Putins neue Wunderwaffe? Experten zerlegen Russlands Marschflugkörper „Sturmvogel“

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Von einem „einzigartigen Produkt, das sonst niemand hat“ spricht Russlands Machthaber Putin. Der neue Marschflugkörper ist jedoch keine Wunderwaffe.

Moskau - Kriege quasi im Alleingang entscheiden: Diese Fähigkeit wird sogenannten Wunderwaffen zugeschrieben - oftmals zu Propagandazwecken, wie auch beispielsweise ein Blick in die Geschichte des Zweiten Weltkriegs zeigt. Einen solchen neuen „Gamechanger“ will jetzt angeblich Russland erfolgreich getestet haben. Die Rede ist vom Marschflugkörper Burewestnik, russisch für „Sturmvogel“. Dank seines nuklearen Antriebs habe dieser eine unbegrenzte Reichweite, heißt es vonseiten Russlands.

Wladimir Putin in Uniform bei Militärübungen. (Archivbild)
Eine Art Gamechanger im Ukraine-Krieg wird „Burewestnik“ nach Ansicht von Experten wohl nicht sein. © Mikhail Metzel/dpa

Damit besitze sein Land ein „einzigartiges Produkt, das weltweit niemand sonst hat“, behauptet Machthaber Wladimir Putin in einem vom Kreml verbreiteten Video. Weiter erklärte Putin: Hochkarätige Experten hätten ihm vor Jahren gesagt, eine solche Waffe sei nicht realisierbar. Jetzt seien jedoch „die entscheidenden Tests abgeschlossen“. Generalstabschef Walerij Gerassimow erklärt Putin in dem Video, der Marschflugkörper sei bei dem Test am 21. Oktober 14.000 Kilometer weit geflogen.

Experten: Putins „Sturmvogel“ weist einen großen Nachteil auf

Die Behauptung Russlands, dass die jüngsten Tests erfolgreich verlaufen seien, hält der Analyst Pavel Podvig, der in Genf ein Forschungsprojekt zu den russischen Nuklearstreitkräften leitet, für glaubwürdig. Auch William Alberque, der frühere Direktor des Nato-Zentrums für Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen, findet: Einiges deute auf eine erfolgreiche Testung hin, so Alberque in der Süddeutschen Zeitung. Aber: Dass Putin nur von einem erfolgreichen Test gesprochen habe, lege nahe, dass es noch Probleme mit dem System gebe, so der Experte.

Zudem weist Burewestnik, der in der Theorie die Vorteile einer Interkontinentalrakete mit denen eines Marschflugkörpers vereint, laut Alberque einen großen Nachteil auf: Er sei „ein Flugkörper, der keine Schallgeschwindigkeit erreicht. Und wenn wir irgendwas aus dem Ukraine-Krieg gelernt haben, dann, dass solche Systeme einfach abzuschießen sind.“ Der Einschätzung des Experten nach hätte das System keine sonderlich lange Überlebensdauer, sobald es erstmal den russischen Luftraum verlassen hat.

Putins „Sturmvogel“ laut Experten „keine Wunderwaffe“

Alberque spricht deshalb von einem der „dümmsten Systeme, die man sich vorstellen kann“. Der einzige Verwendungszweck, der ihm einfalle, sei „die Psychologie, die Propaganda“. Im Magazin Spiegel stellte Alberque folglich fest: „Das ist keine Wunderwaffe“. Andere Experten bewerten Burewestnik ebenso. Die Waffe sei „auf keinen Fall ein Gamechanger“, sagte der Raketenexperte Markus Schiller vom Friedensforschungsinstitut Sipri.

Fabian Hinz, Militäranalyst von der Denkfabrik International Institute for Strategic Studies (IISS) in Berlin, verweist zudem auf einen Vorfall aus dem Jahr 2019. Nach einem gescheiterten Test des „Sturmvogels“ war es zu einer Explosion gekommen, bei der mindestens fünf Menschen ums Leben kamen. Zudem wurde in der Region zeitweise eine erhöhte radioaktive Strahlung gemessen. (Quellen: Spiegel, Süddeutsche Zeitung, dpa, Kreml-Angaben) (grmo)

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