„Langsamfahrstellen“ und längere Fahrtzeiten: So reagiert die Bahn auf Kritik aus dem Allgäu

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Am Knotenpunkt Buchloe drohen bald noch längere Wartezeiten auf Anschlusszüge ins Allgäu oder nach München.
Am Knotenpunkt Buchloe drohen bald noch längere Wartezeiten auf Anschlusszüge ins Allgäu oder nach München. © Tobisch

Wer zwischen München und dem Allgäu mit der Bahn pendelt, muss wohl bald (noch) mehr Geduld mitbringen. Neue „Langsamfahrstellen“ zwischen München und Buchloe könnten den Zugverkehr ausbremsen. Dagegen wehren sich die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller und Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle in einem Brief an die Bahn.

Allgäu – Auf der Bahnstrecke zwischen München und Buchloe müssen sich Fahrgäste ab 2026 auf längere Fahrzeiten einstellen. Wie die Schienennetzgesellschaft der Deutschen Bahn kürzlich in einer Videokonferenz mitteilte, seien auf einer Gesamtlänge von 25 Kilometern mehrere „Langsamfahrstellen“ geplant – die Höchstgeschwindigkeit soll hier nur 70 Stundenkilometer betragen. Die Begründung der Bahn fürs Ausbremsen der Züge: die marode Infrastruktur.

Landrätin Indra Baier-Müller (FW) und Kemptens OB Thomas Kiechle (CSU) warnen nun in einem offenen Brief an die Deutsche Bahn vor einer „Kettenreaktion“. Die geplanten Langsamfahrstellen, die auf eine falsche Prioritätensetzung zurückzuführen seien, stellten eine neue Eskalationsstufe dar. „Unsere Region ist auf eine attraktive und zuverlässige Anbindung an die Landeshauptstadt angewiesen. Mit einer Fahrzeitverlängerung von 15 bis 20 Minuten wird das ohnehin sehr angespannte Fahrplankonzept auf der Achse Buchloe – München vollständig auseinanderbrechen“, schlagen die beiden Kommunalpolitiker Alarm.

Die Fahrten des RE 70/76 (Lindau/Oberstdorf – München) und RE 72 (Memmingen – München) bis zum Münchner Hauptbahnhof stünden dann vor dem Aus, heißt es in dem Schreiben. Die Rechnung ist einfach: Züge, die aus dem Allgäu kommen, halten derzeit rund 35 Minuten in München und fahren dann wieder Richtung Allgäu. Bei einer erwarteten Fahrzeitverlängerung von rund 15 Minuten pro Richtung würde die Wendezeit nicht mehr ausreichen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. So bliebe nichts anderes, als Züge vorzeitig (etwa in München-Pasing) enden zu lassen. Heißt: Fahrgäste müssten dann nochmal umsteigen, um zum Hauptbahnhof zu kommen.

Auch die wenigen Direktverbindungen aus dem Ostallgäu nach München könnten dann entfallen. Diese Züge haben eine planmäßige Kurzwende von etwa 20 Minuten in München und hätten dann das gleiche Problem. Die Züge müssten Kiechle und Baier-Müller zufolge voraussichtlich auf dem gesamten Abschnitt Buchloe – München gestrichen werden. Ersatzweise könnte die RB 74 eingesetzt werden.

Durch den Wegfall oder die Verspätung der Züge ergeben sich für viele Fahrgäste Anschlussverluste, insbesondere im Münchner Hauptbahnhof. Für zahlreiche Reisende bedeute das Fahrzeitverlängerungen von bis zu einer Stunde.

Sind die Züge im Allgäu bald noch unpünktlicher?

Dabei sei die Lage im Allgäu schon jetzt alarmierend. Nur jeder vierte Neigetechnikzug aus Augsburg bzw. München erreiche den Knotenpunkt Buchloe mit weniger als drei Minuten Verspätung, heißt es im offenen Brief – nun drohe sogar eine Verschärfung des Problems. „Die Verantwortung hierfür liegt bei Bahn und Bund“, machen Baier-Müller und Kiechle deutlich. Sie fordern eine Instandsetzung des Korridors München – Buchloe noch in diesem Jahr und laden die Deutsche Bahn zu einem Krisengipfel im Oberallgäu ein.

Die Frage unserer Zeitung, ob man dieser Einladung folgen werde, ließ die Deutsche Bahn unbeantwortet. Dass die Einrichtung von Langsamfahrstellen aber zu Verspätungen und einer reduzierten Streckenkapazität führe, dieser Tatsache sei man sich durchaus bewusst, erklärt eine Unternehmenssprecherin.

Eine Lösung gibt es indes noch nicht. „Gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen wird die DB InfraGO in den kommenden Tagen und Wochen Konzepte erarbeiten, um die Auswirkungen auf die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten“, verspricht die Bahn. Zeitgleich arbeite die DB InfraGO „mit Hochdruck an der Planung und Umsetzung notwendiger Instandsetzungsarbeiten, um die Anzahl der Langsamfahrstellen zu reduzieren bzw. diese schnellstmöglich aufzuheben“.

„Da waren Züge in den 60er Jahren schneller“

Scharfe Kritik übt auch der Kaufbeurer Grünen-Stadtrat Markus Kühl, der als Beauftragter des Fahrgastverbandes Pro Bahn für Kaufbeuren und das Ostallgäu tätig ist. „Nun tritt im Allgäu offen zutage, was im ganzen Land für Kopfschütteln sorgt: Die Bahn-Infrastruktur wurde jahrzehntelang auf Verschleiß gefahren“, so Kühl. Verantwortlich macht er vor allem die früheren CSU-Bundesverkehrsminister Ramsauer, Dobrindt und Scheuer, die zu wenig in den Erhalt und die Modernisierung des Schienennetzes investiert hätten.

Für Kühl dramatisch: Die Unannehmlichkeiten für die Passagiere: „Wenn Anschlüsse in Buchloe verpasst werden, sprechen wir schnell von mindestens anderthalb Stunden Reisezeit – da waren die Züge in den 60er- und 70er-Jahren schneller“, so Kühl. „Wenn Bahnfahren immer unzuverlässiger und zeitaufwendiger wird, steigt niemand freiwillig um. Dann werden noch mehr Menschen ins Auto steigen – mit allen bekannten Folgen: volle Straßen, mehr Staus und steigende Emissionen.“

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/bayern/schwaben/allgaeu/langsamfahrstellen-so-reagiert-die-bahn-auf-kritik-aus-dem-allgaeu-93998868.html