Es gibt keine Entschuldigung: Vor dem ersten Oberliga-Derby der Saison herrscht bei den Anhängern des SC Riessersee große Vorfreude und Zuversicht.
Sie sind das Rückgrat des Vereins. Sie fahren tausende Kilometer quer durch die Republik – manchmal sogar bis in die Niederlande – nur für 60 Minuten Eishockey. Sie lieben ihre Mannschaft auch in schweren Zeiten: die Fans des SC Riessersee. Und weil sie eben mit Herzblut dabei sind, sehen sie vieles anders als die Eishockeyspieler selbst. Während die Profis sich von der Derbystimmung nicht anstecken lassen dürfen, am Freitag noch das wichtige Heimspiel gegen Passau (siehe Seite 31) zu absolvieren hatten, stecken die weiß-blauen Anhänger schon lange in Vorfreude auf das Spiel gegen Bad Tölz.
Genau erinnert sich Markus Koller an den Moment, als vor gut zehn Jahren die Garmisch-Partenkirchner Fans ihre Tölzer Rivalen zum Narren machten. „Damals hat eine Gruppe im Tölzer Block ein zusammengerolltes Plakat platziert“, erzählt der Bad Kohlgruber. Die Anhänger der Buam dachten fälschlicherweise, sie hätten das vorbereitet, und rollten es aus. So prangte in der Kurve des Erzrivalen plötzlich der Satz: Hier regiert der SCR! „Das war eine der besten Aktionen überhaupt“, sagt Koller lachend, „vor allem, weil es eine Aktion mit Hirn war, ohne jemanden zu beleidigen“. Zusammen mit seinem Fanclub, den Blue Bavarians Murnau, wird er freilich auch am Sonntag (18 Uhr) wieder in der Kurve stehen und seine Truppe nach vorne peitschen. Neben ihm wird dann Christina Galgon auf und ab hüpfen. Die Obersöcheringerin verpasst kaum ein Spiel ihrer Mannschaft und ist zuversichtlich, dass Robin Soudek ihren Club zum Sieg schießen wird. „Er macht bestimmt eins“, hofft die 43-Jährige, die sich auf einen Schlagabtausch einstellt. „Es wird sehr ausgeglichen werden. Wir dürfen nicht zu viele Konter zulassen, denn die Tölzer nutzen ihre Chancen. Das ist unsere Schwachstelle.“
Das ist ein besonderes Spiel, da gibt es keine Entschuldigung.
Die Zuversicht im SCR-Lager ist vor dem ersten Aufeinandertreffen in dieser Oberliga-Saison groß. Denn die Profis haben ihre besten Spiele bisher gegen die Top-Teams der Liga gezeigt: Zu diesen zählt sich nach zahlreichen Verstärkungen auch der ECT. Auf dem Eis legte er jedoch zunächst einen Stotterstart hin, verlor drei der ersten vier Begegnungen. SCR-Verteidiger Luca Allavena betont: „Die Tölzer haben nicht den Auftakt hingelegt, den sie sich erhofft haben.“ Zuletzt gab es eine 0:6-Packung gegen Deggendorf. Das Eigengewächs ist sich sicher, dass mit „60 Minuten Kampf und Leidenschaft“ die Punkte nach Garmisch-Partenkirchen wandern. „Das ist ein besonderes Spiel, da gibt es keine Entschuldigung.“ Fakt ist auch: Der unliebsame Rivale hat, obwohl noch Sand im Getriebe ist, bereits zwei Zähler mehr auf dem Konto als der SCR. Das soll aber nicht von Dauer sein, wenn es nach Fan Koller geht. „Das wird wie jedes Jahr bei Tölz sein. Irgendwann kommt das Loch.“ Er baut darauf, dass die jungen Burschen beim SCR einen kühlen Kopf bewahren. Vor allem Johannes Steinhübl hat es ihm angetan. „Der weiß, wo das Tor steht und scheißt sich nichts.“ Das dürfte die größte Herausforderung für das verjüngte Riesserseer Team werden: Eine ausverkaufte Hacker-Pschorr-Arena, zwei stimmungsvolle Fankurven, emotionsgeladene Spieler – das gab es in den ersten sieben Partien noch nicht. Davon dürfen sich die Talente nicht anstecken lassen. Anders als ihre Anhänger. Für die gibt es seit Wochen nichts Wichtigeres. Koller betont: „Wenn die Mannschaft versteht, was die Mutter aller Derbys bedeutet, gewinnen wir.“