Einen steuerfreien Zuverdienst von bis zu 2000 Euro verspricht die Merz-Regierung Rentnern. Was dabei häufig unerwähnt bleibt: Sie müssen einen Teil davon abgeben: Wie viel bleibt?
Berlin – Die Merz-Regierung bringt am Mittwoch, 15. Oktober, die Aktivrente auf den Weg. Es ist der zentrale Ansatz, um mehr Menschen zum Arbeiten im Alter zu bewegen. Wer neben der Rente arbeitet, kann ein Gehalt von bis zu 2000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Die Erwartungen sind groß: „Das heißt, es kommt richtig viel Netto fürs Brutto raus“, sagte etwa Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen bei MDR Aktuell. Ab dem 1. Januar 2026 soll die Aktivrente starten.
Doch bei der Aktivrente fallen ebenfalls Sozialabgaben an. Für die Zusatzeinkünfte, die bis 2000 Euro im Monat steuerfrei sind, werden damit Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung fällig. Der Arbeitgeber muss zudem Rentenbeiträge zahlen. Die Rentner selbst haben die Wahl, ob sie freiwillig weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Für sie hat das den Vorteil, dass sich ihre Rente im kommenden Jahr dadurch erhöht.
Trotz 2000-Euro-Steuerbonus: Bei der Aktivrente fallen Sozialabgaben an
Arbeitende Rentner zahlen bisher den vollen Beitragssatz der Pflegeversicherung. Bei der Krankenversicherung sei noch unklar, ob der volle Beitragssatz von 14,6 Prozent fällig werde oder der gemäßigte Satz von 14 Prozent, berichtete der MDR. Finanzexperte Tenhagen ging dort davon aus, dass der volle Satz angewandt wird. Damit haben die sogenannten Aktivrentner auch Anspruch auf Krankengeld.
Doch wie viel bleibt nun von dem 2000-Euro-Steuerbonus für Arbeit neben der Rente? Beim vollen Krankenversicherungsbeitrag und einem angenommenen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,5 Prozentpunkten summieren sich die Sozialabgaben auf 10,35 Prozent. Das gilt für Rentner mit einem Kind über einem Alter von 25 Jahren.
Nach Abzug von Pflege- und Krankenkassen-Beiträgen: Rentnern bleiben rund 1800 Euro von der Aktivrente
Bei einem Einkommen von 2000 Euro werden damit 207 Euro abgezogen. Wer das volle Gehalt von 2000 Euro bekommt, erhält damit 1793 Euro im Monat netto durch die Zusatzarbeit neben der Rente. Je nach Zusatzbeitrag der Krankenkasse kann der Abzug höher oder niedriger ausfallen. Auch für kinderlose Menschen ändert sich das Netto vom Brutto. Immerhin: Das zusätzliche Einkommen erhöht nicht den Steuersatz auf die anderen Einkommensarten, wie etwa die Rente.
Der Renten-Plan kostet den Bund laut eines Referentenentwurfs im Bundesfinanzministerium rund 890 Millionen Euro pro Jahr. Besonders in den Jahren 2026 bis 2030 erwartet die Merz-Regierung Steuerausfälle in diesem Umfang. 134 Millionen Euro davon kommen auf die Kommunen zu. Umgekehrt rechnen Union und SPD damit, dass die Sozialversicherungen durch die höhere Zahl der beitragspflichtigen Erwerbstätigen profitieren.
Fiskalischer Nutzen des Renten-Plans ist umstritten – andere Faktoren für Arbeit im Alter entscheidender
Wie hoch der Nutzen der Aktivrente ist, hängt davon ab, wie viele Rentner arbeiten. Laut einer früheren Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt ab etwa 75.000 zusätzlichen Erwerbstätigen ein Plus für den Staat heraus. „Der Effekt der Aktivrente dürfte aber überschaubar sein“, bremste jedoch DIW-Experte Peter Haan am Mittwoch, 15. Oktober, die Erwartungen. Finanzielle Anreizen seien nur ein Faktor für die Arbeitsbereitschaft von älteren Menschen. „Wichtiger sind Arbeitsbedingungen, Sinn und Befriedigung durch Arbeit, aber auch Weiterbildung und Gesundheit.“ Hier müsse die Politik investieren.