Vor Derby bestens eingelebt: Kanadier überzeugt beim SC Riessersee

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Da hat er es schon wieder getan: Die Riesserseer bejubeln Parker Colleys (2.v.r.) Treffer gegen Stuttgart zum wichtigen 3:1. © OR

Das Besetzen der Kontingentstellen ist immer auch ein Lotteriespiel. Heuer scheint dem SC Riessersee ein Glücksgriff gelungen zu sein.

Wirklich einschätzen kann man einen Spieler nicht, bevor er vor einem auf dem Eis steht. Freilich bedienen sich Sportliche Leiter und Trainer inzwischen unzähliger Videos, Analysesoftware und Statistiken, klauben zusätzlich über Kontakte Informationen zum Charakter eines Kandidaten zusammen. Doch ob ein Eishockeyprofi am Ende in den Verein passt, ist nicht sicher. Das galt freilich auch für Parker Colley, den der SC Riessersee Ende Juli für die zweite Kontingentstelle auserwählt hatte. Nach sechs Oberligaspielen lässt sich bereits festhalten: Der erfahrene Stürmer ist eine Bereicherung für das Spiel der Werdenfelser, aktuell zweitbester Scorer des Teams, und bringt eine Komponente mit, die dem Club in der vergangenen Spielzeit noch abgegangen war.

SCR: Trainer voll des Lobes

Sein Trainer schätzt vor allem die Wege, die der Kanadier für sein Team auf sich nimmt. „Er ist ein Center, der auf beiden Seiten enorm viel arbeitet und nicht nur offensiv denkt“, betont Hunor Marton. „Das ist ein enorm positives Merkmal, an dem sich gerade seine jüngeren Teamkollegen ein Beispiel nehmen. Sie sehen, wie wichtig es ist, sich über die gesamten 60 Meter zu plagen.“ Nicht der einzige Grund, warum der 28-Jährige bei den Garmisch-Partenkirchnern aktuell aufblüht. Auf dem Eis harmoniert er mit Alexander Höller und Quirin Glas-Bader in der zweiten Reihe prächtig. Das äußert sich auch in Zahlen: Drei Tore sowie sechs Vorlagen steuerte Colley bisher bei. Bereits einen Scorerpunkt mehr als in der gesamten vergangenen Spielzeit, als er noch das Dress des französischen Clubs Angers trug. Damals fiel er allerdings mit einem ausgekugelten Handgelenk auch drei Monate aus. „Ich verstehe mich mit den Jungs in meiner Reihe prächtig“, betont der Stürmer. „Wir sind alle selbstbewusst an der Scheibe und denken offensiv, auch wenn ich wahrscheinlich noch mehr selbst den Abschluss suchen könnte.“

Er ist ein Center, der auf beiden Seiten enorm viel arbeitet.

Auch außerhalb des Olympia-Eissportzentrums fühlt er sich bestens wohl. Nur fünf Minuten entfernt hat er in Partenkirchen sein Zuhause gefunden, verbringt dort viel Zeit mit Jesse Roach – einem weiteren Zugang und Halb-Kanadier –, der nur ein Stockwerk über Parker wohnt. „Bisher liebe ich es hier, wir gehen viel im Ort spazieren.“ Neben dem traditionellen Ausflug an den Eibsee ging es für ihn mit Roach, Lenny Elwing und Torwarttrainer Joey Vollmer zum Golfen. Auch ein Besuch auf dem Oktoberfest durfte mit der Mannschaft natürlich nicht fehlen. „Das war ein ganz schönes Schauspiel“, sagt er über seinen ersten Besuch. Überrascht hat ihn auch die erste Begegnung mit Christopher Chyzowski. „So wie er spricht, habe ich gedacht, er ist Kanadier.“ Freilich wusste Parker zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dieser der Sohn von Ron Chyzowski ist. Ob dieser Erlebnisse kauft man dem Stürmer sofort ab, wenn er sagt: „Ich bin hier voll angekommen.“

Das kann er an diesem Sonntag gleich wieder unter Beweis stellen, wenn es im Olympia-Eissportzentrum ab 17 Uhr zum Altmeisterduell mit Füssen kommt. Eigentlich eine Pflichtaufgabe für die Riesserseer, wie ein Blick auf die Tabelle verrät. Die Allgäuer um ihren neuen Trainer Daniel Jun (zuvor ESV Kaufbeuren) warteten vor ihrem Freitagsspiel gegen Deggendorf noch immer auf ihren ersten Saisonsieg, verloren zuletzt gegen Peiting und Aufsteiger Erding und haben einen der kleinsten Etats der Oberliga. Doch wenn Colley bisher eins in Deutschland gelernt hat, dann, dass man keinen Club unterschätzen darf. „In dieser Liga kann alles passieren. Einen schlechten Durchgang wie gegen Memmingen können wir uns nicht erlauben.“