Liudmyla Shevchenko flüchtete 2022 aus der Ukraine und beginnt nun eine Ausbildung zur Pflegefachfrau in Germering.
Germering – Wenn Liudmyla Shevchenko morgens die Tür zur Seniorenresidenz Curanum öffnet, tut sie das mit einem Lächeln. „Ich habe nicht gewusst, dass ich das kann“, sagt sie über ihre Arbeit in der Pflege. „Aber wenn mir jemand Danke sagt, bin ich so froh.“ Die 49-Jährige kam im Oktober 2022 aus der Ukraine nach Germering und hat hier ihr neues Leben aufgebaut.
Anfangs betreute sie sechs Wochen lang eine ältere Dame in ihrem Haus. Über eine Pflegerin aus der ambulanten Pflege, die sie dort kennenlernte und später ihre Freundin wurde, fand sie erst dort einen Minijob und später eine feste Stelle in der Seniorenresidenz Curanum. In beiden arbeitet sie bis heute – manchmal bedeutet das eine Sieben-Tage-Woche. Ihre Vorgesetzte im Curanum half ihr bei der Wohnungssuche. Bis heute wohnt Shevchenko in einer Mitarbeiterwohnung der Einrichtung. Parallel zu Vollzeitstelle und Minijob begann sie einen Integrationskurs an der Volkshochschule.
Ich wusste nicht, dass ich das kann.
„Frau Shevchenko war von Anfang an unglaublich motiviert“, erzählt Irina Moor, Fachbereichsleiterin Deutsch und Integration. „Sie wollte sich wirklich einbringen, nicht nur Sprache lernen.“ Sie absolvierte sieben Module und die B2-Prüfung – alles neben ihrer oft mehr als 40-Stunden-Woche.
Die Stadt Germering unterstützte sie dabei finanziell. Integrationsbeauftragter Manuel Leupold förderte sie mit Zuschüssen zu den Kurskosten. „Die Sprache ist die Basis für alles“, sagt Leupold. „Ohne sie kann Integration nicht gelingen.“ Rund 30 Menschen wurden im vergangenen Jahr durch die Stadt gefördert – eine freiwillige Leistung, die nicht jede Kommune anbietet.
Seit September macht Liudmyla Shevchenko nun eine Ausbildung zur Pflegefachfrau – an der Schule in Aubing mit Praxisteil im Curanum. „In meiner Klasse sind viele aus dem Ausland“, erzählt sie. „Wir helfen uns gegenseitig.“
Nebenbei arbeitet sie weiterhin im Minijob in der ambulanten Pflege. Jene Kollegin ist ihr zur Freundin geworden – und schenkte ihr zum Geburtstag Eintrittskarten für den Zirkus. Am 3. November, wenn sie 50 wird, wollen sie gemeinsam nach München fahren.
Dass sie heute in Germering arbeitet, war nicht selbstverständlich. In der Ukraine hatte Shevchenko Jura studiert und 15 Jahre in einem großen Betrieb gearbeitet, der Alkohol produzierte. Erst hier entdeckte sie ihre Freude an der Pflege. „Ich möchte lernen, wie man richtig hilft“, sagt sie.
Ihr Mann ist in der Ukraine, an der Front. Das gemeinsame Haus liegt nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt. „Alles ist zerstört“, sagt sie leise. Dann kommen ihr die Tränen. „Ich wünsche mir nur Frieden für mein Land.“ Auch ihre beiden erwachsenen Söhne leben woanders. Der ältere ist Militärübersetzer an der rumänischen Grenze, der jüngere studiert in Lwiw zum Piloten. „Ich fahre, wenn es geht, zweimal im Jahr zu ihnen“, sagt Shevchenko. „Das gibt mir Kraft.“
Wenn sie über die Zukunft spricht, kehrt Zuversicht in ihre Stimme zurück. „Ich will meine Ausbildung schaffen und im Curanum bleiben. Für mich ist das wie eine Familie.“