Insolvenz bei Lebensmittel-Großhändler: Produkte kennt man aus dem Supermarkt

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Viele Produkte des insolventen Großhändlers aus Braunschweig kennt man aus dem Supermarkt. (Symbolbild) © Frank Hoermann/ Sven Simon/ Imago

Steigende Material- und Energiekosten sowie eine spürbare Konsumzurückhaltung haben einen traditionsreichen Großhändler in die Insolvenz getrieben – was wird nun aus den rund 100 Beschäftigten?

Braunschweig – Die Produkte eines insolventen Lebensmittelgroßhändlers aus Niedersachsen kennen viele Menschen aus dem Supermarkt. Seit über hundert Jahren beliefert FDBS seine Kunden vom Großverbraucher bis zum Einzelhändler mit einem Produktsortiment von mehr als 15.000 Artikeln und einem Umsatz von über 30 Millionen Euro. Die Insolvenz trifft die Region ins Herz, wo rund hundert Mitarbeiter für das Unternehmen arbeiten. 

Insolvenz bei einem großen Großhändler für Lebensmittel – Was passiert mit den Aufträgen? 

Deutschlandweit geraten Unternehmen immer öfter in finanzielle Schwierigkeiten, meist bedingt durch die stark gestiegenen Energiekosten. Mit etwa 60 Insolvenzen pro Tag wird laut dem Statistischen Bundesamt dieses Jahr ein Höchstwert erreicht, den es in Deutschland seit zwölf Jahren nicht mehr gegeben hat.

Nun trifft es eine traditionsreiche Firma in Niedersachsen: Die Fleischer-Dienst Braunschweig eG stellte den Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht in Braunschweig, das den Wirtschaftsjuristen Tobias Hartwig von der Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte. Aktuell befindet sich der Wirtschaftsjurist am Unternehmenssitz in Niedersachsen und prüft die Sanierungsmöglichkeiten vor Ort. „Ziel ist, im ersten Schritt unsere Handlungsoptionen zu prüfen, um die FDBS wieder auf eine wirtschaftlich gesunde Basis stellen zu können und dadurch eine dauerhafte Perspektive zu ermöglichen”, so Hartwig. 

Gründe für die finanzielle Schieflage seien zum einen die spürbare Konsumzurückhaltung in der Lebensmittelbranche und zum anderen die gestiegenen Material- und Energiekosten. Hinzu kamen strukturelle Marktveränderungen und andere äußere Einflüsse, die zu vorübergehenden Liquiditätsengpässen führten. Letztlich war jedoch ein Branchenpartner ausschlaggebend für die imminente Krise, der seine Rechnungen nicht mehr zahlte: FDBS musste in Vorkasse gehen – „eine Situation, die kurzfristig nicht vollständig kompensiert werden konnte“, heißt es. 

Als Lebensmittelgroßhandel haben wir kein Monopol. Deshalb haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, außergewöhnlichen, einzigartigen Service zu bieten.

„Mit Herzblut“: Rund hundert Mitarbeiter arbeiten beim insolventen Großhandel in Niedersachsen

Neben Lebensmitteln bietet FDBS auch Non-Food-Leistungen, etwa Marketing-Services und technischen Kundendienst, an. „Wir verfügen über einen starken Kundenstamm und ein umfassendes Lieferantennetz“, sagt FDBS-Vorstand Sebastian Gerlach. „Beides haben wir uns gemeinsam mit unseren engagierten Mitarbeitern seit vielen Jahren und sogar Jahrzehnten mit Herzblut aufgebaut“. Die rund 100 Angestellten wurden von Insolvenzverwalter und Vorstand über die nächsten Schritte bereits informiert. Aktuell müssen sie nicht um ihren Job fürchten: Die Löhne und Gehälter sind mindestens bis zum Jahresende gesichert. Ziel sei es, wieder auf die Beine zu kommen, um „mit FDBS auch langfristig am Markt erfolgreich zu sein”, so Gerlach. 

Vorerst bleibt auch im Vertrieb alles beim Alten: Sowohl die Kundenbelieferung als auch die Non-Food-Leistungen des Unternehmens werden während der Insolvenz uneingeschränkt fortgeführt. In der Pressemitteilung zur Insolvenz wird zudem erwähnt, dass auch neue Aufträge „jederzeit möglich“ seien.

„Fest in der hiesigen Wirtschaftslandschaft verwurzelt“: Wie geht es mit FDBS weiter?

FDBS ist seit Jahrzehnten ein führender regionaler Partner für das Fleischerhandwerk, die Gastronomie und den Lebensmittelhandel. Das Unternehmen steht für ein umfassendes Sortiment von Frischfleisch und Lebensmitteln über Verpackungen und Reinigungsartikel bis hin zu technischem Bedarf und Dienstleistungen, dabei wird auch ein hauseigenes Logistiksystem und ein eigener Lieferservice angeboten.

Über 50 Prozent des Strombedarfs des Werks in Braunschweig werden über eine Photovoltaik-Anlage abgedeckt, überschüssige Energie wird gespeichert und unter anderem zum Laden von E-Fahrzeugen genutzt. Zudem verfügt das Werk über ein Blockheizkraftwerk. Investitionen in eine grüne Zukunft wie Projekte zur Energieeinsparung und Eigenstromversorgung sollen weiter umgesetzt werden, gibt das Unternehmen bekannt. Laut Vorstand wolle das Unternehmen die aktuelle Situation als Chance für einen strukturierten Neustart nutzen. „FDBS ist als Großhändler erstklassiger Fleischerei- und Gastronomie-Produkte fest in der hiesigen Wirtschaftslandschaft verwurzelt und bringt ein entsprechend gutes Potenzial für die Weiterführung mit“, stimmt auch der Insolvenzverwalter positiv.

Erst kürzlich musste ein Fleisch- und Wurstwarenhersteller in Niedersachsen Insolvenz anmelden. Von der finanziellen Schieflage des Familienbetriebs, der in der dritten Generation geführt wird, sind 379 Mitarbeiter betroffen – auch hier sind vor allem die massiv gestiegenen Kosten ausschlaggebend.