verriet Winter mit einem Schmunzeln.
Einen Teil davon sollte es bei ihm gleich zum Abendbrot geben. Den Rest werde er einfrieren, erzählte Winter. „Wir kommen wieder.“
Nächster Backtag am 6. Dezember
Das Gemeinschaftsbackhaus ist übrigens durch das erste Puchheimer Bürgerbudget finanziert worden. Für die Umsetzung hatten die Ideengeber, wie berichtet, 15 000 Euro von der Stadt erhalten.
Zum nächsten Mal Brot gebacken wird in der Alten Bahnhofstraße (nahe Feuerwehr Puchheim-Ort) am 6. Dezember. Bis spätestens drei Tage vorher wird um Anmeldung gebeten. Entweder über den QR-Code am Backhaus, per E-Mail an ortlerbachhaisl@gmail.com oder telefonisch unter (0 81 42)4 48 76 68 (Anrufbeantworter).
Im nächsten Jahr soll es auch einen Back- und Pizzakurs geben.