Während die Pro-Kopf-Verschuldung in Bayern aktuell 1.564 Euro beträgt, ist die Gemeinde Greifenberg dank ihrer hohen Steuerkraft seit 2008 schuldenfrei. Das konnte Vize-Bürgermeister Hagen Adler in Vertretung der erkrankten Patricia Müller bei der Bürgerversammlung melden.
Greifenberg – Hagen Adler, der nächstes Jahr selbst für das Amt des 1. Bürgermeisters kandidieren wird, konnte viele Mitglieder des Gemeinderats begrüßen. Denn Parteipolitik findet in Greifenberg nicht statt, da alle Kandidaten über Bürgerlisten gewählt wurden wie „L(i)ebenswertes Dorf LWD“, „Gemeinwohl“, „Aktive Gemeinde“, „Beurer Liste“ oder „WG Neugreifenberg“. Gastreferentin war Sandra Meissner, Geschäftsstellenleiterin der Verwaltungsgemeinschaft Schondorf, zu der Greifenberg mit aktuell 2.187 und Eching mit 1.642 Einwohnern gehören.
Bürgerversammlung in Greifenberg: Diskussionen um die ehemaligen Gaststätten
Meissners Jahresrechnung 2024: Der Verwaltungshaushalt schloss mit Einnahmen und Ausgaben bei 9,11 Millionen Euro ab. Wichtigste Einnahmequellen sind die Einkommenssteuer (2,23 Millionen Euro) und die Gewerbesteuer (2,57 Millionen Euro). Als Kreisumlage mussten 2,64 Millionen Euro an den Landkreis abgeführt werden, 665.251 Euro als Umlage an die Verwaltungsgemeinschaft. Der Vermögenshaushalt schloss mit 4,83 Millionen Euro.
Adler lobte die ehrenamtlichen Gemeinderäte, die im letzten Jahr in 18 zum Teil langen Sitzungen 299 Beschlüsse gefasst haben. Adler ersparte den Besuchern den 2024er Rückblick auf die kommunalen Aktivitäten der Gemeinde. Den gab es gedruckt zum Mitnehmen, ebenso wie den Report der Verwaltungsgemeinschaft Schondorf.
Dafür wurde um so eifriger diskutiert – vor allem um die zwei „trockengelegten“ Gaststätten. Denn in Greifenberg gibt es keine Möglichkeit für ein Feierabendbier oder einen Stammtisch. Die Hoffnung auf die Wiederbelebung des ehemaligen Gastronomiegebäudes beim Sommerbad scheint nicht in Erfüllung zu gehen. Wie kürzlich beim Bäderausschuss des Kreistags verlautet, würden Sanierung Ertüchtigung als Gastronomie mit Fremdenzimmern ca. 11,1 Millionen Euro kosten. Bei einer dem Projekt angemessenen jährlichen Pacht von 29.000 Euro rechne sich das nicht. Als Alternativen wurden Abbruch, Hangsicherung und Freianlagengestaltung für 5,3 Millionen Euro sowie eine Erweiterung des Sommerbades mit einem ganzjährigen Saunabetrieb für über 23 Millionen Euro erörtert. Angesichts dieses Kostenszenarios bevorzugte der Kreisschuss schließlich das „Modell Erbpacht“ mit einem Investor.
Greifenberger wünschen sich den Bahnhalt zurück
Bei der Bürgerversammlung wurde beklagt, dass die Gemeinde bei der Zukunft dieses „ortsbildprägenden Objekts am Ortseingang“ nicht gefragt wurde. Vize-Bürgermeister Adler beruhigte, da der Bebauungsplan ohnehin noch nicht rechtskräftig sei. Bauamtsleiterin Sophie Lübbeke bestätigte, dass der Landkreis noch nicht an sie herangetreten sei.
Vorwürfe an das Landratsamt gab es auch bezüglich des ehemaligen „Gasthofs zur Post“, den der Freistaat über den Landkreis gepachtet und ab 2016 als Flüchtlingsunterkunft genutzt hat. Im Februar 2025 wurde die geräumt, da „durch aufgelaufene Schäden der Brandschutz nicht länger sichergestellt“ sei, wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilte. Das schäbige Äußere des Gasthofs an der Hauptstraße sei vielen ein Dorn um Auge, darunter auch Benedikt Freiherr von Perfall vom benachbarten Schloss, der sich diesbezüglich bereits beim Landratsamt beklagt habe.
Auch der Wunsch nach dem Comeback des Bahnhalts in Greifenberg war Thema. Das Stationsgebäude hat die Gemeinde gekauft, nachdem dort seit den 1980ern kein Zug mehr hält. Auch der teils schlechte Zustand der Straße nach Beuern wurde kritisiert, ein Radweg nach Eching gewünscht – ebenso wie die Sanierung des Radweges zwischen Greifenberg und Neugreifenberg.
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