Poseidon angelt im Planschbecken Plastikmüll, Hermes ist Inline-Skater und Eros, sonst dickbäuchiges Knäblein, wird zur Handpuppe. Der Olymp, den die Junge Bühne Landsberg in ihrem neuen Stück „Zeusmania“ auf die Bühne bringt, strotzt vor Fantasie. Und Humor. Auch wenn der Hintergrund des Stückes bierernst ist.
Landsberg - Dass die 16 Schauspielerinnen und Schauspieler der Jungen Bühne Landsberg eine ernste Aussage unter den Humor gesteckt haben, zeigt sich im vollständigen Stücktitel: „Zeusmania – Oder: make the Olymp great again and again and again ...“ Trump ploppt auf, das Thema Macht. „Mir gibt gerade zu denken, wie Machtpositionen ausgenutzt werden“, sagt Rosalie. „Ich kann vieles in der Politik nicht nachvollziehen.“ Lila: „Ich bin extrem davon enttäuscht gewesen, wie viele Menschen in den USA Trump gewählt haben. Dieses ‚America first‘, die Ablehnung der NATO, das ist schlimm. Es geht doch darum, zusammenzuarbeiten, nicht jeder für sich allein.“ Katharina: „Putin hat so viel Macht. Und da habe ich Angst, weil ich einfach nichts tun kann.“ Mia: „Angst habe ich nicht konkret. Aber es wird brenzlig.“
Die Junge Bühne Landsberg zeigt im November ihr neues Stück „Zeusmania“: die Götter im Olymp
Es gehe nicht konkret um Trump oder andere ‚echte‘ Personen – auch wenn sich die „für Persiflagen nahezu aufdrängen“, ergänzt die Leiterin der Jungen Bühne Julia Andres. Das Ensemble will eher abstrakt zeigen, was ihnen in der Welt Sorgen macht: dass die gleichen Fehler immer wieder gemacht werden: again and again and again.
Eigentlich hatten sich Andres und ihr Ensemble aus zwei Schauspielern und 14 Schauspielerinnen im Alter von 13 bis 22 Jahren das Liberation Concert am 30. November als Ausgangspunkt genommen, als sie im Februar das neue Projekt angingen. „Wir wollten ein Stück gegen das Vergessen machen“, war die Devise – die beim Probenwochenende im Uttinger Jugendübernachtungshaus verworfen wurde. „Die Stimmung war extrem gedrückt“, erzählt Andres. „Wir haben uns mit jüdischen Lebensgeschichten auseinandergesetzt, aber hatten das Gefühl, diesem Thema mit einem Stück nicht gerecht werden zu können.“ Deshalb entschloss sich die Gruppe, das Thema abstrakter zu formulieren: „Uns war es wichtig zu zeigen, zu was Macht und Machtmissbrauch führt, wie Menschen mit Unterdrückung umgehen. Oder wie Mitläufertum funktioniert.“ Ein wichtiges Stilmittel: Humor und Satire. Im April war dann auch der Ort der Handlung gefunden: Der Olymp.
„Zeusmania“ – die Handlung
Die Götter auf dem Olymp haben Probleme. Poseidons Meere kippen, Demeter knabbert an der Klimaerwärmung, Ares steht kurz vor dem Burn-out: zu viele Kriege in letzter Zeit. Göttervater Zeus, immer mit Boxhandschuhen unterwegs, sucht den Schuldigen. Und siehe, da, die Mischwesen, halb Tier halb Mensch, bieten sich an. Einfach den ganzen Müll abladen, das ist viel leichter, als Lösungen zu suchen. Wohin das führen kann, ist im Stück zu sehen. Alle Aufführungstermine und weitere Infos unter www.stadttheater-landsberg.de/veranstaltung.
In der griechischen Mythologie ist nicht jeder so zuhause wie Mia: „Ich habe früher Bücher über griechische Mythologie verschlungen.“ Weshalb sie auch bei der Aufführung dem Publikum eine Einweisung in die Götterwelt des Olymps gibt. Dazu kommt ein ausführliches Programmheft, das Emilia gestaltet hat, „in den Freistunden in der Schule“, erzählt sie. Jeder Gott und jede Göttin bekam einen Steckbrief. „Das sind herausfordernde Rollen“, erzählt Hannah. „Europa spricht in zig verschiedenen Sprachen, auch, um die Zerrissenheit in Europa zu zeigen. Apollon nur in Reimen. Und Hestia nahezu Althochdeutsch.“
„Die Junge Bühne Landsberg mit „Zeusmania“ - Termine ab 11. November im Stadttheater
Jedes Ensemblemitglied durfte drei Wunschrollen nennen. „Ich habe dann versucht, das so zu verteilen, dass jeder zufrieden ist“ – was funktioniert hat. Denn auch neben dem Schauspiel sind das Ensemble und andere Mitglieder der inzwischen knapp 50-köpfigen Jungen Bühne extrem engagiert: Bühne und Kostüme entstehen in Handarbeit, aus recycelten Materialien wie den Weizenähren aus dem Hamsterfutter, die Demeters Krone zieren. So eine Krone tragen alle Götter zum ansonsten schlichtweißen Kostüm. Die Materialien dafür: Paketband, Karton, zerquetschte Kaffeeautomatenkapseln, leere Tablettenblister. Küchenutensilien für Hestia, Fichtenzweige, Geweih und Moos für Artemis. Und eine Klobürste als Puschel für Ares‘ Helm.
„Die Stimmung im Team ist klasse. Es ist ein Miteinander, ein tolles Ensemble, jeder ist mit Herzblut bei der Sache“, erzählt Hannah. Das müssen sie auch, denn die Proben brauchen Zeit. An den Wochenenden kann es schonmal von 10 bis 18 Uhr gehen. Und jetzt in den Herbstferien steht das Ensemble jeden Tag auf der Bühne. „Theaterspielen hilft uns, mit der Welt, mit unseren Ängsten umzugehen“, sagt Mia. Man merke, dass man mit seinen Sorgen der Weltpolitik gegenüber nicht alleine sei. „Wir können darüber sprechen. Und es tut gut, das alles ab und zu ins Lächerliche zu ziehen.“ Das Stück biete verschiedene Positionen an, ergänzt Lila. „So werden die Aktionen der anderen auch verständlicher.“
Die Junge Bühne will mit ihrem Stück zum Nachdenken anregen. Eine Lösung für die Probleme der Welt können sie natürlich nicht bieten – weil es die nicht gibt. Aber sie wollen zeigen, dass auch kleine Aktionen helfen können – wie ein Theaterstück zu schreiben und zu spielen.
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