Leseclub Turmgeflüster feiert Jubiläum in Fürstenfeldbruck

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Im Jahr 2024 war der Leseclub bei den Bücherpiraten in Lübeck. © Christine Dietzinger

Zum 20-jährigen Bestehen öffnet der Verein seine Türen – Leseförderung steht weiterhin im Mittelpunkt der Jugendarbeit.

Fürstenfeldbruck – Seit 20 Jahren gibt es in Fürstenfeldbruck den Leseclub Turmgeflüster. Aus einem lockeren Treffen ist mittlerweile ein Verein geworden, der auch Theaterworkshops, Reisen und mehr auf die Beine stellt. Gefeiert wird das Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür am Samstag, 25. Oktober. Die Vorsitzende Christine Dietzinger blickt auf die Anfänge zurück.

Mitglieder des Leseclubs Turmgeflüster aus Fürstenfeldbruck
Der Leseclub im Jahr 2005: die beiden Mädchen rechts sind die Turmgeflüster-Gründerinnen Sara Krippgans und Valerie Theis. © Christine Dietzinger

Wie entstand die Idee zur Gründung des Leseclubs?

Die Idee hatte Valerie Theis, heute Mitglied im Vorstand. Ehemalige Kindergartenkinder, die noch mit ihr in Kontakt standen, kamen auf mich zu, weil sie gerne außerhalb der Schule lesen wollten. Also fragte ich in der Stadtbibliothek, ob einmal im Monat Räumlichkeiten für regelmäßige Leseclub-Treffen zur Verfügung gestellt werden könnten. Die damalige Bibliotheksleitung bot den Turm im vierten Stock der Aumühle an. Dort begannen am letzten Freitag im Monat die offenen Treffen, um über Bücher zu reden und Buchtipps auszutauschen.

Wer besuchte den Leseclub?

Überwiegend ehemalige Kindergartenkinder und deren Freunde im Alter von zehn bis zwölf Jahren. Die Treffen wurden in der Bibliothek beworben und so wurden mehr Kinder darauf aufmerksam. Einige sind heute noch im Verein aktiv.

Was waren die ersten Aktivitäten?

Die Kinder haben ihre Lieblingsbücher zu einem Thema vorgestellt. Cornelia Funke war eine Lieblingsautorin. Es gab zum Beispiel eine Lesung zum „Herrn der Diebe“ oder zu „Tintenherz“. Außerdem wurden Faschingslesungen in Verkleidung, ein Bücherquiz und Lesungen zum Kinostart etwa von „Charlie und die Schokoladenfabrik“ veranstaltet. Der Club hat eine Lesezeitung mit Interviews und Rätseln herausgegeben. In dem Zuge entstand der Name „Turmgeflüster“ – ein Vorschlag von Sara Krippgans, heute eine von den drei Vorständen.

Wie hat sich der Club über 20 Jahre entwickelt?

Durch die Lesungen zum Kinostart entbrannten große Diskussionen, ob Film oder Buch besser ist. Da zu dem Zeitpunkt Harry Potter sehr angesagt war, beschlossen die Kinder, Harry Potter als Theater zu spielen und organisierten eine große Veranstaltung in der Bibliothek zur Veröffentlichung des siebten Bandes. Damit war der Lese- und Theaterclub geboren. Seitdem gibt es sehr viele Angebote: Bücherwurm, Buchkinder, Schreibwerkstätten, Theaterworkshops, Poetry Slams, Autorenlesungen, Book Slams, literarische Bildungsfahrten ins In- und Ausland und vieles mehr.

Was waren die Höhepunkte?

Da gibt es viele: die Vereinsgründung, der Deutsche Lesepreis 2017, der Kulturförderpreis, Treffen mit bekannten Autoren, Schauspielern und Illustratoren, der Einzug in unsere eigenen Räume, das Demokratie-Camp und Demos für Vielfalt und die Zusammenarbeit mit Meike Hartms und Sophie Hechler.

Was planen Sie für die Zukunft?

Wir möchten weiterhin stabile Jugendarbeit leisten. Seit diesem Jahr sind wir Teil des Literarischen Jugendquartetts und im Herbst treten wir zum ersten Mal auf der Münchner Bücherschau auf. Wir werden ab 2026 wieder beim Literanautenprojekt des Arbeitskreises Jugendliteratur mitmachen, um mehr Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern. Wir arbeiten an einer nachhaltigen Partnerschaft mit einer Jugendtheatergruppe in Großbritannien. Wir hätten gerne eine eigene Wirkungsstätte und würden gerne feste Stellen für Literaturpädagogen und Theaterpädagogen schaffen. Leider fehlen uns dafür die Gelder.

Warum ist Leseförderung und ein Leseclub so wichtig?

Weil Lesen nicht nur Spaß macht, sondern kreatives Denken und Phantasie anregt, und so zu Problemlösekompetenz beiträgt. Lesen fördert Meinungsbildung, Demokratiefähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Durch Leseförderung wird allen Kindern ein Zugang zu Büchern und vielfältigen Geschichten ermöglicht. Ein Leseclub ist wichtig, weil sich dort Gleichgesinnte austauschen können und Respekt erfahren. Gerade in Zeiten der KI wird Lesen immer wichtiger, um nicht alles zu glauben, was im Netz verbreitet wird.