Vor Derby: SC Riessersee setzt deutliches Zeichen

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Schreckt auch abseits des Stadions nicht zurück: Luca Allavena. © Tamara Rabuser/or

Die Spieler des SC Riessersee setzen mit einer Aktion beim Heimspiel im Olympia-Eissportzentrum ein deutliches Zeichen. Dann könnte bereits ein Neuzugang auflaufen.

Es ist eine Szene gewesen, wie sie in Deutschlands Stadien wohl 1000-mal in der Woche passiert: Zwei Fans des SC Riessersee teilten nicht eine Meinung und bekamen sich in die Haare. Normalerweise wäre die Auseinandersetzung am vergangenen Sonntag im Olympia-Eissportzentrum unbemerkt geblieben. Doch just in dem Moment standen die Eishockeyprofis vor ihrer Kurve und wollten sich trotz der 3:4-Schlappe gegen Füssen bei ihrem Publikum bedanken. So bekamen selbst sie Wind von dem Disput und begrüßen daher die Aktion, die ihr Verein ins Leben gerufen hat: Unter dem Motto „Einmal Blauer, immer respektvoll“ will der Oberligist im heutigen Heimspiel (20 Uhr) gegen die Passau Black Hawks ein Zeichen gegen Gewalt, Rassismus, Homophobie und jede Form von Diskriminierung setzen.

„Es ist wichtig, dass wir darauf aufmerksam machen“, betont etwa Verteidiger Luca Allavena. „Es kann nicht sein, dass da verschiedene Lager entstehen. Wir brauchen ein großes Miteinander, um erfolgreich zu sein.“ Das gilt vor allem für dieses richtungsweisende Wochenende. Passau ist mit vier Siegen aus fünf Partien stark in die Saison gestartet, zuletzt musste man aber zwei Niederlagen hinnehmen. Trainer Hunor Marton schätzt den Tabellenachten als offensiv stark ein, der „die kleinsten Scheibenverluste ausnutzen wird. Wir müssen das Spiel kontrollieren und Passau von unserem Tor weghalten“.

Leichter gesagt als getan. Denn der Kontrollverlust gegen Füssen – durch zwei späte Gegentreffer schenkte der SCR den Sieg her – beschäftigte die Profis auch noch in dieser Woche. „Am Familientag, vor einer geilen Kulisse, das darf nicht passieren“, urteilt Allavena. Da stimmt ihm Coach Marton nur zu. „Bei dem Ergebnis haben wir gedacht, das Spiel ist vorbei.“ Beide hoffen auf einen Lerneffekt des Teams. Und zwar möglichst schnell. Heute dürfte es erneut viele Zuschauer ins OEZ ziehen.

Beim Betreten des Stadions erhalten alle Besucher einen Flyer mit der zentralen Botschaft der Kampagne. Zudem finden sie in den Foyers des Stadions Plexiglasscheiben, auf denen Fans die Werte, die sie mit dem Verein verbinden, niederschreiben können. „Wir hatten schon länger das Bedürfnis, unser Leitbild nach außen hin zu kommunizieren“, erklärt Geschäftsstellenleiter Sebastian Ziener. Denn die Verantwortlichen haben einen Umbruch in der Fanszene ausgemacht, viele junge Leute sind hinzugestoßen. „Jeder muss wissen, wofür wir als Verein stehen.“ Die Aktion selbst war seit Langem geplant, die Auseinandersetzung der Anhänger war dafür nicht der Aufhänger. Vielmehr ist es Ziener wichtig, dass sich jeder SCR-Fan seiner Verantwortung gegenüber dem Verein bewusst wird. „Jeder Einzelne repräsentiert uns und hat gewisse Pflichten.“ Alle Beteiligten sollen mehr miteinander reden – und vor allem an einem Strang ziehen. Hierfür appelliert auch die Mannschaft mittels einer Videobotschaft vor Spielbeginn. Das Ziel: ein sichtbares, spürbares Zeichen für Respekt und Zusammenhalt.

Zu diesem Zeitpunkt könnte auch ein weiterer Sportler schon in Garmisch-Partenkirchen weilen. Jannik Stein lief bereits im vergangenen Jahr zweimal als Förderlizenzspieler für die Werdenfelser auf. In diesem Sommer hat der Stürmer in Rosenheim seinen ersten Profivertrag unterschrieben, kommt beim DEL2-Club allerdings erst auf vier Einsätze in dieser Saison. Jetzt soll sich der 20-Jährige mehr Eiszeit in der Oberliga holen. Im Idealfall schon am bevorstehenden Wochenende.