AfD plant Bürgerdialog in Bichl – und stößt auf Widerstand

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Gemeindebesitz: In der Bichler Traditionsgaststätte Bayerischer Löwe soll die umstrittene AfD-Veranstaltung stattfinden. © Arndt Pröhl

In der Gemeinde Bichl findet am Freitag (24. Oktober) eine politisch brisante Veranstaltung statt: Die AfD lädt im Gasthof Bayerischer Löwe zu einem sogenannten Bürgerdialog ein. Erwartet werden vier Bundestagsabgeordnete der Partei. FDP und Linke rufen zu friedlichen Gegenkundgebungen auf.

Bad Tölz – Die kleine Gemeinde Bichl wird an dem Freitagabend zum Schauplatz der politischen Auseinandersetzung mit der AfD. Die Rechtsaußenpartei plant dort im Gasthof Bayerischer Löwe einen sogenannten Bürgerdialog (Beginn: 18.30 Uhr) – und schickt Spitzenpersonal. Dagegen formiert sich Widerstand. FDP und Linke rufen zu zwei Gegendemos auf, die ausdrücklich friedlich verlaufen sollen. Erwartet werden um die 100 Teilnehmer.

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Vier Bundestagsabgeordnete angekündigt

Die selbsternannte „Alternative für Deutschland“ tritt mit geballter Stärke auf: Gleich vier Bundestagsabgeordnete – Ingo Hahn, Manfred Schiller, Gerold Otten und Gerrit Huy – haben sich angekündigt. Die Mandatsträger wollen nach eigenen Angaben Einblicke in ihren Arbeitsalltag liefern und mit den Besuchern über die Zukunft Deutschlands diskutieren. Doch es dürfte um mehr gehen: Offenbar versucht die Oppositionspartei, die auf Bundesebene von einem Umfragehoch zum nächsten eilt, im ländlichen Raum Fuß zu fassen. Bichl liege gut und sei als Veranstaltungsort „sehr geeignet im Oberland“, erklärt Hahn auf Kurier-Nachfrage. Der Hochschullehrer trat bei der jüngsten Bundestagswahl im Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach an und schaffte über die Landesliste den Sprung ins Parlament.

Pikant ist die Lokalität. Denn das Gebäude, in dem sich die Traditionswirtschaft befindet, gehört der Kommune. Diese besitzt also ein Hausrecht. Es drängt sich die Frage auf: Warum gewährt sie dann einer politischen Kraft, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird, diese Bühne? „Wir haben keine Rechtsgrundlage, die AfD auszuschließen“, erklärt Bürgermeister Benedikt Pössenbacher das Dilemma. Die Gruppierung sei nicht verboten. Eine Sichtweise, die auf einschlägigen Jura-Foren im Internet grundsätzlich geteilt wird. Es gelte bei der Nutzung öffentlicher Einrichtungen, so der Tenor, das Recht auf Gleichbehandlung und Meinungsfreiheit. Der einzige Weg, Auftritte dieser Art zu verhindern, fährt Pössenbacher fort, wäre ein generelles Verbot politischer Veranstaltungen im „Bayerischen Löwen“. Doch zu diesem drastischen Schritt wolle der Gemeinderat nicht greifen.

Glücklich ist das Gemeindeoberhaupt über den Besuch der ultrarechten Volksvertreter nicht. „Das ist keine demokratische Partei“, urteilt Pössenbacher. Er selbst werde am Freitagabend weder zur AfD noch zu den Protestkundgebungen gehen. Denn: „Ich habe andere Termine.“ Augen zu und durch – so scheint im Rathaus die Devise zu lauten. Doch so schnell dürfte Bichl die AfD nicht loswerden. Diese kündigt schon mal an, sich bei der Kommunalwahl 2026 an der geplanten Einheitsliste für den Gemeinderat zu beteiligen. Konkrete Namen werden allerdings nicht genannt. Eine Sache schließt Hahn aus: „Einen Bürgermeisterkandidaten stellen wir nicht.“

Den AfD-Bürgerdialog in seiner Heimatgemeinde einfach kommentarlos hinzunehmen – das kommt für Simon Roloff nicht infrage. Der FDP-Kreisvorsitzende organisiert deshalb ab 18 Uhr eine Kundgebung gegenüber dem besagten Gasthof. Unter dem Motto „Bichl ist bunt“ will er ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt setzen. „Ich möchte nicht, dass dieser Auftritt unwidersprochen bleibt oder der Eindruck entsteht, solche Positionen seien Teil der gesellschaftlichen Mitte im Dorf“, sagt der Liberale. Die überparteiliche Versammlung soll ihm zufolge ein klares Zeichen setzen – für Offenheit, Respekt und demokratischen Zusammenhalt. Roloff, der vorhat, für den Gemeinderat zu kandidieren, hält die Entscheidung, die AfD in den „Bayerischen Löwen“ zu lassen, für richtig. „Ein Verbot ist nicht der richtige Weg“, sagt er. „Man muss die Menschen mit Argumenten überzeugen.“ Mit der AfD geht der FDP-Mann hart ins Gericht: „Die wollen die Demokratie von innen heraus aushöhlen.“

Für Demokratie, gegen Rechtsextremismus

„Gemeinsam gegen Nazis“ – so lautet der Titel der zweiten Protestaktion vor dem Lokal, die Maurus Kurzmeier von der Linken auf die Beine stellt. Beginn ist ebenfalls um 18 Uhr. Der 24-Jährige aus Aßling studiert Soziale Arbeit in Benediktbeuern und hat eine kleine Wohnung in Bichl. Ihm sei es ein großes Anliegen, für die Demokratie und gegen Rechtsextremismus einzutreten, erklärt er. Die AfD darf seiner Ansicht nicht mehr zugelassen werden, da sie in Teilen offen rechtsradikal auftrete. Und sie grenze sich nicht ausreichend von rigorosen Leitfiguren wie Björn Höcke ab. Macht dies die Linke anders? Ja, findet Kurzmeier – und stellt klar: „Wir sind die demokratische Linke.“

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